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Vorwurf: Wahlversprechen nicht eingelöst : Kreissitz Güstrow verliert Sozialamt

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Unruhe in der Kreisverwaltung wegen der künftigen Verteilung der Kernverwaltung des Landkreises Rostock auf die Standorte Bad Doberan und Güstrow. Denn der Kreissitz Am Wall verliert vier Ämter, darunter das Sozialamt.

svz.de von
erstellt am 21.Dez.2011 | 08:28 Uhr

Güstrow | Unruhe in der Kreisverwaltung wegen der künftigen Verteilung der Kernverwaltung des Landkreises Rostock auf die Standorte Bad Doberan und Güstrow. Denn der Kreissitz Am Wall verliert vier Ämter, darunter das Sozialamt, erfuhr SVZ gestern. Auch das Rechnungs- und Gemeindeprüfungsamt, das Kreisordnungsamt sowie das Amt für Planung und Kreisentwicklung sollen aus der Kreisstadt verschwinden.

Unmut macht sich nicht nur in der Verwaltung breit, sondern auch bei anderen Verantwortlichen, die Menschen zu betreuen haben. Dazu gehört Katrin Skodlerak vom Caritas-Betreuungsverein St. Franziskus. Mit dieser Entscheidung gehe die vor der Reform und zur Landratswahl versprochene Bürgernähe verloren, sagt sie. So könne die Wahl-Aussage - u.a. vom damaligen Güstrower Landrat Lutz da Cunha -, "es ist unser gemeinsames Ziel, dass es für den Bürger bei den bekannten Dienstleistungen der Behörde keine Einschränkungen gibt" (SVZ 2. September) nicht mehr erfüllt werden, so Skodlerak. Katrin Skodlerak betreut zwischen 40 und 50 Menschen, darunter psychisch Kranke, geistig Behinderte und viele Ältere. "Das sind Menschen, die ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst klären können", erläutert sie. "Ich mache mir daher Sorgen, dass mit der Auflösung des Sozialamtes in Güstrow auf diese Menschen ein neues Problem zukommt", schildert die Betreuerin, "denn viele Dinge sind in einem persönlichen Gespräch im Amt zu klären, dann aber mit längeren Wegen."

Mitarbeiter des Sozialamtes (Namen sind der SVZ bekannt) sehen die Bürgernähe ebenfalls schwinden. Ihren Standpunkt übergaben sie gestern Landrat Thomas Leuchert. Sie werten die neue Struktur so, dass Bürgernähe keine große Rolle mehr spiele und kostengünstigeren Strukturen geopfert werde.

Landrat Leuchert (SPD) bestätigte gegenüber SVZ das Konzept, das im Frühjahr umgesetzt werden soll, und damit den Umzug der vier Ämter nach Bad Doberan. 80 Mitarbeiter, die bis jetzt in Güs trow arbeiten, hätten dann ihren Arbeitsplatz in Bad Doberan, darunter 23 aus dem Sozialamt. Andersherum würden100 Mitarbeiter aus Bad Doberan in Güstrow beschäftigt, betont Leuchert. Diese Ämter gebe es nur in Güstrow. Nur in den Bereichen Verkehrsbehörde, Kfz-Zulassung, Führerscheine würden im Amt für Straßenbau und Verkehr Außenstandorte in Güstrow und Bad Doberan bleiben. Sechs weitere Ämter würden in beiden Städten vorgehalten (siehe Hintergrund).

Thomas Leuchert sieht nicht ein, dass Bürgernähe verloren geht bzw. Wahlversprechen nicht eingehalten werden. Auf ihn treffe der Vorwurf nicht zu und er begründet: "Die Gebietsreform ist Gesetz, weil die Verwaltung in den Strukturen nicht mehr bezahlbar ist. Wir als Verwaltungsleitung und die Mitarbeiter haben den Aufwand zu reduzieren." So sei das von ihm immer erklärt worden. Dabei sei nicht vordergründig, welchen Arbeitsweg jemand hat. Der Landrat widerspricht auch, dass Dienstleistungen für den Bürger eingeschränkt würden. "Er wird nur einen weiteren Weg zurücklegen müssen", erklärt er. Dass jetzt der Protest wegen weniger Bürgernähe da sei, habe der "Gesetzgeber bei seinem Auftrag billigend in Kauf genommen", erklärt er weiter. Leuchert bestätigt, dass ihm gestern ein Schreiben der Mitarbeiter des Sozialamtes bei "geplanten persönlichen Gesprächen" übergeben wurde. Die Reaktion sei bei Menschen normal, wenn es ums Geld gehe oder sich Gewohnheiten ändern müssten. Leuchert: "Diese Argumente führen aber nicht dazu, dass sich etwas ändern wird."

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