Gartenfreunde Güstrow : Laubenpieper - eine aussterbende Art

<strong>Rainer Pettene</strong> beklagt in der Kleingartenanlage am Kuhlenweg rund ein Dutzend verwaister Gärten. Er zeigt hier eine Parzelle, die schon solange er Vereinsvorsitzender ist (elf Jahre) nicht genutzt wird.<foto>Regina Mai</foto>
Rainer Pettene beklagt in der Kleingartenanlage am Kuhlenweg rund ein Dutzend verwaister Gärten. Er zeigt hier eine Parzelle, die schon solange er Vereinsvorsitzender ist (elf Jahre) nicht genutzt wird.Regina Mai

Der Verband der Gartenfreunde Güstrow muss 816 ungenutzte Parzellen registrieren und es werden mehr. Auch das Ausweisen als Seniorengärten löst das Problem nicht.

svz.de von
15. März 2013, 06:12 Uhr

Güstrow | Seit Anfang der Woche dürfen Kleingartenvereine zehn Prozent ihrer Parzellen als Seniorengärten ausweisen. Damit, so denkt man sich im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz von Till Backhaus, greift man den mit Sorgen beladenen Vereinen unter die Arme und vermeidet ein weiteres Anwachsen der Zahl ungenutzter Parzellen. In Güstrow erntet dieser Vorstoß, der das Bundeskleingartengesetz ein wenig aufweicht, nicht mehr als ein müdes Lächeln. "Das hilft uns nicht", sagt Reinhard Melzer, Vorsitzender des Kreisverbandes der Gartenfreunde Güstrow. Spielgärten wären eher eine Variante für die 69 Vereine des Kreisverbandes.

In den Seniorengärten soll die Drittel-Regelung (Obst und Gemüse, Rasen und Blumen, Erholungsflächen und Wege) auf Kosten von Obst und Gemüse und zugunsten von mehr Raum für Rasen und Erholung unterlaufen werden. "Die älteren Gartenfreunde schätzen ihre Kartoffeln, Gemüse und Obst. Wenn es nicht mehr anders geht, arbeiten sie auf Knien", berichtet Melzer. Vielmehr seien es die jüngeren Vereinsmitglieder, die nur noch wenig für Obst und Gemüse übrig haben und den Garten eher als Spielplatz betrachten, fügt er hinzu. Melzer spricht sich seit Jahren immer wieder dafür aus, strikt die Bestimmungen des Bundeskleingartengesetzes einzuhalten. Anderenfalls könnte eine Anlage auch schnell zur Ferien/Wochenendhaussiedlung mit deutliche höheren Pachtgebühren werden. "Wer nicht mehr kann, muss aufhören", formuliert er unumwunden. Dabei steht der Güstrower Kreisverband eher schlecht im Land da. Nachdem in den vergangenen Jahren stets um die 600 leer stehende Gärten beklagt wurden, ist die Zahl zum Ende des vergangenen Jahres auf 816 angestiegen. "Und das geht so weiter", prophezeit Melzer. Zum Kreisverband gehören aktuell 69 Vereine mit 3750 Parzellen. "18 Prozent davon liegen brach", betont der Kreisvorsitzende. In der Güstrower Anlage an der Schanze seien 31 von 165 Parzellen ungenutzt, an der Schwaaner Straße seien es sogar 85 von 202 und in Lüssow könnten nur noch 48 von 80 Parzellen verpachtet werden, nennt Melzer einige Beispiele. Bei einem Durchschnittsalter der Kleingärtner von rund 65 Jahren werde sich das Problem noch vergrößern.

Lösungsansatz: Anlagen komplett aufgeben

Eine Lösung brachliegender Gärten werde seit langem diskutiert. In Kronskamp sei es vor Jahren gelungen die Anlage deutlich zu reduzieren. Ein EU-Programm zur Beseitigung von Schandflecken habe dabei geholfen. "Der Rückbau hat etwa 60 000 Euro gekostet", berichtet Melzer. In der Aufgabe ganzer Anlagen sieht der Verbandsvorsitzende einen Lösungsansatz. Doch der Verband könne einen solchen Rückbau nicht finanzieren, stellt er klar. Verhandlungen mit einem privaten Grundeigentümer waren jetzt gescheitert. "Wir würden in dem Fall gern die Anlage halbieren", sagt Melzer. Der Grundeigentümer aber wolle keine halben Sachen.

Melzer vergleicht das Kleingartenanlagen mit den Plattenbausiedlungen. Beides resultiere aus den Gegebenheiten zu DDR-Zeiten. Für den Abriss von Wohnblöcken gebe es Fördergelder. Die fordert Melzer auch für das Verschwinden von Kleingartenanlagen. Wie auf dem Wohnungsmarkt müsste auch der Kleingartenmarkt aktuellen Entwicklungen in der Gesellschaft angepasst werden.

Melzer verweist auf einen Termin mit dem Güstrower Bürgermeister im April. "Wir wollen mit ihm darüber sprechen, wie die Stadt das Kleingartenwesen unterstützen könnte", kündigt der Kreisverbandsvorsitzende an. Danach wolle man an einem Konzept arbeiten, wie die Zahl der Kleingärten im Verbandsgebiet in den nächsten Jahren reduziert werden kann. Melzer sieht etwa ein Drittel der Kleingärten als überschüssig. Verhandlungspartner seien in erster Linie die Kommunen. Zum Kreisverband gehören Kleingärten auf rund 200 Hektar Land: 122 Hektar in kommunalem Eigentum, 51 Hektar in privater Hand, Kirche mit elf Hektar und Landgesellschaft MV mit 16 Hektar.

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