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Güstrower Anzeiger

25. November 2017 | 07:07 Uhr

Handwerk : Kronleuchter aus Rotwild-Stangen

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Adolf Fust führt seit 1990 in Güstrow erfolgreich eine Kunstwerkstatt und verarbeitet Hirschhorn.

Ein Kronleuchter hängt in der Kunstwerkstatt von Adolf Fust in der Gutower Straße in Güstrow. Das passiert häufig, aber diesmal hat er mit einem Durchmesser von 1,60 Meter auch für Adolf Fust nicht alltägliche Dimensionen. Das Prachtstück hat er aus Rotwild-Stangen, verziert mit Eichenblättern aus Eisen, gefertigt, denn in seiner Werkstatt wird seit vielen Jahren Hirschhorn verarbeitet. „Ich kenne im Norden keinen Handwerker, der so etwas herstellt“, erzählt der 63-Jährige stolz.

Gelernter Schmied setzt Familientradition fort

„Kunstwerkstatt und Hirschhornverarbeitung“ heißt die Firma von Adolf Fust. Seit der Währungsunion am 1. Juli 1990 führt er sie als selbstständiger Handwerker. Die Grundlagen dafür legte er allerdings durch seine Lehre als Schmied in der väterlichen Werkstatt in Bernitt. Er setzte damit mit seinen Brüdern Wolfgang und Fritz eine Familientradition fort, die Großvater Friedrich begründete. 1985 zog er aus familiären Gründen nach Güstrow und fand Arbeit in der Kunstschmiede des Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebes, die es seit 1973 gab, als Schmied und Schlosser. Damals konnte allerdings keiner ahnen, dass das einmal sein Unternehmen wird. Hans Wegner war jedoch derjenige, der als damaliger Chef das Potenzial von Adolf Fust erkannte, ihn anleitete und ihn 1989 zu seinem Nachfolger als Werkstattleiter machte. Die Wende ermöglichte ihm dann den Schritt in die Selbstständigkeit.

Adolf Fust setzte mit seiner Arbeit nahtlos fort, was schon in der DDR stark nachgefragt und meist für Jagdausstatter produziert wurde: Kunstschmiedearbeiten aus Hirschhorn sowie Schmiede- und Schlosserarbeiten. „Allerdings war es nicht leicht, denn ich musste mir einen neuen Kundenstamm aufbauen“, erinnert sich Fust. Drei, vier Jahre brauchte er, um Fuß zu fassen. Dabei half ihm ein Unternehmer aus der Nähe von Dortmund. Außerdem beteiligte er sich an vielen Messen. Zu seinem Hirschhorn-Angebot gehören die verschiedensten Lampen, Kerzenleuchter, Garderobenriegel, Tische und Hocker. Das i-Tüpfelchen bei diesen Produkten sind Eichenblätter aus Eisen. Das Material, das er bei Jägern kauft, liefern ihm Rot-, Dam- und Rehwild. Aber auch Elche oder Mufflons. „Alles sind Abwurfstangen, wird mir versichert. Für eine Lampe oder einen Kerzenleuchter aus Hirschhorn muss daher kein Tier sterben“, betont Adolf Fust.

Fürs Königshaus in Thailand gearbeitet

War zu DDR-Zeiten für die Kunstschmiede oft auch die Regierung der Auftraggeber, hatte Adolf Fust auch nach der Wende mit den „Oberen“ zu tun. Während hauptsächlich Privatleute, Firmen und die öffentliche Hand seine Auftraggeber sind, hat Fust auch schon für das thailändische Königshaus gearbeitet. In Güstrow hat er seine Spuren z.B. mit den restaurierten Fenstern im Bürgerhaus hinterlassen, in Bützow steht in einem Wohngebiet ein Windspiel. Aber Adolf Fust hat ebenso viele Extra-Wünsche erfüllt. So z.B. Eheringe aus Hirschhorn, Bestecke oder die so genannten Sau-Federn als Deko für Jäger und selbst eine Urne für eine Beerdigung.

Was Adolf Fust herstellt, sind Einzelstücke. „Die Ideen kommen mir einfach so“, erklärt er bescheiden. Seine Frau Sylvia, die ihm viel Rückhalt gibt, beschreibt es genau, wie Adolf Fust den Kunden-Wunsch umsetzt: „Mein Mann hat den Blick. Er sieht die Geweih-Stange und gleich die fertige Lampe. Dazu kommt seine jahrelange Erfahrung.“ Außerdem zitiert sie gern Renate, eine Schwester. „Adolf hat eine Ader für das Feine“, ist deren Erklärung für die schönen Dinge, die unter den geschickten Händen ihres Bruders entstehen. Adolf Fust nickt und fügt hinzu: „Ich habe in meinem Leben nie etwas anderes gemacht. Außerdem bereitet mir meine Arbeit Spaß, wenn man sieht, was alles entsteht und die Kunden daran ihre Freude haben.“

Aber nicht nur das Kunstvolle beherrscht Adolf Fust. In seiner Werkstatt entstehen ebenfalls Zäune, Treppengeländer, Fenstergitter. Sein letztes Stück, bei dem er sein handwerkliches Können, aber auch sein Engagement für Güstrow, zeigen konnte, ist die Hellebarde für den Wächter auf dem Bethlehem-Stift in der Gleviner Straße (SVZ berichtete).





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