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Güstrow : „Mach: Kunst“ hilft Arbeitslosen

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Projekt „make: ART“ des Jobcenters im Bildungshaus Güstrow / defakto GmbH Bochum begleitet kreatives Gestalten des Berufslebens

svz.de von
erstellt am 13.Jun.2014 | 06:00 Uhr

Ina Twieg gehört zu den 22 arbeitssuchenden jungen Menschen zwischen 18 und 30 Jahren, die seit 1. April im Güstrower Bildungshaus in der Neukruger Straße in dem Projekt „make: ART“ – „Mach: Kunst“ – an den Start gegangen sind. Sie sind zwischen ein und zehn Jahre arbeitslos sowie alle Hartz-IV-Empfänger. Einige sind ledig, andere haben Kinder und Familie. Ziel des speziell künstlerisch fundierten Arbeitsmarktprojektes ist bei allen die Hoffnung auf einen Neu- bzw. Ersteinstieg in die Arbeitswelt.

Partner des Jobcenters Güstrow für dieses Vorhaben ist die defakto GmbH aus Bochum, die bundesweit Arbeitsuchende dabei begleitet, kreative Gestalter ihres Berufslebens zu werden. Das Bildungshaus Güstrow ist die Ausbildungsstätte.

Die 26-jährige Ina Twieg, die seit acht Jahren in Güstrow lebt, ist auf der Suche nach ihrer ersten Arbeit – richtigen Arbeit. Die hat sie bisher nicht gefunden. Nach dem Realschulabschluss blieb sie auch ohne Lehre. Ehrlich sagt sie: „Ich wusste nicht, was ich lernen wollte.“ Ein Zustand, der sie allerdings keineswegs zufrieden und schon gar nicht glücklich machte und macht. Das merkte sie auch immer dann, wenn sie wieder einmal in einem Callcenter ihr Geld verdiente. Deshalb die Teilnahme an dem Projekt, das vom Jobcenter Güstrow finanziert wird. Ina Twieg will, wenn „make: ART“ mit einem Zeugnis endet, für sich die Frage beantworten können: „Was will ich jetzt machen?“ Schon nach zwei Monaten ist sie da nach ihrer Ansicht einen guten Schritt weiter gekommen. „Ich kann mir vorstellen, in die soziale Richtung einzusteigen, mit Menschen zu arbeiten und ihnen zu helfen, z.B., um Kriegstraumata zu überwinden“, sagte sie gestern in dem Gesprächskreis mit allen Teilnehmern, in dem das Projekt vorgestellt wurde.

Wenn das Vorhaben nach neun Monaten endet, schließt sich eine sechsmonatige Betreuung an. Die Woche setzt sich aus je zwei Tagen Bewerbungstraining und kreativer Theaterarbeit sowie einem interdisziplinären Tag zusammen. Bei letzterem geht es z.B. um Körpersprache, Gestik und Mimik und letztlich um den Abbau von Defiziten, wie man z.B. mit erhobenem Haupt dem Arbeitgeber bei einer Bewerbung oder während der Arbeit entgegen tritt. „Das Theater ist hier Mittel zum Zweck und eine Methode, die sich in unseren Arbeit seit acht Jahren bewährt hat“, erklärt Sabine Stein, defakto-Projektleiterin. „Wir wollen den jungen Menschen helfen, die Rolle des Lebens und die Regie für ihr eigenes Leben zu finden, unabhängig von Hartz IV. Das Theaterspielen ist dabei, kombiniert mit sozialpädagogischem Unterricht, ein hilfreiches Mittel“, weiß Theaterpädagogin Kirsten Burger. Umgesetzt wird das im Team Erlernte bei Praktika in Firmen der Region. Und auch in einem Theaterstück, das am 30. September im Ernst-Barlach-Theater Güstrow aufgeführt wird.

Die Chancen, arbeitslosen Menschen mit diesem Projekt zu helfen, stehen gut. Das sagt Sibylle Zelaskowska vom Jobcenter Güstrow. „Dieses neue Vorhaben, das ich mit Erlebnispädagogik umschreibe, schließt an das ähnlich gelagerte und erfolgreiche ,Job-Act’ aus dem vergangenen Jahr an. Da hatten wir eine Erfolgsquote von 80 Prozent. Das schloss alles ein: Arbeitsbeginn, Umschulung, Beginn eines Schulabschlusses oder auch einer Therapie“, erklärte sie.

Sabine Stein bekräftigte das: „40 Prozent unserer Teilnehmer bekommen eine sozialversicherungspflichtige Arbeit, 20 Prozent einen Schulabschluss oder eine Umschulung. Der Rest hat zumindest eine Idee für das künftige Leben.“

Martin Biemann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, die im gleichen Gebäude untergebracht ist, verfolgt das Projekt ebenfalls mit Interesse. „Es ist gut, dass das klassische Bewerbungstraining hier verlassen wird. Ich bin optimistisch, dass das Projekt erfolgreich beendet wird.“



 

 

 

 

 

 

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