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Wokra-Affäre : „Krakower Wokra muss Gürtel enger schnallen“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Aufsichtsratsmitglied Karl-Heinz Kleinpeter berichtet vor der Stadtvertretung über wirtschaftliche Lage der Firma

svz.de von
erstellt am 14.Mai.2014 | 17:00 Uhr

400 Euro Festgeld auf dem Konto und ansonsten keine Rücklagen sowie 6,1 Millionen Euro Belastung durch Kredite. Das ist die „nüchterne ökonomische Bilanz“ der Wohnungsgesellschaft Wokra Krakow am See und der Tourismus GmbH, wie sie Stadtvertreter Karl-Heinz Kleinpeter als Aufsichtsratsmitglied am Dienstagabend auf der Sitzung der Stadtvertretung vorstellte. Das Fazit des Kontrollgremiums: „Die Wokra muss den Gürtel enger schnallen.“ Und sie müsse auch „leise treten“ und sei nicht in der Lage, neue Objekte anzuschieben. Die Verantwortlichen würden sich daher jetzt der Leistungsfähigkeit und der Kostenstruktur im Unternehmen widmen, so Kleinpeter. Und es gehe nicht „um Politik und nicht um Rot, Grün oder Schwarz“, betonte er mit Nachdruck. Karl-Heinz Kleinpeter stellte bei der Einschätzung des Aufsichtsrates die Einnahmen und Ausgaben der Wokra im Monatsdurchschnitt gegenüber. Demnach hat das kommunale Unternehmen durch Mieten (109 000 Euro), die Verwaltung von Wohnungen Dritter sowie die Pflege von städtischen Grünanlagen und Winterdienst und Straßenreinigung feste Einnahmen von 123 700 Euro. Demgegenüber würden, so Kleinpeter weiter, 110 000 Euro an Ausgaben stehen, darunter 45 000 Euro für Kredite und 36 500 Euro für Personal. Nach dieser Rechnung bleibt ein monatlicher Überschuss von 13 700 Euro. Die Summe werde jedoch, erklärte Kleinpeter, durch ein monatliches Minus von 3500 Euro durch die Tourismus GmbH geschmälert. Durch dieses 40 000-Euro-Minus im Jahr sei es im übrigen, führte Kleinpeter aus, für das Unternehmen „ganz eng“ geworden. „Da musste die Wokra einspringen“, betonte er. Auf den Überschuss sei die Wokra angewiesen, erklärte Kleinpeter, weil sonst selbst die notwendigsten Dinge mit Krediten abgedeckt werden müssten. Kleinpeter informierte weiter, dass die Wokra in ihrer finanziellen Lage nie hätte den Kredit von 780 000 Euro für die Ernst-Thälmann-Straße 17 hätte aufnehmen dürfen.

Zur Erinnerung: Durch diesen Kredit an Aufsichtsrat und Stadtvertretung vorbei war die Wokra in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Das führte zur Abberufung des Geschäftsführers Jens Wiese und setzte die so genannte Wokra-Affäre in Gang, in der Bürgermeister Wolfgang Geistert fehlende Informations- und Kontrollpflicht sowie als Planer Vorteilsnahme im Amt vorgeworfen wird. Dazu ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Geistert nahm den Bericht des Aufsichtsrates als „Zwischenstand“ entgegen. Im Detail äußerte er sich nur einmal. Als Karl-Heinz Kleinpeter den Buchwert der Firma in Höhe von zehn Millionen Euro und die Kreditbelastung von 6,1 Millionen benannte, kommentierte er: „Das sind ja ganz neue Zahlen.“


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