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Güstrower Anzeiger

17. Dezember 2017 | 13:06 Uhr

SVZ-Interview : Lutz da Cunha geht

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Nach 17 Jahren als Güstrower Landrat und weiteren Jahren in Diensten von Kreisverwaltungen endet heute seine Amtszeit

von
erstellt am 31.Jul.2015 | 06:00 Uhr

17 Jahre war er Landrat, vier Jahre Beigeordneter und Dezernent, heute hat Lutz da Cunha (SPD) seinen letzten Arbeitstag im Güstrower Kreishaus. „Zunächst wird es sich wie Urlaub anfühlen. Danach wird es sich ergeben“, blickt der 59-Jährige ohne Sorge nach vorn. Lange schon stand das Datum 31. Juli 2015 als Ende seiner Amtszeit fest. Da Cunha ist in Celle geboren, studierte Jura und arbeitete als Rechtsanwalt in Hamburg, leitete später das Amt zur Regelung offener Vermögensfragen im Kreis Lübz und wurde 1994 nach der ersten Kreisgebietsreform Landrat in Güstrow. SVZ-Redakteurin Regina Mai sprach mit Lutz da Cunha.

Herr da Cunha, wie war das vor 21 Jahren? Wie war ihr erster Eindruck von Güstrow?

Da Cunha: Schon während meiner Zeit in Lübz hatten wir die Gegend erkundet und Güstrow kennen gelernt. Meiner Frau Ute hatte Güstrow sofort gefallen. Es ist eine lebenswerte Stadt. Wir sind hier richtig heimisch geworden. In meiner Lübz-Zeit wurde ich Mitglied der SPD. Die Sozialdemokraten trauten mir den Posten eines Landrats zu. Gesucht wurde ein Kandidat für Güstrow.

Es wurden 17 Jahre als Landrat. Was bleibt Ihnen als Erfolg in Erinnerung?

Spontan fällt mit die schulische Infrastruktur z.B. mit den Gymnasien in Bützow und Teterow und der Beruflichen Schule ein. Wir haben saniert und neu gebaut und uns auf den Schulbereich konzentriert, bevor das Kreishaus an die Reihe kam. Das war gut so.

Und die Misserfolge?

Schade, dass der Kreis wirtschaftlich nicht so gesundet ist, wie ich es mir bis zur zweiten Kreisgebietsreform vorgestellt hatte. Deshalb war das Zusammengehen mit dem Landkreis Bad Doberan gut. So profitiert jetzt auch der südliche Teil des Kreises von einer besseren finanziellen Ausgangssituation, die sich u.a. aus dem Speckgürtel um Rostock ergibt. Wir hätten mehr im Straßenbau schaffen müssen. Das ist eine wichtige Aufgabe für die Zukunft.

Wie schwer wogen Schulden und immer knappe Kassen des Landkreises Güstrow?

So richtig katastrophal waren eigentlich nur die Jahre 2004 bis 2006. Es war schon ein belastender Arbeitsaufwand, für den Kreishaushalt in Schwerin die Genehmigung zu bekommen. Ich war 2010 auf Einladung des Innenministeriums auf Infotour in Brüssel. Unser Haushalt war beschlossen. Er lag zur Genehmigung in Schwerin vor. Ich fragte einen Verantwortlichen aus dem Innenministerium nebenbei nach dem Haushalt. Seine Antwort: Ich habe euch da was geschrieben … nichts Gutes.

Wollten Sie irgendwann den Landratsposten mal hinscheißen?

1998 war mal eine reizvolle Stelle in Hamburg ausgeschrieben. Hamburg war uns damals noch sehr nahe. Der Posten war aber wohl politisch vorher schon vergeben. Gut, dass es nicht geklappt hat.

Sie hatten zusammen mit Thomas Leuchert und anfänglich auch Arno Pöker aus Rostock schon zeitig an der zweiten Kreisgebietsreform gebastelt. Am Ende haben Sie sich zurückgezogen und dem Doberaner Landrat das Feld überlassen.

Zur Frage des Landratspostens haben Leuchert und ich uns lange angeschwiegen. Ich merkte aber doch, das er unbedingt will. Nach Absprache mit meiner Frau habe ich dann entschieden, auf dem SPD-Kreisparteitag im Januar 2011 nicht als Kandidat anzutreten. Obwohl eine Amtszeit von 2011 bis 2018, dann bin ich 62, sehr gut in die Lebensplanung gepasst hätte. Allerdings dachte ich schon, 1. Stellvertreter des Landrates zu werden. Da hatte ich mich verspekuliert.

Hat sich in den Jahren als Landrat und danach etwas deutlich verändert? Gefühlt vollzog sich ein Wandel des Landratspostens vom Politiker zum Geschäftsführer einer Verwaltung.

In den 1990er-Jahren bis zur ersten Direktwahl 2001 war ich viel unterwegs. Die Güstrower sollten mich kennen lernen, das auch mit Blick auf eine Wiederwahl. Danach konnte ich mich mehr auf die Verwaltungsarbeit konzentrieren.

Was kommt nun?

Ich bin Pensionär und werde nicht verzweifelt nach einer Anschlussbeschäftigung suchen, mich auch nicht als Kommunalberater anbieten. Ich war immer mehr der Praktiker. Ich bleibe stellvertretender Richter am Landesverfassungsgericht, Vorsitzender im Anstaltsbeirat der JVA Bützow. Ich bin im Ehrenamt Vorsitzender des SV Einheit Güstrow. Wir haben ein Enkelkind. Als leidenschaftliche Camper haben wir uns ein Wohnmobil zugelegt und wollen damit Deutschland erkunden. Und dann gibt es noch ein altes Sommer- und ein altes Winterauto – zwei Joungtimer – , an denen ich gern auch mal schraube.

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