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Güstrower Anzeiger

11. Dezember 2017 | 03:18 Uhr

Zepelin : Langohren sind auch Seelentröster

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sophie Grigull kümmert sich um 30 Kaninchen auf dem Hof der Familie in Zepelin / Im Sommer geht es aber zur Lehre nach Schwerin

von
erstellt am 20.Apr.2014 | 09:00 Uhr

Die beiden Löwen am Hofeingang zu den Grigulls in Zepelin sind aus Stein. Aber alle anderen Tiere sind echt: die drei Katzen, die die Chefs auf dem Anwesen sind, die Bienenvölker, die Vater Werner in seiner Obhut hat, oder die zurzeit knapp 30 Kaninchen, um die sich die 16-jährige Sophie kümmert.

„Zuerst war mein Bruder für die Kaninchen zuständig. Aber er hatte immer wenig Zeit und auch andere Interessen und eines Tages, ich ging damals in die vierte Klasse, hatte ich die Tiere an der Backe“, erzählt Sophie. Verbunden damit waren eine regelmäßige Versorgung der Kaninchen und das Säubern der Ställe.

„Inzwischen habe ich da ja Routine. An Zeit kostet mich das morgens 15 und abends 30 Minuten“, sagt sie. Viel länger sitzt sie oft vor den geräumigen Buchten, unterhält sich oder schmust mit den Tieren. „Die bauen einen wieder auf, wenn man mal Stress hat“, sagt sie. An Rassen stehen Deutsche Riesen, Neuseeländer, Widder und ein belgisches Bartkaninchen in den Ställen.

Auf dem Gelände haben die munteren Gesellen viel Platz zum Auslaufen, zum Herumtollen und zum Graben von Höhlen. „Manchmal versammeln sich alle und putzen sich gegenseitig. Das sieht drollig aus“, erzählt die Schülerin und lacht. Sie versorgt ihre Tiere immer großzügig mit Nahrung. „Die fressen echt alles. Ganz wild sind sie auf Salami und Würstchen, aber auch Kuchen, Nudeln, Bananen, Melonen und sogar Rhabarber mögen sie. Ganz hoch im Kurs stehen Radieschen“, sagt die Züchterin. Einem Rassekaninchen-Zuchtverein gehört sie allerdings nicht an. „Dafür sind mir die Kriterien, die dort gestellt werden, zu streng. Ich habe auch so viel Spaß mit meinen Tieren“, versichert sie.

Beispielsweise, als ein Kaninchen ausgebüxt war und Sophie es immer nur schemenhaft aus den Augenwinkeln wahrgenommen hatte. „Ich dachte schon, ich hätte Halluzinationen. Immer wenn ich hinschaute, war da kein Kaninchen. Schließlich entdeckte ich es im Holzstapel. Aber was ich auch machte, es ließ sich nicht fangen“, erinnert sie sich. Da stellte ihr Vater eine Marderfalle auf und legte ein Brötchen hinein. „Keine zehn Minuten später saß das Kaninchen in der Falle“, erinnert sich Sophie. Einmal beobachtete sie, wie zwei Zippen ihren Nachwuchs in einer Kiste unterbrachten und ihn gemeinsam betreuten. „Das war wie in einer Kita“, lacht sie.

Allerdings geht Sophies „Kaninchenzeit“ allmählich zu Ende. Nach Ostern stehen die Prüfungen in der zehnten Klasse an und ab 1. August wird sie in Schwerin den Beruf einer Ergotherapeutin erlernen. Die Suche nach einer kleinen Wohnung in der Landeshauptstadt läuft bereits. „Ich habe ein Praktikum in der Warnow-Pflege in Bützow absolviert und gemerkt, dass dieser Beruf mein Ding ist“, sagt sie. Die Kaninchen, die nun künftig vom Vater betreut werden, wird sie vielleicht vermissen. „Aber an den Wochenenden komme ich ja nach Hause“, tröstet sie sich.



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