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Kinderschutz : Landesweit mehr Kindesmisshandlungen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Wichtiger Hilfsanker: MV ist bundesweit das einzige Flächenland mit einer Kinderschutz-Hotline.

von
erstellt am 23.Apr.2017 | 20:45 Uhr

Immer noch ist Mecklenburg-Vorpommern das erste und einzige Flächenland in der Bundesrepublik mit einer Kinderschutz-Hotline. Seit der Freischaltung dieser Hotline im Jahr 2008 hat sich die Zahl der Inobhutnahmen gefährdeter und vernachlässigter Kinder landesweit verdoppelt. Für Rainer Becker, Vorsitzender der Deutschen Kinderhilfe, ein klares Zeichen für die Effektivität der Hotline. Becker, der in Klein Upahl lebt, rief die Hotline vor neun Jahren als Dozent an der Verwaltungsfachhochschule in Güstrow ins Leben. Beim 18. Kindergartentag MV am Sonnabend an gleicher Stelle übergab er vor mehr als 500 Erzieherinnen und Erziehern an Landessozialministerin Stefanie Drese 1000 Schlüsselanhänger mit der Nummer der Kinderschutz-Hotline des Landes: 0800 1414007.

„Ich bin froh, dass wir diese Hotline haben“, sagte die Ministerin in der Barlachstadt. „Sie hat sich bewährt und etabliert und ist zu einem wichtigen Hilfsanker geworden.“ Die Kinderschutz-Hotline MV sei ein bundesweites Vorbild. Vor allem gebe es so eine geringere Dunkelziffer bei der Vernachlässigung oder Misshandlung von Kindern. Die bekannt gewordenen Fälle von Gewalt gegen Kinder sind vergangenes Jahr in MV angestiegen. Laut aktuellen Zahlen registrierte das Landeskriminalamt 378 Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern (Vorjahr 306), 156 Misshandlungen (118) sowie 68 Vernachlässigungen (48).

„Auch die Hotline trägt dazu bei, dass immer Fälle gemeldet werden“, sagt Becker. Vergangenes Jahr gingen hier 265 Meldungen ein, zudem gab es 181 Auskunftsersuchen. „Jugendämter und Polizei können beim Verdacht einer Kindeswohlgefährdung nur so schnell und so gut reagieren wie sie darüber informiert werden“, ist er überzeugt. Die Hotline habe zudem bewirkt, Menschen und Behörden im Land für das Thema zu sensibilisieren. Immer mehr Menschen würden sich bei Gewalt gegen Kinder direkt an die Polizei oder die Jugendämter wenden.

„Mecklenburg-Vorpommern kann stolz auf seine Kinderschutz-Hotline sein“, unterstreicht Becker. Für ihn ein Erfolgsmodell. Neben MV gibt es so eine Hotline nur noch im Stadtstaat Berlin. „Aber mehr Inobhutnahmen bedeuten auch mehr Fremdunterbringungen und mehr Hilfen zur Erziehung und damit verbunden mehr Kosten für die Kommunen“, sagt Becker. Wegen dieser Kosten würden sich die meisten Bundesländer scheuen, eine Kinderschutz-Hotline einzuführen. „Das Land und die Kommunen in MV haben hier viel Mut und Weitsicht bewiesen, und das freut mich außerordentlich“, so Becker.

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