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Krakow am See Streit um nächtliches Geläut : Landkreis fordert leisen Glockenschlag

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Der Streit um die Kirchturmuhr in Krakow am See, die seit Jahr und Tag rund um die Uhr zu jeder Viertelstunde ertönt, geht in die nächste Runde. Der Landkreis teilte der Stadt jetzt mit, dass nachts Ruhe herrschen müsse.

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erstellt am 18.Jul.2013 | 07:42 Uhr

Krakow Am See | Der Streit um die städtische Uhr am Kirchturm in Krakow am See, die seit Jahr und Tag rund um die Uhr zu jeder Viertelstunde ertönt, geht in die nächste Runde. Der Landkreis teilte der Stadt jetzt mit, dass nachts im Luftkurort Ruhe herrschen müsse. Über Art und Zeitpunkt von geplanten Maßnahmen zur Lärmminderung möchte der Landkreis bis zum 30. August unterrichtet werden. Krakows Bürgermeister Wolfgang Geistert äußerte sich gestern ziemlich entschlossen in Widerspruch gehen zu wollen. Am 30. Juli ist es an den Stadtvertretern sich zur Anordnung des Landkreises zu positionieren.

Die Untere Immissionsschutzbehörde des Landkreises verweist auf "eine orientierende Schallpegelmessung, bei der festgestellt wurde, dass das ZeitLäutwerk der Stadt in der Nacht die Nachbarschaft erheblich beeinträchtigt". Der maximal zulässige Spitzenpegel von 60 Dezibel werde um bis zu zwölf Dezibel überschritten. Darüber hinaus möchte die Behörde davon ausgehen, dass es neben den untersuchten Immissionsorten weitere gibt, die näher am Kirchturm gelegen sind, wo die Überschreitung des Maximalpegels noch größer seien müsse.

Bürgermeister Geistert spricht von einer über 100 Jahre alten Tradition in der Stadt. Die Krakower würden damit leben. "Dann kommt jemand neu in die Stadt und greift diese Tradition an. Das finde ich unangemessen", sagt Geistert. Jana Ehnes, Inhaberin des Nordischen Hofes, beklagt sich über die nächtliche Lärmbelästigung für ihre Hotelgäste. Als sie mit ihrem Anliegen - bereits 2011 vorgetragen - in der Stadt nicht weiterkam, wandte sie sich an den Landkreis. Der hörte Anfang des Jahres die Stadt zum Thema an. Die Stadtvertreter beschlossen im März, dass alles beim Alten bleiben soll. Das Geläut der Turmuhr sei ein kleinstädtisches Kulturgut, das man sich nicht nehmen lassen wolle. Nun war wieder die Behörde am Zuge. Ihre Antwort trudelte am Mittwoch im Krakower Rathaus ein.

Die Stadt kann der Anordnung folgen oder binnen vier Wochen Widerspruch einlegen. Den würde Geistert u.a. damit begründen, dass im Schreiben des Landkreises darauf verwiesen wird, dass kurzzeitige Überschreitungen des Lärmpegels möglich seien. "Ist der Glockenschlag nicht eine kurzzeitige Überschreitung. Das sollten wir hinterfragen", denkt Geistert. Außerdem sei das Messergebnis nicht belegt.

Der Landkreis verweist darauf, dass "eine Überschreitung des zulässigen Maximalpegels nach dem Stand der Technik vermeidbar" wäre und schlägt z.B. eine Ummantelung des Klöppels oder den Einbau einer Zeitschaltuhr, über die das nächtliche Geläut abgestellt werden würde, vor. Über eine Dämmung des Klöppels sollte man nachdenken, meint der Bürgermeister. Ein generelles Abschalten sei nach seiner Wahrnehmung von den Krakowern nicht erwünscht. Sollte die Meinung nun womöglich kippen, müsse man reagieren. Geistert: "Ich hätte zu dem Thema gern eine demokratische Mehrheitsentscheidung, keine Rechtsentscheidung." Würden andere den Rechtsweg gehen wollen, könne man das ja gerichtlich überprüfen lassen. "Ausgang offen", denkt Geistert.

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