Reinshagen : Letzter Weg für jedermann

Freuen sich über die neuen Möglichkeiten, die die langgestreckte, abgeteilte Fläche im Nordschiff der Reinshagener Kirche bietet: Friederike Jaeger, Richard Scherer, Heide Holtz-Neuendorff und Frank Schumacher (von links)  Fotos: Eckhard Rosentreter (2)
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Freuen sich über die neuen Möglichkeiten, die die langgestreckte, abgeteilte Fläche im Nordschiff der Reinshagener Kirche bietet: Friederike Jaeger, Richard Scherer, Heide Holtz-Neuendorff und Frank Schumacher (von links) 

Kirchgemeinde Reinshagen bietet würdevollen Rahmen auch für weltliche Trauerfeiern an.

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14. Juni 2017, 21:00 Uhr

Einen deutlich größeren Raum für kommunale Bestattungen kann die Kirchgemeinde Reinshagen seit einiger Zeit in ihrem Gotteshaus anbieten. Streng genommen ist es kein Raum, sondern eine größere Fläche im Nordschiff, die für Trauerzwecke optisch abgeteilt wurde. 80 bis zu 100 Personen können hier Platz finden, um den Abschied von einem Verstorbenen würdig zu gestalten.

Auch früher schon waren weltliche Bestattungsfeiern in der Reinshagener Kirche möglich. Die dafür durch die Kirchgemeinde bereit gestellte Gruft (die Bezeichnung klingt gruseliger als der Raum es verdiente) ist halt nur recht klein – anders als der Raum vor dem Altar. „Doch Menschen, die zeitlebens nichts mit Gott und der Kirche zu tun haben wollten vor den Altar, in einen heiligen Raum legen – das wollten wir nicht“, begründet Richard Scherer vom Friedhofsausschuss der Kirchgemeinde die Ablehnung solcher Ansinnen. So kam es sogar vor, dass Trauergäste bei kaltem und schlechtem Wetter im Freien stehen mussten. „Das war auch für uns sehr unbefriedigend“, blickt Pastorin Friederike Jaeger zurück.

Auch in der Kirchgemeinde hatte das für Diskussionen gesorgt. Schon am Anfang des Bodenordnungsverfahrens Vietgest ergriff der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft, Klaus Hacker, die Initiative. Schließlich habe man zwischen den Gemeinden ein sehr gutes Verhältnis, betont die Pastorin. Zunächst war die alte Pfarrscheune als Trauerraum im Gespräch, was sich jedoch als nicht geeignet herausstellte, erklärt Jaeger. Die Kommune hatte jedoch in Reinshagen, wo der Friedhof ist, keinen Raum. Und die Kirche brauchte schon immer einen Ort für ihre Gemeindearbeit, für Kirchenkaffee, Arbeit mit Kindern… Aus diesen Ansätzen heraus habe sich der Gedanke entwickelt, vielleicht beide Anliegen – das kommunale und das kirchliche – zu verbinden.

So machten sich die Mitglieder der Kirchgemeinde daran, ihr Nordschiff quasi multifunktional umzugestalten. Ein Fußboden wurde eingezogen, der das Abteil optisch markiert und wohnlicher macht. Auf dieser Fläche können jetzt regelmäßig verschiedene Aktivitäten der Kirchgemeinde stattfinden, sei es Kinderspiel oder Kaffeeklatsch oder Lesungen… Offen für alle, wie die Pastorin unterstreicht. Für die ja nicht alltäglichen Trauerfeiern werden dann Stuhlreihen aufgestellt. Im Hauptschiff wurde zudem eine Bankreihe aus dem Gestühl herausgelöst; die Lücke ist praktisch, kann doch hier ein Sarg seitlich aus den Feierraum getragen werden, in dem somit mehr Stühle aufgestellt werden können.


Kirche und Friedhof stehen jedermann offen


„Damit haben wir jetzt eine schöne Möglichkeit geschaffen, die allen zugute kommt“, denkt Heide Holtz-Neuendorff laut. Der Vorsitzenden des Kirchgemeinderates sei es wichtig, dass die Kirche und der Friedhof in Reinshagen ein Ort der Begegnung für jedermann ist. Heide Holtz-Neuendorff: „Wir wollen einen, wenn man so will, lebendigen Friedhof und wissen, dass viele Menschen sich hier beisetzen lassen wollen.“ Ungefähr zehn Bestattungen gebe es im Jahr, überschlägt Friedhofsverwalter Frank Schumacher: Erd- und Urnenbestattungen, Beisetzung in Familiengräbern und Gemeinschaftsanlagen. „Alles, außer anonyme Bestattungen – das gehört auch zur Lebendigkeit unserer Friedhöfe“, sagt Schumacher, der ebenfalls für den Friedhof in Lüdershagen, dem zweiten der Kirchgemeinde, zuständig ist. Knapp 350 Grabplätze sind in Reinshagen aktuell besetzt, was übrigens der Mitgliederzahl der Kirchgemeinde entspricht, wie Friederike Jaeger bemerkt. „Wir haben in den letzten Jahren sehr viel Wert auf unsere Friedhöfe gelegt“, sagt Richard Scherer. Das schließe die Sensibilisierung der Kinder beispielsweise für die Thematik des Sterbens und was danach kommt ein. Nicht zuletzt gebe es bei den Begehungen auf dem Friedhof, etwa am Kindersamstag, auch vieles zu entdecken.

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