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Görzhausen : Malen mit Kaffeesatz und der eine Strich

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Ins Atelier geschaut: Wilfried Duwentester aus Görzhausen

svz.de von
erstellt am 09.Aug.2014 | 11:07 Uhr


Dass aus dem Westfalen Wilfried Duwentester ein Mecklenburger wurde, hat mit der Bildhauerei zu tun. Seit 1994 lebt und arbeitet der 67-Jährige in Görzhausen, einem Ortsteil der Gemeinde Hohen Demzin.

Mitte der 1960er-Jahre schrieb sich Duwentester für ein Architekturstudium an der TU Berlin ein. Doch bald entdeckte er seine Liebe zur Kunst. Als Autodidakt brachte er sich die Malerei bei und betrieb seine neue Leidenschaft mit vollem Einsatz. „Mich interessierte nichts: keine Freundin, keine Annehmlichkeiten des Lebens. Ich wollte nur malen“, erinnert er sich. In Berlin-Kreuzberg richtete er sich fünf Treppen hoch ein Atelier ein und hätte es dort wohl lange ausgehalten, wäre ihm nicht die Bildhauerei dazwischen gekommen. Die ersten Versuche an einigen beim Atelierumbau übrig gebliebenen Balken gelangen so überzeugend, dass nun Skulpturen angesagt waren. Was aber in einem Mietshaus im fünften Stock ein Unding war, weswegen Duwentester mit seiner Frau, einer Ostberlinerin, die er zur Wendezeit kennen gelernt hatte, auf Suche ging. Das Paar landete in der Mecklenburgischen Schweiz, fühlte sich sofort heimisch und baute den ehemaligen Schafstall in Görzhausen zu Wohnung, Atelier und Galerie aus.


Skulpturenweg nach Görzhausen


Wilfried Duwentester faszinierte nicht nur die Landschaft, sondern auch das Wirken von Baron Hans von Labes, alias Graf Schlitz. „Er hat die Region nachhaltig verändert und kulturell geprägt“, sagt Duwentester. Rund 200 Jahre nach dem Baron begann Duwentester 1999 mit seinem Künstlerkollegen Bernd Uiberall, die Idee eines Skulpturenweges von Burg Schlitz nach Görzhausen umzusetzen. Zwei Jahre späte gründete sich ein Förderverein. Befreundete Bildhauer steuerten Werke entlang des Weges zum Röthelberg bei. „Unser Verein arbeitet ohne Fördermittel. Inzwischen müssen wir fast die Hälfte unserer Mitgliedsbeiträge für den Unterhalt des Weges aufbringen“, sagt Duwentester. Dennoch sei ein Bildhauersymposium in etwa zwei Jahren geplant. „Da werden wir Ausstellungsflächen in Görzhausen bestücken oder den Weg in Richtung Carlsdorf fortführen“, sagt Duwentester.

Und der Maler Duwentester? Der mischte Sand unter die Farbe, um seinen Bildern Struktur zu verleihen. Da die Gemälde aber zumeist großformatig waren, nahm mit dem Sand auch das Gewicht zu. Die Lösung entdeckte Duwentester, als er das Leeren einer Espressomaschine beobachtete. Künftig sammelte er Kaffeesatz, vermischte ihn mit Acrylbinder und trug die breiige Masse auf die Leinwand auf. „So entstanden, je nach Verarbeitung, rissige Strukturen oder eine monochrome Fläche“, erklärt Duwentester. Diese erhabene und fein strukturierte Fläche nutzte der Maler, um dem Strich ein Denkmal zu setzen. „Ich gelangte zu dem Schluss, dass der Strich, die Linie, das wichtigste Hilfsmittel für den Architekten und den Zeichner sind. Jeder verändert ihn, aber ohne den Strich geht es nicht“, erläutert der Künstler seine Philosophie. So malte er auf blauem, rotem oder goldenem Untergrund voller Begeisterung weit mehr als 100 Strich-Bilder.
Inzwischen verfolgt er mit seinem Künstlerkollegen Hartmut Henning ein weiteres Projekt. „Wir arbeiten an einer Ausstellung zum Thema ‚Wald’“, sagt der Künstler. Bestehen soll sie aus Bildern, den für Duwentester typischen Wächter-Figuren, Frauen-Skulpturen und echtem Laub. Auch der Name ist gefunden: „Wald in D-Dur“. Starten soll die Ausstellung im August nächsten Jahres in der Klosterruine Dargun und soll danach in Kiel und im Schwarzwald gezeigt werden. Erste Exponate der Schau sind schon jetzt in der Privatgalerie von Wilfried Duwentester in Görzhausen zu sehen.


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