Seltenes Hobby : Kreativität verwickelt sich zu Wolle

Erst hat Bettina Hägele gestrickt, dann entdeckte sie, dass schon das Verwickeln von Wolle sehr kreativ sein kann.
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Erst hat Bettina Hägele gestrickt, dann entdeckte sie, dass schon das Verwickeln von Wolle sehr kreativ sein kann.

Bettina Hägele frönt einem seltenen Hobby: aus Industriegarnen macht sie Wolle und liebt es dabei bunt und auch mal extravagant

svz.de von
31. Dezember 2013, 06:00 Uhr

Ein gemütlicher Sessel, davor ein kleines rundes Tischchen mit einer seltsamen Apparatur darauf und gleich daneben stehen kleinere und größere Garnrollen, so genannte Konen. In der einen Hand hält Bettina Hägele das Garn, das gleich von mehreren Konen abspult, mit der anderen Hand dreht die 49-Jährige eine Kurbel. Dabei heraus kommt Wolle mit einer ganz eigenen Note, fernab von dem, was im Geschäft zu bekommen ist. Seit etwa vier Jahren hat sich die Strenzerin diesem Hobby verschrieben und es inzwischen als Gewerbe angemeldet.

Treffen konnte man Bettina Hägele auf einigen Märkten in der Vorweihnachtszeit. Ansonsten lohnt ein Blick ins Internet. Dort finden sie ihre Kunden, inzwischen auch schon eine Stammkundschaft, in der Regel. Alles habe damit begonnen, dass sie für ihre Tochter einen Pullover stricken wollte. Dabei habe sie festgestellt, dass Wolle ganz schön teuer sei und dass sich nicht immer das findet, was man sucht. Schließlich sei sie im Internet fündig geworden. Bei der Recherche sei sie darauf gestoßen, dass man aus Industriegarnen selbst Wolle verwickeln könne und probiertes es. Die Garne bekomme sie aus Überproduktion oder Beständen, die aus welchem Grund auch immer von der Textilindustrie nicht mehr abgenommen werden.„Es ist auch mal ein erlesenes Designergarn dabei“, berichtet Bettina Hägele, die aus Baden-Württemberg kommt, einige Jahre in Dummerstorf lebte und seit 2011 mit der Familie in Strenz wohnt. Sie verarbeitet Baumwolle ebenso wie Merinowolle, Kaschmir, Seide, Polyamid und Polyacryl. Feine Garne verwickle sie, damit z.B. Socken daraus gestrickt werden, dickere eher für Pullover und Schals. „Meist verwickle ich sechs bis acht Garne zusammen“, sagt die 49-Jährige. Dabei habe sie meist zunächst „keinen Plan“, sondern schaue auf ihren Vorrat und entscheide dann über die Zusammenstellung. Die Auswahl ist groß. Rund 1500 Kilogramm Wolle stehen bereit. „Da findet man immer was und ich mag es gern farbig“, gesteht Bettina Hägele. Unifarbene Wolle gebe es bei ihr eigentlich nur auf Bestellung. „Die könnte man ja auch im Laden kaufen“, erklärt sie. Gern macht sie auch mal was Verrücktes, Extravagante bei der Zusammenstellung der Farben oder auch der verschiedenen Garne.„Dabei kommt immer ein Unikat heraus“, hebt Bettina Hägele hervor. Gerade die ausgefallenen Sachen bringen sie nie von einem Markt wieder mit nach Hause.

Für sie selbst ist das Stricken inzwischen in den Hintergrund getreten. Nur wenn ihr das Verwickeln einmal zu langweilig werde, greife sie selbst wieder mal zu den Stricknadeln. In der Regel aber könne sie in ihrem Sessel am kleinen Tischchen wunderbar von der Arbeit in der Kirchenkreisverwaltung entspannen. „Ich kann dabei herunterkommen, Ruhe finden und vor mich hin sinnieren“, formuliert die 49-Jährige.


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