Asylpolitik : Kreis richtet Notunterkünfte ein

Sehen sich in einer Wohnung im Asylbewerberheim in der Südstadt um: Dezernent Dr. Rainer Boldt, Heimleiterin Heidrun Kiel und Landkreissprecher Kay-Uwe Neumann.
Sehen sich in einer Wohnung im Asylbewerberheim in der Südstadt um: Dezernent Dr. Rainer Boldt, Heimleiterin Heidrun Kiel und Landkreissprecher Kay-Uwe Neumann.

Grenze bei Unterbringung von Flüchtlingen erreicht / Übergangslösung am Stülower Weg in Bad Doberan

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13. August 2015, 01:51 Uhr

Überall in Deutschland werden die Unterkünfte für Flüchtlinge knapp. In Berlin nächtigen sie schon auf Parkbänken, in Neubrandenburg sollen sie Unterschlupf in einer Sporthalle finden. „So weit sind wir noch nicht, aber auch bei uns sind die Kapazitäten erschöpft“, informierte gestern Nachmittag Dezernent Rainer Boldt die Mitglieder des Kreisausschusses und kündigte an, dass ein Notfallplan, der längst in der Schublade lag, jetzt greifen muss. In Gebäuden der Beruflichen Schule am Stülower Weg in Bad Doberan, wurden gestern vom Betreuungszug des Landkreises Notunterkünfte hergerichtet.

„Wir können sie nicht mehr in den Heimen und auch nicht mehr dezentral unterbringen“, erklärte Boldt. Nicht mehr benötigte Schulräume am Stülower Weg in Bad Doberan wurden deshalb notdürftig ausgestattet, um dort heute und morgen zunächst 22 Flüchtlinge unterbringen zu können. Die Notunterkunft soll durch das DRK betrieben werden, informierte Boldt und spricht von einer Übergangslösung, Man sei bemüht, dies so schnell wie möglich wieder zu ändern, also andere Unterkünfte zur Verfügung zu stellen.

Der Landkreis habe auch bereits Wohnungen gefunden, die aber seien nicht bezugsfertig. Zum einen müssten Wohnungen noch renoviert werden, zum anderen gebe es inzwischen erhebliche Probleme bei der Möblierung und weiteren Ausstattung. Boldt verweist auf lange Lieferfristen bei den Anbietern.

„Anders als in Neubrandenburg haben wir auch nicht die Möglichkeit der Unterbringung in Hotels“, betont Boldt. Die seien im Sommer belegt. Herbergen, die nicht mehr betrieben werden, gebe es zwar im Landkreis, eine Aktivierung sei aber mit großem Aufwand verbunden – also keine Lösung von heute auf morgen. Über die Wintermonaten, so kündigte der Dezernent der Kreisverwaltung an, werde man wieder Ferienunterkünfte nutzen können.

Zunächst waren dem Landkreis zu Beginn des Jahres 800 Flüchtlinge avisiert worden. Die Zahl hatte das Land bald schon auf 1000 und nun noch einmal auf 1200 erhöht. „Das wirft all unsere Planungen über den Haufen“, gesteht Boldt. Und: „Wenn sich die Zahl der Flüchtlinge in den nächsten Monaten weiter so dynamisch entwickelt, werden auch die Probleme der Unterbringung noch größer.“ Boldt appelliert deshalb eindringlich an Kommunen, Wohnungsgesellschaften und private Vermieter den Landkreis zu unterstützen. Mehr als 300 Wohnungen hat der Landkreis bereits angemietet. Aktuell sind im Landkreis 1589 Asylbewerber – Frauen, Männern und Kindern untergebracht.

Boldt informierte gestern, dass der Landkreis die angekündigten zusätzlichen Mittel vom Land in Höhe von knapp 800 000 Euro erhalten habe. Dies sei mehr als erwartet. 50 000 Euro davon stünden zur Förderung ehrenamtlichen Engagements bei der Flüchtlingsarbeit zur Verfügung, z. B. für Sprachkurse und Sportangebote (SVZ berichtete). Vereine und Initiativen können ihre Anträge auf Unterstützung beim Sozialamt des Landkreises stellen. 

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