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Gerichtsbericht : Krakower Kunstfan verliert Bußgeldstreit

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Gericht befindet: Krakower Bernd Gerlich begann Galerie-Café-Pläne ohne erforderliche Baugenehmigung

von
erstellt am 15.Jan.2015 | 06:00 Uhr

Bernd Gerlich wird den gestrigen Tag so schnell nicht vergessen. Sicher war der Krakower sich, dass vor Gericht seine Argumente gegen einen Bußgeldbescheid des Landkreises Bestand haben würden. So kam es nicht.

Erinnerung: Der Kunstliebhaber wollte den einstigen Frisörladen neben der ehemaligen Synagoge zu einer Galerie umfunktionieren. Vor sieben Jahren erwarb er das Haus und nutzte es zeitweise als Lager für sein Verkaufsgewerbe. Als er die Galerie einrichten will, fragt er bei der Amtsverwaltung nach, wie eine Außenwerbung dafür aussehen dürfe. Damit kommt der Stein ins Rollen. Denn das Amt wiederum suchte Rat beim Landkreis, der wird argwöhnisch und fragt nach der Baugenehmigung. Eine solche aber benötige er nicht, meint Gerlich, sich auf Paragrafen berufend. Lediglich eine kleine Ausstellung wolle er einrichten, einen Treff für Künstler, für Krakower und Touristen, bei dem geplauscht und eine Tasse Kaffee gereicht werden könne.

Als er eine Mauer durchbricht, um Zugang zu einer kleinen geplanten „Caféstube“ zu schaffen und eine Sitzfläche im Freien zur Synagoge hin, verfügt der Landkreis am 13. Juli 2013 Baustopp. Gerlich fügt sich und stellt nun doch einen Bauantrag. Jetzt aber einen für ein größeres Vorhaben: Statt bisher 60 Quadratmeter sollen es 165 werden, von einem Café ist jetzt die Rede, von einer Künstlerwohnung, einer Schaukunstwerkstatt. Der Landkreis genehmigt das. Und schickt Gerlich einen Bußgeldbescheid ins Haus. 800 Euro soll der Kunstfan zahlen, weil er mit den Arbeiten für sein Vorhaben schon begonnen habe, bevor er den Antrag stellte.

Dass Gerlich zuerst kleinere Brötchen backen habe wollen, spielt für den Landkreis vor dem Amtsgericht keine Rolle. Sie beurteile den Fall rein aus Aktenlage, macht Gabriele Freitag von der Bauaufsicht deutlich, und da liege nun mal nur der Antrag für das große Vorhaben vor. Der Landkreis gehe davon aus, dass Gerlich dieses von vornherein so geplant habe.

Das streitet der vehement ab. Doch der Meinungsumschwung wird ihm zum Verhängnis. Und seine eigenen Veröffentlichungen. Denn Freitag kann dem Richter einen Ausdruck des Internet-auftritts www.kunstwerkschau.de präsentieren, mit dem Gerlich bereits vor dem Baustopp mit Gästewohnungen warb. Auch gibt es ein Foto mit einladenden Stühlen im Außenbereich, die Gerlich nur zur Anschauung herausgestellt haben will.

Dies wird für Richter Dr. Helge Hauptmann zum „stärksten Beweismittel“ – gegen Bernd Gerlichs Beteuerung, dass er anfangs gar nichts Größeres geplant habe. So könnte es sogar teurer werden, als die angedrohten 800 Euro. Denn mit diesem Betrag habe der Landkreis die Buße sogar schon halbiert, erklärt Gabriele Freitag, weil das Vorhaben grundsätzlich genehmigungsfähig war, nur eben der Antrag fehlte. Da der Landkreis aber von einem Vorsatz ausgehe, könne man dem Deliquenten nicht noch näher kommen.

Er habe nur beim Werben etwas dicker aufgetragen, versucht Bernd Gerlich sich herauszuwinden. Es sei doch üblich, sich im Internet etwas „aufzuplustern“. Das Bußgeld wolle er deshalb nicht anerkennen. Doch unmissverständlich macht der Richter klar: Eine Einstellung des Verfahrens werde es nicht geben. „Es geht einfach nicht ohne die erforderlichen Genehmigungen“, diktiert Hauptmann für Gerlichs Stammbuch. Bestenfalls auf eine Vereinbarung wolle er sich einlassen, um die Sache endlich aus der Welt zu schaffen.

Bernd Gerlich selbst bringt da einen Gedanken ins Spiel: Wenn er das dafür das vom Richter geforderte „Geständnis“ – wenngleich widerwillig – nur für das vermeintliche Café anerkenne, dann ginge es nur noch um 18 Quadratmeter… Bei einem Satz von 10 Euro und dem unterstellten Vorsatz berechnete Richter Hauptmann dafür 300 Euro. Auch Gabriele Freitag knirschte da fast hörbar mit den Zähnen, soll es nun um die große Galerie doch gar nicht mehr gehen. Doch Deal ist schließlich Deal.

Gerlich hat nun also (vor genau einem Jahr) die Baugenehmigung juristisch völlig regulär bekommen. Er könnte jetzt also loslegen mit dem großen Projekt. „Ich habe doch gar nicht die dafür erforderlichen 50  000 Euro“, sagt Bernd Gerlich fast schon resignierend. Dabei habe er doch nur der Stadt Krakow am See einen guten Dienst leisten wollen. Eines wisse er aber jetzt: Seine Auftritte im Internet werde er sich künftig sehr genau überlegen.  

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