Güstrow : Markthändler bangen um Existenz

Martina und Udo Senkel bieten seit 28 Jahren ihre Waren auf dem Güstrower Markt an – jetzt sind sie in Sorge.
Martina und Udo Senkel bieten seit 28 Jahren ihre Waren auf dem Güstrower Markt an – jetzt sind sie in Sorge.

Güstrower Obst- und Gemüseanbieter in Sorge wegen osteuropäischer Konkurrenz - Stadtverwaltung: vorerst keine neuen Zulassungen.

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16. Februar 2018, 05:00 Uhr

Die Obst- und Gemüsehändler auf dem Güstrower Markt sind in Sorge. Ein polnischer Händler hat sich beworben, sein Obst und Gemüse auch auf dem Marktplatz zu verkaufen. „Es wäre dann nur noch eine Frage der Zeit, bis wir nicht mehr existieren könnten“, formuliert es Udo Senkel, der aber für alle Händler seiner Branche spreche. Der 59-Jährige fing vor gut 28 Jahren als erster mit einem Stand auf dem Güstrower Markt an und kennt die Preispolitik des Nachbarlandes. „Wir haben ganz andere Kosten und Mindestlöhne zu zahlen. Polnische Händler können zu Preisen verkaufen, für die ich die Ware noch nicht einmal auf dem Großmarkt einkaufen könnte“, fügt er an. Auch Erzeugern in der Region sei es nicht möglich, für diese Preise Obst und Gemüse anzubauen. In anderen Städten sei es schon so gewesen, dass letztlich einheimische Händler keine Chance gehabt hätten, in dieser Situation zu überleben.

Neugestaltung des Marktes abwarten

Im Paragraph 8 der Marktsatzung ist folgendes festgehalten: „Die Teilnahme an den Märkten ist von der Zulassung durch die Stadt abhängig. … Die Auswahl der Anbieter richtet sich nach dem Warenangebot und dem zur Verfügung stehenden Platz.“ Danach könnten noch Händler zugelassen werden, dennoch komme dieser Punkt derzeit nicht zum Zuge, erklärt der Leiter des Ordnungsamtes, Detlef Moll. Da der Markt aufwendig umgestaltet werden soll (SVZ berichtete), müsse der Wochenmarkt in dieser Zeit verlegt werden. Wahrscheinlich werde der Frischmarkt dann auf den Pferdemarkt verlegt, der dann nur begrenzten Platz bietet. „Aus diesem Grunde werden im Moment überhaupt keine Neuzulassungen bis zur Neugestaltung des Marktes erfolgen“, sagt Detlef Moll auf Nachfrage unserer Zeitung. Das sei auch mit dem Stadtplanungsamt so abgesprochen.

Dennoch bleibt die Sorge. Denn wenn der Markt dann umgestaltet ist und wieder für die Händler offen sein wird, könnte es wiederum eine Anfrage geben. Detlef Moll kündigt aber schon jetzt eine Überarbeitung der Marktsatzung an. Derzeit stehe man ja noch ganz am Anfang, Bürgerbeteiligungen und vieles mehr kommen ja erst. Erst wenn die Stadtvertretung über eine neue Satzung beschlossen habe, wisse man, wie viele Stellplätze überhaupt zur Verfügung stehen.

Für die Händler, die derzeit dreimal pro Woche auf dem Markt frisches Obst und Gemüse anbieten, ist die Arbeit in den Jahren nicht leichter geworden. Eigentlich müsste Udo Senkel den derzeit 17 Jahre alten Anhänger erneuern. Doch damit wird er erst einmal warten müssen. Aber er wünscht natürlich, dass die Stadt im Sinne der regionalen Händler agiert, die schon seit Jahren Güstrowern frisches Obst und Gemüse anbieten. „Wenn nicht, könnte es sein, dass bald vier Stände für einen neuen verschwinden würden. Ob das im Sinne der Stadt ist, würde ich bezweifeln“, fügt er an.

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