Strafvollzug : „Leute, macht bloß keinen Sch...“

Gespräch in der Tagungspause: Dr. Manfred Muellner, Peter Müller, Rainer Schätz und Andreas Jolitz (v. l.) tauschen sich aus.
Gespräch in der Tagungspause: Dr. Manfred Muellner, Peter Müller, Rainer Schätz und Andreas Jolitz (v. l.) tauschen sich aus.

Strafvollzugsprojekte: Strafgefangene lernen gemeinsam mit freien Jugendlichen in Steinhagen

svz.de von
14. März 2014, 06:00 Uhr

Auf einer Tagung vom Bilse-Institut für Bildung und Forschung Güstrow ging es in Rostock jetzt um den länderübergreifenden Austausch der „Strafvollzugsprojekte“. Seit 2005 ist das Bilse-Institut in das Übergangsmanagement des Strafvollzugs in Bützow und Stralsund involviert. Eine Intensivierung erfolgte seit 2012. „Damit haben wir die Möglichkeit, für die Strafgefangenen zusätzliche Angebote für die Freizeit, aber auch für die Aus- und Weiterbildung zu unterbreiten. Wichtig wäre der Aufbau von Grundbildungsmodulen, auf die die weitere Ausbildung in der Freiheit aufbauen könnte“, informierte Bilse-Geschäftsführer Rainer Schätz.

Von entscheidender Bedeutung für das Gelingen der Reintegration der Strafgefangenen ist die Zusammenarbeit mit einem Betreuungsnetz, versichert Schätz. Darin seien unter anderem die Justizvollzugsanstalten, die Jugendgerichtshilfe, die Agenturen für Arbeit und die Job-Center, aber auch viele Partner vor Ort notwendig.

Einer ist die Berufsbildungsstätte Start GmbH in Güstrow. „Wir sichern die berufliche Ausbildung und verschiedene Trainingsmaßnahmen der Strafgefangenen in den Bereichen Holz, Frisör, Metall sowie Farbe und Raum direkt in der JVA Bützow“, erklärt Start-Geschäftsführer Manfred Müllner. Die Akzeptanz dieser Angebote sei hoch. „Wir merken das beispielsweise um Weihnachten und zum Jahreswechsel, wenn keine Maßnahmen geplant sind. Dann fragen die Strafgefangenen nach und können die nächsten Termine kaum erwarten“, so Müllner.

Ein weiterer Partner an dieser Stelle ist der Bützower Berufsbildungsverein in Steinhagen. Dort erfolgt die weitere Berufsausbildung nach der Haftentlassung, aber auch für Freigänger. „Wir haben gute Erfahrungen gemacht. Die Jugendlichen aus der JVA kommen mit unseren Azubis ins Gespräch, es entwickeln sich Gespräche, in denen die JVA-Insassen ihren Altersgenossen vermitteln: Leute, macht bloß keinen Scheiß, damit ihr nicht dahin kommt, wo ich herkomme“, schilderte Geschäftsführer Peter Müller die Praxis.

Viele Straffällige würden nach ihrer Haftentlassung die in der JVA begonnene Berufsausbildung fortsetzen. „Und wir haben gute Vermittlungsergebnisse auf dem ersten Arbeitsmarkt erzielt“, versicherte Müller.

Viel mit den Projekten zu tun hat auch Andreas Jolitz, Fachbereichsleiter Bildung und Freizeit in der Justizvollzugsanstalt Bützow. „Unsere Zusammenarbeit mit Bilse läuft seit vielen Jahren, ist mit der Zeit verfeinert worden und hat sich bewährt. Wir sind damit zufrieden und wollen es in dieser Form unbedingt fortführen“, formulierte er eine Art Resümee der Tagung.






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