Windkraft im Amt Krakow am See : Luft ablassen und monetäre Argumente für Windkraft

Wilfried Baldermann
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Wilfried Baldermann

Amtsausschuss Krakow am See diskutierte mit Einwohnern Risiken und Chancen und den Stand der Dinge

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09. März 2016, 05:00 Uhr

Ventil öffnen, Luft ablassen – so hätte das Motto bei der Amtsausschusssitzung Krakow am See lauten können. Sehr zahlreich kamen Bürger aus dem Amtsbereich in den Hoppenrader Gemeindesaal, um zu hören, was Arp Fittschen vom Städte- und Gemeindetag zum aktuellen Stand in Sachen Windkraft berichten würde. Und sie nutzten die eingeräumte Möglichkeit, in einer Frage-Antwort-Runde ihre Meinung kund zu tun, weidlich.

Die vorgetragenen Standpunkte – ob von Gegnern oder Befürwortern der Windenergiegewinnung – sind allerdings nicht neu. „Ich möchte nicht, dass Windräder den Jörnberg überragen, wenn ich über unseren schönen See schaue“, sagte etwa Reinhard Meller aus Neu Dobbin. Hendrik Ober-Sundermeier (Groß Bäbelin) dagegen macht aus seiner Befürwortung für die Windkraft kein Hehl: „Wir Landwirte sehen den Klimawandel heute schon, wir haben eine um fünf Tage längere Vegetation.“ Wilfried Scholz wiederum äußerte gesundheitliche Bedenken. Und: „Ich empfinde es als Sauerei, wenn man die Bürger über das Geld dazu bewegen will, auf die Gesundheit zu pfeifen und auf den Wert ihrer Häuser, während die Investoren sich bereichern. Und ich spüre Ohnmacht, gegen diesen Klüngel anzugehen.“ Mit dem „Klüngel“ meint der Marienhofer die Gesetzgebung, die aus seiner Sicht Profitmachern in die Hände, oder bildhafter: in die Portmonees, spiele.

Damit war ein Aspekt aufgeworfen, zu genau dem Arp Fittschen sprach: die Beteiligung von Gemeinden und Bürgern an dem „Kuchen“, wie er es formulierte. Fittschen wisse, dass der Landtag am 14. April das seit einiger Zeit diskutierte Bürger- und Beteiligungsgesetz beschließen will. Dieses könnte, gegen Widerstände von Investoren, tatsächlich Bürgern und Gemeinden die Möglichkeit einräumen, sich an Windkraftanlagen zu beteiligen. Favorisiert werde eine direkte Mitinvestition an einer Mindestzahl von Anlagen im Eignungsgebiet. Damit, so Fittschen, werde der Korridor für rein kommerzielle Anbieter schon mal enger. Dabei werde, wenn das Gesetz so beschlossen wird, den Gemeinden im Umkreis von 5 Kilometern und Bürgern der jeweiligen Gemeinde eine Mindestbeteiligung von zusammen 20 Prozent eingeräumt. Das wirtschaftliche Risiko trage dann die Gemeinde allerdings mit. Neuerdings sei auch eine zweite Variante im Gespräch, bei der es nur Beteiligung am Gewinn gäbe, also kein Risiko, dafür jedoch geringere Marge.

Bürgermeistern in der Runde mochte Fittschen auch gleich Antwort auf brennende Fragen geben: Ja, verschuldeten Gemeinden werde, so sie die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens nachweisen, die Kommunalaufsicht die Genehmigung zur Kreditaufnahme für Windräder erteilen. Und: Die Gewinne wären nicht umlagefähig (z.B. an Landkreis oder Amt), und sie würden auch nicht die Schlüsselzuweisungen schmälern.

Dies hörte Amtsvorsteher und Bürgermeister Wilfried Baldermann gerne, werde doch das Gebiet Zietlitz/Groß Bäbelin in seiner Gemeinde Dobbin-Linstow für den Bau von Windrädern „sehr wahrscheinlich“, wie Arp Fittschen meint. Rund um Hoppenrade jedoch, sagt Fittschen, stünden „gute Gründe“ dagegen. Hier werde derzeit nochmals der Artenschutz geprüft. Eine Entscheidung falle wohl nicht mehr in diesem Jahr.

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