Renaissanceschloss Güstrow : Letztes Ausstellungsjahr im Schloss

Rolf Kuhrt, Terror, 1977, Holzschnitt
Rolf Kuhrt, Terror, 1977, Holzschnitt

Kultur aktuell 2016: Künstler Horst Hirsig und Rolf Kuhrt im Dialog auf Schloss Güstrow / Ab 2017 Sanierung und komplette Schließung

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25. Januar 2016, 06:00 Uhr

Im Güstrower Schloss ist das letzte Ausstellungsjahr vor der großen Sanierung angebrochen. „Was wir nächstes Jahr noch machen können, wissen wir nicht“, sagt Schlossleiterin Dr. Regina Erbentraut. Denn ab 2017 soll das Schloss umfangreich saniert werden. Die Folge ist eine komplette Schließung – für geschätzt zwei Jahre. Eine Ausstellung, die nach dreijährigem Turnus eigentlich erst wieder im kommenden Jahr in Güstrow stattgefunden hätte, wurde deshalb vorgezogen: Bei „Land in Sicht“ werden ab Herbst die Kunstankäufe des Landes 2015/16 im Schloss gezeigt. Die Ausstellung soll bis ins Frühjahr 2017 dauern. Der genaue Termin ist noch unklar. Dann ist erst einmal für lange Zeit Schluss.


Einblicke in Lebenswerk zweier Künstler


Doch neben „Land in Sicht“ hat Regina Erbentraut für dieses Jahr noch eine weitere große Ausstellung an Land gezogen: „Dialoge“ stellt vom 3. Juni bis 4. September die beiden Künstler Horst Hirsig und Rolf Kuhrt gegenüber. Kuhrt lebt in Kirch Rosin und wird dieses Jahr 80 Jahre alt. „Das ist aber nicht der Grund der Ausstellung. Er ist einfach ein ganz wichtiger Künstler“, sagt Regina Erbentraut, die die Ausstellung auch kuratiert. Die Schau gibt Einblicke in das Lebenswerk zweier moderner Künstler, die zuvor noch nie gemeinsam ausgestellt haben. Sie lebten, arbeiteten und lehrten bis 1989 in zwei unterschiedlichen Systemen: Kuhrt an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, Hirsig an der Hochschule der Künste in Westberlin und ab 1993 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden.

„Die dialogische Gegenüberstellung beider Künstler offenbart eine erstaunliche geistige und künstlerische Nähe“, sagt Erbentraut. Sie sind in der Ausstellung mit Bildern und Arbeiten auf Papier vertreten, Rolf Kuhrt darüber hinaus mit Plastiken und Skulpturen. „Hirsig und Kuhrt stehen zugleich für eine Generation, die, ausgehend von der prägenden Kriegserfahrung in ihrer Kindheit und Jugend, sich immer wieder mit der Frage nach den Ursachen von Gewalt auseinander gesetzt hat und mit der Hoffnung auf ihre Überwindung“, sagt die Kunsthistorikerin. „Diese Themen sind uns allen in jüngster Zeit verstärkt auf den Leib gerückt. Man muss die dünne Kruste der Zivilisation stärken. Dafür ist diese Ausstellung geeignet“, verweist Erbentraut auf aktuelle Bezüge.

Unterdessen läuft bis zum 13. Februar noch die Ausstellung „Außer Kontrolle“ im Schloss, die mit einer musikalischen bzw. akustischen Finissage endet. Wie bei der Eröffnung greift Cokuratorin Christina Katharina May wieder selbst zum Mikrofon.

Regina Erbentraut macht sich derweil Gedanken, wie sie die Schließzeit des Schlosses während der Sanierung sinnvoll ausfüllt. „Ich werde mich vor allem mit konzeptionellen Dingen beschäftigen“, denkt sie laut nach. „Ich habe noch nie in einem Schloss gearbeitet, das eine komplette Baustelle ist. Ich weiß noch nicht, was da auf mich zukommt.“ Aber eines steht für sie fest: „Ich werde mein Schloss nicht alleine lassen!“

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