Dobbin : Leben und arbeiten in mehreren Welten

Kristina Andres in ihrer „Malwelt“. Dahinter liegt die Welt der Illustratorin Andres.  Fotos: Christian Menzel (3)
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Kristina Andres in ihrer „Malwelt“. Dahinter liegt die Welt der Illustratorin Andres. Fotos: Christian Menzel (3)

SVZ-Serie „Ins Atelier geschaut“: Die Illustratorin, Autorin, Malerin und Grafikerin Kristina Andres lebt in Dobbin und ist vor allem von Kinderbüchern bekannt

svz.de von
16. November 2014, 17:38 Uhr

Die Künstlerin Kristina Andres lebt in mehreren Welten, die sie akribisch voneinander trennt. In ihrem geräumigen Atelier findet sich auf der linken Seite der Arbeitsplatz für die Illustratorin Andres. Rechts gegenüber, wo eine Lücke in der Hecke den Blick auf weites Feld frei gibt, lebt die Malerin Andres. „Illustrieren und Malen sind zwei verschiedene Betriebssysteme“, sagt sie. Nur die Autorin Kristina Andres ist ortsunabhängig. „Schreiben kann ich überall: in der Küche, im Atelier, auf der Gartenbank.“

Der Vorteil von drei Welten liegt für sie auf der Hand. „Seit ich selbstständig bin, hatte ich noch nie eine Schaffenskrise. Klemmt es auf einem Gebiet, wechsele ich in ein anderes“, sagt sie.

Geboren wurde Kristina Andres in Greifswald. Sie wuchs in Dobbertin auf und lebt heute im benachbarten Dobbin in einer zum Wohnhaus umgebauten Scheune.

Schon als Kind malte sie oft, brachte aber auch gern kleine Geschichten zu Papier. Ein Literaturstudium brach sie nach einem Semester ab. „Ich hatte plötzlich panische Angst, dass ich danach nicht mehr schreiben kann“, erinnert sie sich. Es folgten fünf Semester Kunstgeschichte an der Universität Hamburg, bevor sie in die Hochschule für Bildende Künste wechselte. Dort fühlte sie sich angekommen und studierte Malerei und Zeichnen. Als sie 2002 ihr Diplom erhielt, war ihre Tochter fünf Jahre alt. Das dürfte für die junge Mutter Anlass gewesen sein, sich vermehrt Geschichten für Kinder auszudenken, sie aufzuschreiben und zu illustrieren. In rasantem Tempo eroberte sie Verlage in Köln, Berlin, Würzburg, Tallin, Zürich, Leipzig und inzwischen auch in Rostock. Sie brachte eine Vielzahl Kinderbücher auf den Markt, die sich wohltuend aus dem opulenten Angebot dieses Genres abheben.

Mit der Zeit vertrauten ihr die Verlage auch die Illustration von Kinderbuchklassikern an. So lieferte sie 2011 einfühlsame Bilder für Eva Strittmatters „Großmütterchen Gutefrau und ihre Tiere“ und zwei Jahre später für Franz Fühmanns Klassiker „Lob des Ungehorsams“. Gerade erschienen ist „Anpfiff um halb vier“ des Rostocker Autors Michael Joseph mit den Illustrationen von Kristina Andres. Und wo bleibt die Malerin? „Ich habe viel gemalt in den vergangenen Jahren, aber ich habe damit kaum die Öffentlichkeit gesucht“, sagt die 43-Jährige.

Das änderte sich, als sie ihre zumeist in Öl gemalten Bilder im vergangenen Jahr in einer Personalausstellung in der Galerie Goldbergkunst zeigte. In der Malerei fühle sie sich ohnehin freier, meint sie. Kein Termindruck wie bei den Büchern und keine Vorgaben durch Texte. Sie malt Tiere, Porträts, alte Autos und Landschaften. Geht sie an die Staffelei, hat sie bestenfalls eine Idee im Kopf; Das Motiv entwickelt sich im Schaffensprozess. Gern malt sie Serien: Familienszenen, Fischesser oder auch den Dobbertiner See. Immer von derselben Stelle aus und doch immer wieder anders. „Die Serie nimmt den Erwartungsdruck vom Einzelbild“, beteuert sie.

In ihren Welten stapeln sich die Vorhaben: Für eine Weihnachtsanthologie 2015 erwartet ein Hamburger Verlag ihre Zuarbeit. An der Pinnwand hängen erste Entwürfe für ein Kinderbuch mit dem Arbeitstitel: „9 1/2 Gute Nacht Geschichten von Fuchs und Hase“. Die Malerin Andres soll für die neu geschaffene Edition Goldbergkunst das Pilotprojekt liefern.

Text und Bilder für die autobiografische Erzählung „Die Malerin“ entstanden vor zwölf Jahren als Diplomarbeit der Künstlerin.
Und welche Träume träumt sie in ihrer Literatur-Welt? „Einmal einen richtig spannenden und aktionsreichen Krimi vom Dorf schreiben“, sagt sie.




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