Güstrow : Manege frei für Integration

Die Stimmung vor dem Zirkuszelt in der Güstrower Südstadt ist ausgelassen. Auch Sarah Kerstan (l.) und Erika Maurer (vorne M.) freuen sich auf das morgige Programm.
Die Stimmung vor dem Zirkuszelt in der Güstrower Südstadt ist ausgelassen. Auch Sarah Kerstan (l.) und Erika Maurer (vorne M.) freuen sich auf das morgige Programm.

Zirkus in Güstrows Südstadt wird interkulturell: Kinder führen ihr Programm heute Nachmittag öffentlich auf

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28. August 2015, 06:00 Uhr

Bunt wie das Zelt ist die Gruppe der Kinder beim Zirkusprojekt in der Güstrower Südstadt. Unter dem farbenfrohen Dach wird Integration im wahrsten Sinn des Wortes akrobatisch gemeistert. Kinder aus u. a. Mazedonien, Albanien, Armenien, Tschetschenien, Vietnam und Deutschland tanzen gemeinsam über Seile, laufen über Bälle, verkleiden sich als Tiere. Denn die Zirkuswoche, steht unter dem Motto “tierisch gut“. Heute um 14 Uhr wird das Programm präsentiert, dass die Grundschulkinder eine Woche lang einstudiert haben.

„Wir freuen uns, wenn viele Leute kommen und auch ein bisschen Geduld mitbringen“, sagt Erika Maurer, pädagogische Mitarbeiterin bei der Regionalstelle der evangelischen Arbeit für Kinder und Jugendliche Region Güstrow. Neben Verwandten und Freunden der Mitwirkenden sind auch alle Interessierten herzlich willkommen.

Die Zirkuswoche wird vom evangelischen Kinder- und Jugendwerk Mecklenburg, Kirchenregion Güstrow, getragen. Neben der Pfarr- und der Domgemeinde unterstützen auch Diakonie, Arbeiterwohlfahrt und mehrere Ehrenämtler bei dem Projekt. Etwa zehn Helfer und Betreuer sind an Bord. Passend zum Motto wurden in dieser Woche jeden Morgen tierische Geschichten aus der Bibel vorgelesen. Dann studieren die Kinder ihre Kunststücke von Jonglage über Leiterakrobatik bis hin zu menschlichen Pyramiden ein. Gemeindepädagogin Sarah Kerstan ist begeistert: „Es ist beeindruckend, was Grundschulkinder in einer Woche lernen. Die Kinder stellen sich geschickt an, ganz unabhängig von Problemen, die manche beim Lernen in der Schule haben“.

Tierisch gut funktioniert auch die Verständigung, berichtet Erika Maurer. Einige Kinder wären schon etwas länger im Land und könnten ein bisschen deutsch sprechen. Sie übersetzen dann für diejenigen, die erst wenige Wochen hier sind. Sarah Kerstan sieht die unterschiedlichen Sprachen als spannende Herausforderung: „Zwei Jungs aus verschiedenen Nationen hatten sich anfangs gestritten und es war gar nicht so leicht überhaupt zu verstehen, worum es ging“, erzählt sie „In der Mittagspause haben die beiden dann als einzige das Tellerdrehen gelernt und seitdem sind die Streitigkeiten beendet und die beiden gute Freunde“, freut sich die Gemeindepädagogin. Zirkus und Integration, das scheint zu funktionieren.

Das dachte sich auch Erika Maurer, als sie in die Asylbewerberunterkunft in der Südstadt ging, um die Kinder zum Mitmachen einzuladen. Aber natürlich ist sie genauso froh, den 15 Kindern aus Deutschland ein schönes Ferienerlebnis bieten zu können. Auch diese kämen größtenteils aus der Südstadt, berichtet sie.

Im Laufe der Woche haben auch immer wieder Neugierige ihre Köpfe durch die Zelttür gesteckt und so bekam die Gruppe in den ersten Tagen sogar noch Zuwachs.

Bereits in der letzten Woche waren Güstrower Kinder zu Artisten geworden, als die Pfarrgemeinde und das Projekt „Leuchtturm“ ihr Zelt in der Nordstadt aufgeschlagen hatten.

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