zur Navigation springen
Güstrower Anzeiger

24. November 2017 | 01:15 Uhr

oase : Kuh vom Eis, wann folgt das Kalb?

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Einigkeit über neue Gesellschaftsstruktur der Stadtwerke Güstrow / Thema „Oase“ erneut verschoben

von
erstellt am 13.Dez.2014 | 08:30 Uhr

Ihren Streit um die künftige Führungsstruktur für die Stadtwerke Güstrow GmbH (SWG) haben Stadtvertretung, Verwaltung und Geschäftsführung beigelegt. Schon im Oktober sollte das Vertragswerk über die Bühne gehen, doch der vorgelegte Verwaltungsentwurf provozierte Krach mit Geschäftsführung, Aufsichtsrat und folgerichtig der Stadtvertretung. Die Beteiligten fühlten sich mit einem „Schnellverfahren“ konfrontiert und straften den Entwurf mit der Höchststrafe ab: runter von der Tagesordnung, ohne Kommentar.

Inzwischen wurde nachgebessert – und dem Ansinnen von Bürgermeister Arne Schuldt, persönlich mehr Einfluss auf das Unternehmen nehmen zu wollen, ein Riegel vorgeschoben. Die Gesellschafterversammlung, bisher allein aus dem Bürgermeister bestehend, wurde kräftig aufgestockt: Jede Fraktion benennt künftig ein Mitglied, das mitreden und mitentscheiden darf. Am Ende aber, dabei bleibt es, muss die Gesellschafterversammlung dennoch mit einer Stimme reden. Wird man sich nicht einig, geht das Thema zur Abstimmung in die Stadtvertretung.


Zentrale Frage: Woher das Geld für die Oase?


Bürgermeister Schuldt scheint mit der Lösung nun zufrieden zu sein und verweist auf das Gesellschafterverhältnis zur Wohnungsgesellschaft Güstrow. Bei diesem zweiten Tochterunternehmen der Stadt funktioniere das seit fünf Jahren gut.

Diese „Kuh“ also wäre vom Eis, nicht jedoch das Kalb, um mal so die Tochter der Stadt-Tochter, die Freizeit- und Immobilien-GmbH (FIG) zu bezeichnen. Gemeint ist die „Oase“, die der Gesellschaft künftig auch ihren Namen geben soll. Nicht nur deshalb soll diese ebenfalls nach dem Willen von Bürgermeister Schuldt einen neuen Gesellschaftsvertrag bekommen. Da geht es auch nicht „nur“ um Einfluss, sondern vor allem um Geld.

Der Bürgermeister will, gerade unter dem Aspekt von Änderungen im Betreiberkonzept des Freizeitbades, stärker mitreden. Für 1,2 Millionen Euro ist eine auf sechs Jahre angelegte Sanierung bereits im Gange. Doch weitere 1,5 Millionen sind erforderlich, um das Bad technisch für die Zukunft zu rüsten. Noch größere Beträge, nämlich prognostiziert 3,5 Millionen Euro, werden benötigt, um das so genannte Basiskonzept umzusetzen. Dahinter verbirgt sich die bisher nur ansatzweise angelaufene Konzeptänderung vom Spaß- zum Wellnessbad. Das Geld für die Umsetzung dieses, in der Öffentlichkeit stark kontrovers diskutierte, Projektes kann nur von der Stadt – bzw. deren Tochter Stadtwerke – kommen.


Bürgermeister: Noch wird verhandelt


Vor diesem Hintergrund will Schuldt die Zügel fester packen, als es ihm mit dem aktuellen Gesellschaftsvertrag möglich ist. Doch seinen Entwurf für die künftige Oase GmbH legten die Stadtvertreter wiederholt auf Eis. Am 23. Oktober schubsten sie das Thema wie auch die Stadtwerke-Problematik kurzerhand von der Tagesordnung (SVZ berichtete). Doch anders als der SWG-Vertrag kam die „Oase“ in der Dezembersitzung erneut nicht auf die Tagesordnung. Angeblich habe die Verwaltung das zwölfseitige Werk mit 18 Paragrafen nicht rechtzeitig fertig bekommen, heißt es bei Stadtwerke-Aufsichtsratschef Jens-Hagen Schwadt. Also doch nur ein Schnellschuss im September/Oktober, kein Dissens!?

Der Bürgermeister widerspricht: „Die Verhandlungen darüber, wie das endgültig aussehen soll, sind noch nicht abgeschlossen.“ Allerdings sagt Schuldt auch: „Es drängt uns ja niemand von außen.“ Und: Mit den anstehenden Aufgaben der Oase habe das auch „nicht zwingend“ zu tun. In der Problembeschreibung zum Beschlussantrag steht aber genau das: „Um Interessenkollisionen zu vermeiden und um die Barlachstadt Güstrow, handelnd durch den Bürgermeister unmittelbar in die anstehenden, wesentlichen Maßnahmen zur Sanierung und Strukturierung der Oase einzubinden…“


Aufsichtsratschef: Transparenz wichtig


Aufsichtsratsvorsitzender Schwadt beschreibt seine Vorstellungen konkret. Das Konstrukt soll ähnlich aufgebaut werden, wie das neue für die Stadtwerke: eine erweiterte Gesellschafterversammlung, bestehend aus Geschäftsführer und Aufsichtsratschef der Stadtwerke, Bürgermeister sowie jeweils einem Vertreter der Fraktionen. „Hier können Visionen entwickelt werden“, meint Schwadt.

Ein neu zu bildender Aufsichtsrat wäre für die Oase aus Schwadts Sicht überflüssig; der würde sich mit dem SWG-Aufsichtsrat ohnehin nur doppeln. „Ich möchte natürlich keine überflüssigen Gremien“, sagt Schwadt. Die Vorstellung, dass der derzeitige Gesellschafter – die Stadtwerke mit Geschäftsführer Edgar Föniger – „einfach durch den Bürgermeister als Vertreter der Stadt ersetzt werden“ kann, wäre damit aber vom Tisch. Und: „Ich möchte größtmögliche Transparenz.“ Die sähe der Aufsichtsratschef mit dieser Konstellation gegeben.

Es bliebe auch bei der Oase die Hürde der Einstimmigkeit in der Gesellschafterversammlung, die bei acht Menschen an einem Tisch schwieriger herstellbar ist, als wenn einer allein die „Versammlung“ bildet. Ob das SWG-Modell eine gute Lösung wäre, möchte der Bürgermeister nicht ganz sicher sagen: „Das weiß man immer erst, wenn es mal kritisch wird.“  

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen