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Großbrand Charlottenthal : Krakower Tourismusverein will zerstörtes Schloss retten

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Wiederaufbau des Charlottenthaler Schlosses soll geprüft werden. Verein startet Spendenaufruf im Internet

von
erstellt am 21.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Der Krakower Seenland Tourismusverein geht in die Offensive und will das Schloss Charlottenthal retten. Auf der Internetseite des Vereins wurde jetzt ein Spendenaufruf dazu gestartet. „Neben einer Spendenaktion für die betroffene Familie Wolgien rufen wir auch zu Spenden auf, das Schloss wieder aufzubauen bzw. zumindest prüfen zu können, wie viel ein Wiederaufbau kosten würde“, sagt der Vorsitzende des Tourismusvereins, Christoph Hübener. Das Schloss Charlottenthal war in der Nacht zum 11. April durch einen Großbrand nahezu vollständig zerstört worden. Es stehen nur noch die Außenmauern. Die Schlossinhaber, das Ehepaar Eneida und Günther Wolgien, die hier ein brasilianisches Restaurant betrieben, haben bei dem Brand alles verloren.

„Wir wollen nicht traumtänzerisch an den Wiederaufbau glauben, sondern gewissenhaft prüfen, ob ein Wiederaufbau überhaupt möglich ist“, unterstreicht Hübener. Dafür müssten Fakten geschaffen und die technische Machbarkeit untersucht werden. Und das gehe nur mit einem Gutachten als erstem Schritt. Durch den Spendenaufruf hofft er, das Geld für dieses Gutachten zusammenzubekommen. Das Schloss Charlottenthal sei ein wichtiges Kulturgut in der Krakower Region. Es ist zudem dasWahrzeichen des Dorfes Charlottenthal. Mit seinem Verlust gehe auch ein Stück Identität der Menschen verloren, ist Hübener überzeugt.

 

Das Schloss wurde 1843 als neoklassizistisches Gutshaus im Stile der Tudorgotik errichtet. Diese Stilperiode ist für die Architekturentwicklung in Mecklenburg besonders wichtig. Alle Stilformen dieser Zeit – besonders an Rathäusern und Gutsbauten – sind heute ein Stück Mecklenburger Identität. Der Baumeister Theodor Krüger (1818 bis 1885) war noch ein junger Mann, als er das Charlottenthaler Herrenhaus als eines der ersten in Mecklenburg im tudorgotischen Stil entwarf. Später konzentrierte er seine Kräfte vor allem auf die Kirchen Mecklenburgs. So restaurierte er die Marienkirche in Röbel und baute die Schweriner Paulskirche. Über 80 Gotteshäuser tragen seine Handschrift.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beherbergte das Schloss zunächst Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten, die zu Tausenden nach Mecklenburg strömten und auf die Städte und Dörfer verteilt wurden. Bis Dezember 1947 hatte sich die Bevölkerung dadurch verdoppelt. Die meisten dieser Menschen siedelten sich hier für immer an. Hierbei enteignete man alle Großgrundbesitzer, deren Güter eine Fläche von 100 Hektar überstieg, mit allem Inventar und ohne Entschädigung und teilte ihr Vermögen auf.

Nach der Wende erhielt die Gemeinde Charlottenthal das Schloss. Viele Jahre stand das Haus leer, bis endlich das in Brasilien geborene Ehepaar Wolgien Ende 1998 es von der Gemeinde erworben hat. Im September 2005 wurde die Gaststätte im Foyer eröffnet und seitdem ständig erweitert. Jetzt ist alles zerstört.  

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