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Güstrower Anzeiger

19. November 2017 | 08:11 Uhr

Lea-Maries Odyssee durch die Gerichte

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erstellt am 08.Nov.2013 | 09:30 Uhr

Güstrow | Es ist vorbei und doch nicht: Denn Lea-Marie aus Teterow hat zwar jetzt vom Landgericht Rostock zugestanden bekommen, dass sie 70 000 Euro Schmerzensgeld erhält. Aber das Leid, was ihr ihre Mutter von 2002 bis 2006 (siehe Seite 1) angetan hat, kann kein Geld aus der Welt schaffen. Über 20-mal wurde sie von ihrer Mutter mit Lösungsmitteln und Essigreiniger traktiert. Es wurde ihr eingeflösst und verätzte Speiseröhre und Verdauungstrakt. Außerdem schüttete die Mutter kochendes Wasser über dem Kind aus, um sich Geld aus einer Unfallversicherung zu erschleichen. Ein Rückblick:

• Die Mutter von Lea- Marie wurde am 12. Januar 2007 vom Landgericht Rostock wegen der Misshandlungen an ihrem Kind zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt.

• Grund: Die Mutter fügte dem Kind von Mai 2002 bis Juni 2006 in 23 Fällen erhebliche Verletzungen durch das Einflößen von scharfen Essig- und Kalkreinigern zu.

• Das Kind wurde in der Kinderklinik Demmin behandelt.

• Am 10. Februar 2003 verbrühte die Mutter das Kind vorsätzlich mit kochendem Wasser an den Oberschenkeln. Eine Hauttransplantation war erforderlich.

• Wegen der Verätzungen entstanden in der Speiseröhre irreparable Narben, die eine Langzeitbehandlung mit regelmäßigen Dehnungen der Speiseröhre unter Vollnarkose bis zum Erwachsenwerden erfordern.

• Der damalige Landkreis Güstrow wurde durch das Landgericht Rostock zu einem Schmerzensgeld von 30 000 Euro an das Kind verurteilt.

• Das Amtsgericht Güstrow sprach die Mitarbeiterin des Jugendamtes wegen Nichtweiterleitens der Anzeige der Ärztin aus der Kinderklinik Demmin am 3. März 2009 wegen fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassen in 18 rechtlich zusammenhängenden Fällen schuldig und verwarnte sie unter Vorbehalt einer Geldstrafe. Sei musste 2000 Euro Schmerzensgeld bezahlen.

• Der Landkreis Güstrow beantragte, die Klage abzuweisen. Ansprüche seien wegen anderweitiger Ersatzansprüche ausgeschlossen. Eine Haftung der Kinderärztin bestünde primär. Das Fehlverhalten der Mitarbeiterin sei nicht für weitere Misshandlungen ursächlich.

• Eine Beschwerde vor dem Oberlandesgericht zog der Landkreis aber zurück. Die Richter machten dem Landkreis plausibel, dass das Gericht die Beschwerde abweisen wird.

• Darauf hin wurde der Prozess am Landgericht Rostock im Oktober fortgesetzt.

• Das Ergebnis ist ein Vergleich: Lea-Marie erhält ein Schmerzensgeld von 70 000 Euro.

• Rainer Becker, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Kinderhilfe, sagte dazu gestern: "Ein guter Tag für Lea-Marie. Das, was ihr angetan wurde, ist dem Grunde nach durch nichts wieder gutzumachen. Das Jugendamt hatte für den Fehler seiner Mitarbeiterin einzustehen. Angemessen. Dies hat es nun getan. Spät, aber besser spät als gar nicht. Ein guter Tag für alle, die an Gerechtigkeit geglaubt hatten."

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