Modellprojekt "HaLT" : Mädchen holen beim "Komasaufen" auf

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In Rostock sowie in den Landkreisen Bad Doberan und Güstrow sind Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren beim "Komasaufen spitze". Neuester Trend in dieser traurigen Statistik: Die Mädchen holen auf.

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05. November 2010, 07:30 Uhr

Güstrow | In der Hansestadt Rostock sowie in den Landkreisen Bad Doberan und Güstrow sind Kinder und Jugendliche zwischen zehn und unter 20 Jahren beim "Komasaufen spitze". Nach Angaben des statistischen Landesamtes wurden in Rostock im vergangenen Jahr 41 Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung in Krankenhäusern behandelt. Im Landkreis Bad Doberan waren es 30 und im Landkreis Güstrow 22. In der Statistik für das ganze Land stehen 409 Fälle, darunter 78 für die Zehn- bis 15-Jährigen und 331 für die 15- bis unter 20-Jährigen.

Mit dem Problem "Komasaufen" beschäftigt sich seit September 2009 in Mecklenburg-Vorpommern das Projekt "HaLT" in einer neuen Form. Es wird von der Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung (Lakost) betreut. "Der wesentliche Schwerpunkt des Modellprojektes liegt in einer kommunal verankerten Präventionsstrategie mit dem Ziel, Alkoholexzesse und schädlichen Alkoholkonsum im Vorfeld zu verhindern", erklärt Lakost-Mitarbeiterin Birgit Grämke. Betrachte man aktuelle Konsumtrends Jugendlicher, so werde zwar weniger Alkohol konsumiert. "Aber es gibt eine Gruppe Jugendlicher, die häufiger exzessiv trinken", so Grämke. Ein weiterer Trend sei, hat Lakost ermittelt, dass Mädchen beim "Komasaufen" aufholen. Ein Beispiel ist die Hansestadt Rostock, wo von den 41 Kinder und Jugendlichen in 21 Fällen die jungen Mädchen in der Überzahl waren.

Dieser Alkoholmissbrauch komme in allen Schichten, in denen die Jugendlichen leben, vor. Besonders würden Frust und Leistungsdruck, weniger ein problematisches Elternhaus, als Gründe für den Griff zur Flasche von Schülern genannt, so Grämke. Herauskristallisiert habe sich außerdem, dass junge Menschen weniger natürliche Schutzmechanismen gegen Alkohol haben, nennt Grämke ein generelles Problem. Deshalb sei es eine Entwicklungsaufgabe von Jugendlichen, den verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol zu erlernen. Dabei würde jedoch auch die schlechten Beispiele eine rolle spielen, weil "Alkohol im Alltag immer und überall" auftauche, verharmlost werde und Erwachsene viel Promille konsumieren würden, hebt Birgit Grämle hervor. Im Gegensatz dazu brauche Deutschland keine neuen Gesetze, sondern nur ein konsequentes Anwenden der Jugendschutzvorgaben, betont die Lakost-Expertin.

Mit diesen Themen beschäftigt sich eine landesweite Fachtagung am 17. November in Güstrow, Motto "Hinschauen ist angesagt", veranstaltet von Lakost. Bei Vorträgen und in Workshops gibt es die Möglichkeit des Erfahrungsaustausches zu kommunaler Netzwerkarbeit, Besonderheiten der Pubertät, Einhalten des Jugendschutzes und Begleiten Jugendlicher mit Alkoholvergiftung nach dem Klinikaufenthalt. An der Tagung nehmen Vertreter von Polizei, Ordnungs-, Gewerbe- - und Jugendämtern, Ärzte und freie Träger teil.

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