SVZ-Serie „Ins Atelier geschaut“ : Künstler setzt Ideen mit Kettensäge um

Den überdimensionierten Stuhl hat Arndt Weigend mit der Kettensäge geschaffen. Er wird auch genutzt.   Fotos: Christian Menzel
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Den überdimensionierten Stuhl hat Arndt Weigend mit der Kettensäge geschaffen. Er wird auch genutzt. Fotos: Christian Menzel

SVZ-Serie „Ins Atelier geschaut“: der Bildhauer Arndt Weigend aus Rukieten / Kalender mit Ringelnatz-Gedichten und Holzschnitten in Arbeit

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14. Juli 2014, 06:00 Uhr

Dass Betrachter über Kunstwerke rätseln, mag Arndt Weigend. Gerade hat er seine weiß gestrichenen Holzteil-Elemente, die er in der Ausstellung „Kunst und Umwelt“ in der Städtischen Galerie Wollhalle in Güstrow und davor in der Schwaaner Kunstmühle gezeigt hatte, wieder mit nach Rukieten genommen. „Manche haben eine Flusslandschaft in die Objekte gedeutet, andere es für überdimensioniertes Spielzeug gehalten, wieder andere für Teile eines Labyrinths“, zählt der 65-Jährige die Deutungsvorschläge auf. Er selbst hat den 2013 entstandenen Arbeiten den Titel „Expedition“ gegeben. Expedition, wohin? Vielleicht ins Ungewisse, schlägt der Künstler vage vor und könnte sich die Teile als Schlitten vorstellen. Das passte zumindest zu dem in Güstrow vorgegebenen Ausstellungsthema „Auswege“.


Kunstwerke aus Holz und Stein


Arndt Weigend ist Bildhauer. Er schafft seine Werke aus Holz und Stein. Mit der Kettensäge, dem Beitel oder dem Schnitzmesser bearbeitet er Platanen-, Eichen- oder Lindenholz, mit Spitz-, Zahn- oder Schlageisen schält er seine Werke aus Marmor oder Sandstein. Das hat der Mann aus dem Erzgebirge alles gelernt. Die Holzgestaltung an der Fachhochschule für angewandte Kunst in Schneeberg, den Umgang mit Sandstein während neunmonatiger Arbeit im damaligen VEB Elbe-Naturstein Dresden und Plastik bei Prof. Hans Brockhagen an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Seit 1983 lebt Weigend als freischaffender Bildhauer in Mecklenburg, davon die letzten 13 Jahre in Rukieten.

Mit zunehmendem Alter entdeckt der Künstler die abstrakte Kunst. Die ermögliche Freiräume für Kreativität und Deutung, schätzt er. „Liegende, Stehende, Sitzende – das ist alles schon zig Male gemacht worden, da gibt es kaum Neues oder Überraschendes“, versichert er. Manchmal schnappt er sich die Kettensäge, hat eine Idee im Kopf und beginnt – selbst gespannt auf das Ergebnis – mit der Arbeit. „Das Gute an Holzarbeiten ist, dass sie, missraten sie als Kunstwerk, wenigstens noch für den Kamin zu gebrauchen sind“, schmunzelt er.

Bei Ausstellungen macht sich Weigend rar. Das hängt mit den Transportproblemen zusammen, vor denen ein Bildhauer steht. „Ein Maler hat es da einfacher“, grantelt er. Dafür schätzt er Pleinairs und Workshops. „Die Arbeit mit Kollegen macht Spaß, man bekommt Anregungen und kann sich manchen Trick abschauen“, sagt er. Gerade hinter ihm liegt ein Pleinair an der Kunstmühle Schwaan. Die Steinarbeiten, die Gertraude Bauer, Jörg Kümmel und Arndt Weigend in zehn Tagen geschaffen haben, werden demnächst im Hof der Kunstmühle ihren Platz finden. Diese Woche ist er zu einem Pleinair bei dem Künstlerkollegen Ralph Wedhorn in Groß Köthel eingeladen.

Auf dem Tisch seines Ateliers, das früher einmal Einklassenschule in Rukieten war, liegen die ersten Druckfahnen für einen Kalender mit Ringelnatz-Gedichten, den er mit Hans-Hilmar Koch herausgibt. Die mehrfarbigen Holzschnitte stammen von Arndt Weigend.



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