Bußgeldbescheid : Landkreis fährt Kanone auf

Das Kreuz an den Fensterscheiben kündet vom Ende der Galerie. Ein Bußgeld von 800 Euro soll Bernd Gerlich an den Landkreis zahlen, aus seiner Sicht viel zu viel.
Das Kreuz an den Fensterscheiben kündet vom Ende der Galerie. Ein Bußgeld von 800 Euro soll Bernd Gerlich an den Landkreis zahlen, aus seiner Sicht viel zu viel.

Frisiersalon verwandelte sich in Krakow am See in eine Galerie / Es fehlte eine Baugenehmigung /Das ahndet der Landkreis jetzt mit 800 Euro

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12. Februar 2014, 11:00 Uhr

Eine Galerie, die in Krakow am See neben der Alten Synagoge sicher einen guten Platz hätte, hat nach kurzer Zeit bereits das Zeitliche gesegnet. Das jedenfalls ist Aushängen mit einem Kreuz darauf, zu entnehmen. Auch der Schuldige ist benannt: der Landkreis. Der geneigte Betrachter vor den Schaufensterscheiben vermutet sogleich, dass hier ein bürokratisches Paradestück gelaufen sein könnte. Ganz falsch liegt er damit nicht.

Bernd Gerlich öffnete im vergangenen Sommer seine Galerie, machte dabei einen Fehler, korrigierte diesen nachträglich und erhielt nun ein Bußgeldbescheid über 800 Euro. Damit war für ihn die berühmte Hutschnur erreicht. Eigentlich hätte der Krakower nach einer Winterpause wieder eröffnet, tat dies nun aber nicht. „Wer weiß, was als nächstes kommt. Wenn eine Galerie nicht gewollt ist, mache ich eben wieder zu“, sagt Bernd Gerlich.


Erst Baugenehmigung, dann Bußgeldbescheid


Doch der Reihe nach: Bernd Gerlich gehört das Haus neben der Synagoge. Einen Friseurladen gibt es dort schon lange nicht mehr. Eine Galerie – Kunst und Kunstgeschichte sind ein Hobby des Mannes, der als Internetdienstleister seinen Lebensunterhalt verdient – sollte den Leerstand beenden. Kurz habe er auch an ein Café gedacht, war sich aber im Klaren darüber, dass dies eine Baugenehmigung erfordern würde. Eine Umnutzung von Friseur zu Galerie sollte so einen Aufwand nicht erfordern, denkt er heute noch. Als er sich nach Möglichkeiten einer Außenwerbung erkundigte – schließlich gibt es eine Gestaltungssatzung in Krakow am See, an die er sich halten wollte –, kam der Stein ins Rollen. Die Bauaufsichtsbehörde des Landkreises machte ihm klar, dass ohne Baugenehmigung nichts geht. Das wollte Bernd Gerlich nicht in den Kopf. Man wurde sich aber einig. Der Krakower griff den Gedanken eines Cafés mit Galerie wieder auf und stellte den Bauantrag. Die Baugenehmigung flatterte im Januar ins Haus. Wenige Tage später kam ein Schreiben, dass der Landkreis sein ordnungsbehördliches Verfahren eingestellt habe, die Baueinstellungsverfügung vom Juli vergangenen Jahres sei damit gegenstandslos. Schön, dachte Bernd Gerlich. Wenige Tage später kam ein Bußgeldbescheid über 800 Euro. Das Bußgeld erhebt der Landkreis für die Zeit vom 1. Juni bis 13. Juli vergangenen Jahres, das ist die Zeit zwischen Eröffnung der Galerie und Eingang des Bauantrages beim Landkreis. „Und alle Schreiben tragen die gleiche Unterschrift. Das ist doch hanebüchen“, sagt Bernd Gerlich.


Mit Galerie in Krakow am See kein Geld zu verdienen


Er habe die Galerie ausschließlich geöffnet um das Angebot für Einheimische und Gäste in Krakow am See zu erweitern. „Ich liebe diese Kleinstadt“, betont er und spricht von einem Geschäft, das keinen Profit abwerfen könne und auch nicht solle. Er wolle schlicht zur Kommunikation und zur Entwicklung der Stadt beitragen. Dabei, so berichtet er, habe er in der Galerie-Angelegenheit viel Unterstützung erfahren. Die großen Stadtfraktionen hätten sich positiv zur Galerie positioniert. Auch der Bürgermeister habe ihn unterstützt, betont Bernd Gerlich. Das bestätigt Wolfgang Geistert. Er habe sich über die Galerie gefreut. Es sei ein willkommenes Angebot in der Stadt. „Er hat einen Fehler gemacht, aber der Landkreis schießt jetzt mit Kanonen auf Spatzen“, sagt der Krakower Bürgermeister und hält das Bußgeld für überzogen. Im Bußgeldkatalog des Landkreises, so weiß Geistert, spielt auch der wirtschaftliche Vorteil eine Rolle. Den könne er bei einer kleinen Galerie in Krakow am See nun wirklich nicht erkennen.

Auf SVZ-Nachfrage verweist Kay-Uwe Neumann auf den Bußgeldkatalog des Landkreises, in dem zehn Euro pro Quadratmeter Nutzungsfläche angesetzt sind. Die Summe, so der Landkreissprecher, habe man schon halbiert, weil der Bauantrag nachgereicht wurde. Es gebe den Katalog, dennoch werde jeder Einzelfalls geprüft, betont Neumann. Man sei zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich um einen Regelfall handelt, der entsprechend den Katalogvorgaben zu behandeln sei.

Wie es nun weitergeht, lässt Bernd Gerlich offen. Zunächst wird er in Widerspruch zum Bußgeldbescheid gehen. Die Galerie bleibe geschlossen. Wenn aber die Krakower wünschen, dass er weitermacht, werde er sich einem solchen Wunsch vermutlich nicht widersetzen, formuliert er vorsichtig.


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