Gnadenhochzeit : Liebe immer noch so frisch wie am ersten Tag

Wussten vor 70 Jahren sofort, dass sie zusammen bleiben wollten: Edith und Werner Piehl
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Wussten vor 70 Jahren sofort, dass sie zusammen bleiben wollten: Edith und Werner Piehl

70 Jahre verheiratet: Edith und Werner Piehl aus Güstrow feiern heute ihre Gnadenhochzeit.

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24. September 2017, 09:00 Uhr

Wer die beiden sieht, kann es kaum glauben, aber eine Heiratsurkunde beweist es: Am 24. September 1947 ehelichte Werner Piehl (90) seine Edith (94). Das ist genau 70 Jahre her. So begehen sie heute die Gnadenhochzeit.

Seit fünf Jahren wohnen Edith und Werner Piehl in Güstrow, in einem Haus mit Fahrstuhl, aber in ihren eigenen vier Wänden. Zuvor waren sie in Klein Upahl und davor in Gerdshagen zu Hause. Hier lernten sich die beiden kennen. Werner Piehls Eltern lebten dort und als er aus dem Krieg zurückkehrte, traf er auf Edith, die mit ihrer Familie aus Gollnow bei Stettin geflüchtet war und in Gerdshagen ein neues Zuhause gefunden hatte. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt er fest und lächelt dabei seine Edith an. „Wir sahen uns beide und gingen nicht mehr auseinander“, fügt die 94-Jährige hinzu.

Eine große Hochzeit konnte man sich damals in der Nachkriegszeit nicht leisten, sie haben auch kein Foto von damals. „Aber wir haben ein Huhn von meiner Mutter geschenkt bekommen, es geschlachtet und getanzt bis zum frühen Morgen“, erzählen die beiden, die für ihr Alter noch sehr fit sind. Das war der Beginn einer 70-jährigen Beziehung. Doch so weit haben wohl beide damals nicht gedacht. „Wir haben hart gearbeitet und auch am Tag nach der Hochzeit ging es ganz normal weiter“, sagt Werner Piehl. Der gelernte Gärtner arbeitete damals als Traktorist und beide ersparten sich alles, um sich einen Haushalt aufzubauen. Edith Piehl strickte, stickte, nähte, half aber genau so bei der Ernte im Garten oder wenn es ans Holz holen ging.

Trotz der harten Arbeit seien beide immer mit „Freude ran gegangen“. Fünf Kinder wurden ihnen geschenkt, ein Mädchen davon lebte gerade mal zwei Monate. Das war eine harte Zeit, denn sie hatten sich nach drei Jungs so sehr über das Mädchen gefreut. Inzwischen lebt nur noch einer der Söhne, der Jüngste. Reinhard Piehl wohnt in der Nähe der Eltern und kümmert sich mit seiner Schwägerin Rosi um schwere Einkäufe oder Fahrten zum Arzt.
Ansonsten ist das Gnadenhochzeitspaar noch sehr rüstig. Werner Piehl geht mit seinem Rollator die kleinen Einkäufe erledigen. Gemeinsam wird jeden Tag Karten gespielt und die beiden gehen auch regelmäßig alle zwei Wochen zum Klönsnack nach nebenan. „Wir sind dann immer die Ältesten“, sagt Edith Piehl. Das sind sie auch, wenn die ganze Familie zum Feiern zusammen kommt. Dazu gehören sieben Enkel, 13 Urenkel und sechs Ururenkel.

Was sie in Freud und Leid ihres Lebens zusammen gehalten hat? „Wir haben immer alles ausdiskutiert, wenn wir mal nicht einer Meinung waren“, sagt Werner Piehl. Vielleicht waren es aber auch die schweren Zeiten, die sie gemeinsam durchgestanden haben. Edith verlor ihre Mutter recht früh, der Vater wie auch die beiden Brüder blieben im Krieg. Und Werner Piehl erlebte selbst den Krieg mit, wurde schon als 17-Jährige eingezogen. „Aber als ich mit 20 heiraten wollte, brauchte ich eine Volljährigkeitserklärung“, sagt er achselzuckend.

Das alles gehört zu ihrem Leben. Wichtig ist ihnen beiden, dass sie noch heute zusammen sind. „Denn die Liebe ist frisch wie am ersten Tag“, sagt Werner Piehl.

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