„Min lütt Dörp“ : Kriminalfall im kleinen Paradies

Simone, Malte und Edwin Tiedt sowie Sebastian Hinrichs (v. l.), der in der Schweiz lebt und zu Besuch ist, fühlen sich wohl in Käselow.
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Simone, Malte und Edwin Tiedt sowie Sebastian Hinrichs (v. l.), der in der Schweiz lebt und zu Besuch ist, fühlen sich wohl in Käselow.

SVZ-Serie „Min lütt Dörp“: Gräberfund aus Slawenzeit in Käselow / Heutige Bewohner haben sich Idyll in der Natur geschaffen

svz.de von
15. Juli 2014, 06:00 Uhr

Sein Buch „Die Lüssower“ beginnt Herbert Homfeld spektakulär und in dem kleinen Dorf Käselow. „Leichensache Käselow“ hat der Autor sein erstes Kapitel überschrieben. Alles scheint auf einen spektakulären Kriminalfall hinzudeuten, als der Baggerführer Heinz Steinke am späten Nachmittag des 29. Juni 1975 beim Ausheben eines Grabens für Wasserleitungsrohre eine Leiche findet. Doch die Leute von der Kriminalpolizei werden schnell durch Museumsmitarbeiter abgelöst. Denn gestoßen war der Bauarbeiter auf ein slawisches Gräberfeld aus dem 11./12. Jahrhundert. Es war der erste direkte Nachweis von Slawen in Käselow und Umgebung.

Auch heute ist der Fundplatz hinter dem Buswartehäuschen das wohl einzig unbebaute Gebiet in dem schmucken, 50 Einwohner zählenden Ortsteil der Gemeinde Mistorf. Früher dominierte Landwirtschaft den Ort. Ein mit 86 Jahren ältester Einwohner, der sehr auskunftsfreudig ist, aber in der Zeitung weder seinen Namen lesen, noch sein Foto sehen will, erzählt, dass das Gut während der Bodenreform unter 27 Neubauern aufgeteilt worden war. 26 Siedler hätten, den Zwang zum Eintritt in die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) vor Augen, aufgegeben und seien in den Westen geflüchtet. Nur seine Familie habe sich zu spät dazu entschlossen und schließlich habe der Bau der Mauer alle Fluchtpläne durchkreuzt.

Nach der Wende kamen neue Menschen in das Dorf. So wie Horst Erichsen aus Schleswig. Der Steuerberater hatte sein Büro zunächst in Güstrow auf dem Pferdemarkt, suchte aber als Hobbylandwirt ein Anwesen auf dem Land. Ende der 1990er-Jahre war das schon etwas schwierig. Aber als er eines Tages wieder einmal die umliegenden Dörfer inspizierte, machte er vor dem aus den Augenwinkeln wahrgenommenen Käselower Gutshaus eine Vollbremsung. Später erfuhr er, dass die Gemeinde für das stark sanierungsbedürftige Haus dringend einen Käufer suchte. Erichsen erfüllte sich seinen Traum und nahm Bürgermeister Hinrichs eine Sorge. Das Gutshaus wurde um 1870 gebaut und geriet später in den Besitz der Familie Bartholly. Nach dem Krieg flüchtete die Familie nach Kastorf im Herzogtum Lauenburg und baute dort eine Lohnbrüterei für Hühner-, Enten- und Gänseeier auf. „Das müssen sie auch schon in Käselow betrieben haben, denn als wir das Gelände sanierten, mussten wir zahlreiche für Federvieh gedachte Stallungen abreißen“, sagt Horst Erichsen.

Die Ruhe und die Natur direkt vor der Haustür hatte auch Waldemar Dullek bewogen, vor 17 Jahren mit der Familie nach Käselow zu ziehen. „Wir wohnten damals in Güstrow in der Primer Straße und wollten uns verändern“, erinnert er sich. Seine Frau habe zwei Grundstücke in Käselow entdeckt und die Nachbarfamilie Lippert sei gleich mitgezogen, schmunzelt der Zahntechnikermeister. „Natur, Ruhe und ein idealer Platz zum Erholen“, fallen Simone und Edwin Tiedt spontan ein, warum sie die ehemalige Schule des Dorfes saniert und darin ihr Zuhause geschaffen haben. „Vorher war das eine Ruine“, weiß Edwin Tiedt, der erzählt, dass sich in der Bauphase der Fahrer eines mit Dämmmaterial beladenen Lastwagens aus Käselow bei Wismar gemeldet habe. Die gleiche Erfahrung hatte übrigens Erichsens Tochter gemacht, als sie das Navi in den Ort nahe der Hansestadt geführt hatte.

Seit fünf Jahren erst lebt Viola Christens in Käselow. Sie hatte sich damals spontan in ein Haus verliebt und war von Gülzow nach Käselow gezogen. Mit ihrem Berner Sennenhund Ajax durchstreift sie die Umgebung und fühlt sich wohl. „Nur die Windmühlen sind nervig. Sie verschandeln die Landschaft und wenn der Wind ungünstig steht, sind sie auch zu hören“, klagt sie.

Wenn man die etwas holprige Straße von Karow nach Siemitz befährt, hat man in Null-Komma-Nichts die Ortslage Käselow passiert. Nur wenig deutet auf den wenigen Metern darauf hin, was für ein kleines Paradies dieses Dorf ist.




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