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Pilotenausbildung : Mario Donick hebt virtuell in den Urlaub ab

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Kommunikationswissenschaftler sitzt nicht nur selbst am Computer – er erklärt die Simulation auch in Fachmagazinen und künftig in der Volkshochschule

Er ist erst 2009 das erste Mal geflogen. „Eigentlich habe ich Flugangst“, gesteht Mario Donick. Mittlerweile hat er diese durch seine intensive Beschäftigung mit der Flugsimulation abgebaut. „Eventuell mache ich irgendwann meinen Flugschein“, sagt der 33-Jährige, der unter anderem an der Volkshochschule Rostock Deutschkurse für ausländische Mediziner gibt. Bisher hatte der Kommunikationswissenschaftler in der realen Welt erst einmal das Steuer eines Motorseglers in der Hand.

Virtuell dagegen ist der gebürtige Bützower in seinem Wohnzimmer seit 2012 sehr aktiv. Bis zu vier Stunden pro Woche steigt Donick aus reinem Vergnügen in sein virtuelles Flugzeug – Cessna 172 – und betrachtet mithilfe der Software X-Plane 10 die Welt von oben. „Wenn ich freiberuflich Artikel für die Flugsimulations-Fachzeitschrift schreibe, können sechs weitere Stunden dazu kommen.“

Zwar sei Donick zufolge das Fliegen am Computer mit der Realität nicht vergleichbar. „Aber viele Abläufe sind identisch.“ Deshalb kümmert er sich um Wetter, Flugplan und alternative Landeplätze vor dem virtuellen Start seines kleinen Flugzeugs, das Flugschulen oft nutzen. Und er stellt sicher, dass die Cessna 172 funktionstüchtig ist.

„Wenn der Simulator so eingestellt ist, dass er reales Wetter verwendet, muss ich Wetterberichte lesen“, erläutert Donick. Dabei sei es wichtig, in welcher Höhe sich Wolken befinden, wie Temperatur und Luftdruck beschaffen sind. Letzterer sei entscheidend, damit der Höhenmesser im Cockpit richtig eingestellt werden könne. „Die Temperatur ist notwendig, um Vereisung zu vermeiden“, sagt Donick. Wenn es sehr kalt sei, könne es in den Wolken schnell zu Eisablagerungen auf den Tragflächen kommen. Dies mache es beinahe unmöglich, die Höhe zu halten. „Unter solchen Bedingungen dürfen nur Flugzeuge mit Anti-Eissystemen fliegen. Meine C172 müsste unten bleiben.“

Donick schließt die Eingabegeräte an den PC an. „Alle Knöpfe sind Funktionen des Flugzeugs zugeordnet“, erläutert er. Wie ein realer Pilot prüft Donick vor dem Start, ob Batterien, Treibstoffpumpe und Lampen funktionstüchtig sind. „In der Wirklichkeit würde ich jetzt noch schauen, ob Leute im Weg sind – das spare ich mir im Wohnzimmer“, sagt Donick. Er schiebt den roten Hebel für das Treibstoffgemisch ganz hoch, drückt den schwarzen Schubhebel ein Stück weit rein und dreht das Zündschloss. „Jetzt muss ich auf eine stabile Motor-Drehzahl achten“, erklärt er und schaltet die Funkgeräte ein. Nun beginnt die Cessna 172 virtuell loszurollen.

Dieses Mal startet sein Flug in Purkshof bei Rövershagen. Von dort fliegt er über die B105 und Karls Erdbeerhof Richtung Dierkow, Toitenwinkel und Seehafen. In Warnemünde dreht er und fliegt gen Innenstadt.

„Flugsimulation ist ein tolles Hobby und sehr entspannend“, sagt Donick. Manchmal suche er sich eine Insel, die er real gerade nicht erreichen kann und macht dort – untermalt von Musik aus dem heimischen Wohnzimmer – virtuell Urlaub. „Oder ich erkunde eine Gegend mit dem Simulator, bevor ich real hin fliege“, so Donick.

Selbst in seine gerade verteidigte Dissertation zu dem Thema „Unsicherheit bei der Mensch-Maschine-Interaktion“ hat sein Hobby Einzug gehalten – mit einem Beispiel zur Flugsimulation. Zudem hat er einen Kurs für die Volkshochschule entwickelt, in dem er Kenntnisse der Flugsimulation vermitteln wollte. „Doch leider haben sich bisher nicht genügend Teilnehmer angemeldet“, bedauert Donick. Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Wen das Fliegen fasziniert, kann sich jedenfalls getrost an ihn wenden.

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