Zu viel Regen : Landwirte zürnen mit Wettergott

Das ist nicht etwa ein Graben, sondern ein Acker, auf dem die Maschinen schon bei der Maisernte fast versackten und wo eine Herbstbestellung unmöglich war.
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Das ist nicht etwa ein Graben, sondern ein Acker, auf dem die Maschinen schon bei der Maisernte fast versackten und wo eine Herbstbestellung unmöglich war.

Wintergetreide und Raps leiden auf nassen Äckern - Verpasste Herbstbestellung beschert Arbeitsverdichtung im Frühjahr.

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05. Januar 2018, 05:00 Uhr

Regen, Regen, Regen: Auf den Feldern steht das blanke Wasser. Die Wintersaaten baden. „Die Startbedingungen im Herbst waren schon ungünstig, jetzt aber leiden die Kulturen“, sagt Ulrich Behnke, Vorstandsvorsitzender des Landwirtschaftlichen Unternehmens Sarmstorf. Die Gerste sehe stellenweise gelb aus. Der Raps müsse mit Staunässe kämpfen. Das werde die Erträge auch in diesem Jahr mindern, fürchtet der Landwirt.

Und Behnke geht noch weiter: „Der Raps wird wohl nach und nach verschwinden.“ Dabei sei das Wetter nur eine Komponente. Hinzu kämen Beschränkungen beim Einsatz von Insektiziden. „Wir hatten das zweite Mal in Folge eine schlechte Rapsernte – 37 Dezitonnen je Hektar, das ist kein Spaß mehr“, betont der Landwirt. Aber es sei nicht nur der Raps. Zuletzt war man noch froh gewesen, Wintergetreide überhaupt in den Boden bekommen zu haben. Insgesamt sei das auf den Äckern rund um Sarmstorf nicht gelungen. „Wir haben 240 Hektar, auf denen Weizen und Roggen gedrillt werden sollten, nicht bestellen können“, informiert Behnke. Die Maisernte hatte sich unendlich verzögert, weil die aufgeweichten Felder nicht befahren werden konnten. Erst am 1. Dezember habe man die Zuckerrüben aus dem Boden bekommen, am 2. Dezember noch ein paar Kartoffeln roden können. „Wir mussten aber abbrechen. Auf zehn Hektar sind die Kartoffeln im Boden geblieben“, erzählt Behnke und ist froh, dass man wenigstens die Pflanzkartoffeln, die auf 20 Hektar wuchsen, habe ernten können. Bei den Speisekartoffeln auf 45 Hektar müsse man nun die Ernteverluste hinnehmen. Nach wie vor vermarktet das Sarmstorfer Landwirtschaftsunternehmen selbst. Der Vorstandsvorsitzende verweist auf die vorhandenen Lagerkapazitäten. Im Umkreis von rund 80 Kilometern bis nach Wismar, Plau und Malchin bringe man die Knollen an den Mann.

Nicht auf Speise-, sondern auf Stärkekartoffeln setzt seit Jahren die Agrargemeinschaft Kritzkow/Hohen Sprenz. „Drei Prozent sind im Boden geblieben“, sagt Vorstandsvorsitzender Thomas Finck. Bei Kartoffeln auf 153 Hektar sei das zu verschmerzen. Finck hofft nun eigentlich auf Frost, damit die im Boden verbliebenen Knollen erfrieren und dann „bei der Bestellung weggearbeitet werden können“. Auch bei den Kritzkower Landwirten blieben an die 90 Hektar unbestellt. „Auf 50 Hektar sollte Roggen gedrillt werden“, betont Finck. Nun müsse über Winter ein neuer Anbauplan erstellt werden. Neben Sommergetreide denkt der Landwirt über eine Ausweitung des Anbaus von Kartoffeln oder auch Erbsen – ein Eiweißlieferant – nach.

Behnke macht sich Sorgen über die Fruchtfolge. „Wir arbeiten noch an einem Anbauplan, aber es wird wohl mehr Mais werden“, sagt der Sarmstorfer Landwirt und macht außerdem auf die Arbeitsverdichtung im Frühjahr aufmerksam. Wenn es dann immer noch regnet, wird es kompliziert.

Von einer anhaltenden „wettertechnischen Katastrophe“ spricht Matthias Hantel, Vorsitzender des Bauernverbandes Güstrow. Auch er beklagt die Probleme bei der Wiederbestellung der Felder, die es in der gesamten Region um Güstrow gab. Hier und da sei auch Mais auf dem Acker stehen geblieben. Hantel: „Aber wir arbeiten nun mal mit der Natur.“

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