Güstrow : Letztes Sportgeschäft macht dicht

Der Abverkauf hat gestern begonnen: Die 65-jährige Annegret Dräger schließt ihr Sportgeschäft in der Güstrower Domstraße. Den ganzen Tag war gestern der Andrang an der Kasse groß.
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Der Abverkauf hat gestern begonnen: Die 65-jährige Annegret Dräger schließt ihr Sportgeschäft in der Güstrower Domstraße. Den ganzen Tag war gestern der Andrang an der Kasse groß.

Inhaberin Annegret Dräger schließt ihr Fachgeschäft in der Güstrower Domstraße am 30. September.

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02. August 2016, 05:00 Uhr

Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe: Seit gestern muss alles raus bei City-Sport Dräger in der Güstrower Domstraße. Inhaberin Annegret Dräger wird ihr Fachgeschäft am 30. September schließen – für immer. Einen Nachfolger gibt es nicht. Das ist ein Schlag für den Güstrower Einzelhandel. Denn damit verschwindet das letzte noch verbliebene Sportgeschäft aus der Stadt.

„Wir gehen auf die 70 zu und irgendwann muss mal Schluss sein“, sagt die 65-jährige Annegret Dräger. Ihr Mann Norbert, mit dem sie bisher in dem Geschäft arbeitet, ist bereits 68 Jahre alt. Doch das Ende fällt der gestandenen Geschäftsfrau sichtlich schwer. „Ich fühle mich mit Güstrow sehr verbunden. 25 Jahre bin ich den Schlossberg hochgefahren in die Domstraße. Da kommen einem die Tränen“, ringt sie um Fassung. Lange suchte sie nach einem Nachfolger für das einzige Sportgeschäft in Güstrow – ohne Erfolg.

Viele Gespräche mit potenziellen Kandidaten hat sie geführt. „Aber wenn es dann zur Bank gehen sollte, sind alle abgesprungen“, schildert Annegret Dräger. Man brauche zur Eröffnung eines solchen Geschäftes eine dicke Eigenkapitaldecke. „Und wer von den Jungen hat die schon.“ Ausschlaggebend für die erfolglose Nachfolgersuche sei auch gewesen, dass die Güstrower Region diejenige mit der drittschlechtesten Kaufkraft in ganz Deutschland sei. „Alle Geschäfte, die hier Qualität verkaufen, müssen sich quälen“, sagt Annegret Dräger und muss frustriert feststellen: „Es wird in Güstrow definitiv kein Sportgeschäft mehr geben.“ Ein Problem auch für die zahlreichen Güstrower Sportvereine und die Schulen, die nahezu alle bei ihr eingekauft haben. „Ich habe super mit ihnen allen zusammengearbeitet“, sagt die 65-Jährige. „Die müssen sich jetzt neu orientieren.“

Annegret Dräger will sich jetzt voll auf ihre Geschäftsführertätigkeit bei der Güstrow-Card-Betreibergesellschaft konzentrieren. Vor dem Hintergrund der geplanten Geschäftsschließung hatte sie sich hier bereits ein neues Betätigungsfeld gesucht. „Das mache ich so lange weiter, wie es meine Gesundheit zulässt“, sagt sie.

Die Geschäftsräume von City-Sport Dräger in der Domstraße übernimmt nach dem 30. September die Krankenkasse Barmer. Sie will in dem dann ehemaligen Sportgeschäft ein Kundencenter einrichten, informiert Annegret Dräger. Bereits am 15. Oktober sollen die Umbauarbeiten dazu beginnen.

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