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Alleinerziehender Vater aus Laage : Kuschelrolle, aber auch ebenso der strenge Vater

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Rüdiger Angermann aus Laage ist nach einer Trennung alleinerziehender Vater. Wichtig ist, dass er mit Sohn Aaron von der DRK-Familienhilfe unterstützt wird.

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erstellt am 04.Dez.2012 | 05:12 Uhr

Laage/Güstrow | Für Rüdiger Angermann (26) aus Laage ist der Tagesablauf strikt geregelt. Nach dem Aufstehen Frühstücken, Brote für sich und seinen Sohn Aaron (6) schmieren und erst, wenn Aaron sich auf den Weg zur Schule macht, verlässt auch der 26-Jährige das Haus. Alles muss genau geplant werden, denn Rüdiger Angermann ist alleinerziehender Vater. "Das funktioniert gut", sagt er. Er freut sich über jede freie Minute, die er mit seinem Sohn verbringen kann. Unterstützt und begleitet wird Rüdiger Angermann von Grit Lagemann-Winkler, sozialpädagogische Familienhilfe von der Kinder- und Jugendhilfe des DRK-Kreisverbandes, in Güstrow.

Arbeit als Zeitsoldat aufgegeben

Im September verbrachten Rüdiger Angermann und sein Sohn ein Wochenende im DRK-Jugendklub Krakow am See. Mit anderen Vätern und deren Kindern wurde gekocht, gespielt und einiges unternommen. Es wurden wichtige Themen für die Erziehung - Werte und Normen - angesprochen. "Für mich war besonders hilfreich, mit den anderen Vätern ins Gespräch zu kommen", sagt Rüdiger Angermann. Dabei erfuhr er, wie andere Fragen und Probleme bewältigen und er konnte von seien Erfahrungen berichten.

Etwas mehr als ein Jahr hat Rüdiger Angermann seinen Sohn jetzt bei sich. "Ich bin Vater und Mutter in einer Person. Ich übernehme die Kuschelrolle, bin aber auch ebenso der strenge Vater", beschreibt er den Spagat, den er zu leisten hat. Doch der 26-Jährige ist überzeugt, dass er das mindestens genau so gut schafft wie eine Mutter. Er schaut den Ranzen durch, kontrolliert die Hausaufgaben seines Sohnes und nimmt sich nachmittags Zeit, um mit Aaron etwas zu spielen. Erst danach folgen der Abwasch, die Wäsche und der Hausputz. An den Wochenenden versucht er, einige gemeinsame Unternehmungen mit Aaron zu planen. "Wir gehen angeln, fahren an den Strand oder spielen Fußball", so der alleinerziehende Vater. Er sieht alles positiv. "Ob zum Einkauf oder zu Behördengängen - wo ich hingehe, geht Aaron auch hin", sagt er.

Wenn bei Rüdiger Angermann auch alles gut klappt, einen Wunsch hat er doch. "Wenn keine Oma und kein Opa in der Nähe wären, dann wäre ein Betreuungsangebot schon hilfreich, um mal ein Wochenende für sich zu haben", sagt er.

Damit der 26-Jährige sich ganz seinem Sohn widmen kann, musste er seinen Beruf als Zeitsoldat an den Nagel hängen. Jetzt absolviert er eine Schweißausbildung. Alles unter einen Hut zu bringen, gelingt Rüdiger Angermann recht gut.

Das ist nicht in jedem Fall so, weiß die sozialpädagogische Familienhelferin. Da gebe es auch Väter, denen die Frau von heute auf morgen zwei Kinder vor die Tür stellt und geht. "Damit sind Männer oft überfordert", weiß sie. Grit Lagemann-Winkler betreut derzeit fünf allein erziehende Väter. Jeder habe seine Schwellenangst an anderer Stelle. In solch einem geschützten Rahmen, wie an dem Wochenende in Krakow am See, würden sie sich dennoch wohl fühlen. Es entlaste die Väter einmal ein Stück weit und biete ihnen einen Moment, in dem sie merken, dass sie nicht allein mit ihren Sorgen stehen.


Schwer, den Rhythmus zu finden

"Nach einer Trennung fällt es Vätern besonders schwer, ihren Rhythmus zu finden, den Tag zu strukturieren und alle Aufgaben zu erfassen", sagt Grit Lagemann-Winkler. Doch die Familienhelferin weiß, dass es nicht unbedingt auf das penibel saubere Kinderzimmer oder die perfekt sortierte Wäsche ankommt. "In der ersten Zeit allein mit Papa brauchen die Kinder schlicht weg Liebe, Verständnis und Stabilität", sagt sie. Alleinerziehend zu sein, könne auch heißen, ganz ungeahnte Fähigkeiten hervor zu bringen und neue Möglichkeiten aufgezeigt zu bekommen. "Die Zeit und die persönliche engere Bindung, die man mit den Kindern als Alleinerziehender gewinnt, sind unersetzlich und unbezahlbar", fügt Lagemann-Winkler an. Weil sie aber wisse, dass bei Alleinerziehenden der Akku besonders schnell leer sein könne, seien entlastende Angebote unverzichtbar. Darum habe sie ein weiteres Treffen für alleinerziehende Väter im Frühjahr geplant. Gut wären aber auch weitere Betreuungs- und Unterstützungsangebote.

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