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Jahresempfang in Krakow am See : Krakow würdigt Flüchtlingshelfer

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Jahresempfang zum Gründungstag der Stadt gestern Abend im Zeichen des wichtigsten Ereignisses 2015.

von
erstellt am 23.Mai.2016 | 22:00 Uhr

„Lasst uns gemeinsam Brücken bauen, statt Vorurteile und Ängste zu schüren!“ Mit diesen Worten riefen die Krakower Stadtvertreter am 24. Februar 2015 ihre Mitbürger dazu auf, Menschen, die um ein Asyl im Luftkurort bitten, herzlich und unvoreingenommen zu empfangen. Das war – wohlgemerkt – noch ein ganzes Stück vor dem großen Ansturm aus den Krisengebieten dieser Welt auf Europa. Doch als die anders aussehenden, anders gekleideten und vielfach auch anders denkenden und handelnden Menschen aus dem näheren und ferneren Osten und Süden kamen, waren die Krakower vorbereitet. Für zahlreiche ehrenamtliche und professionelle Helfer gab die Stadt gestern Abend einen Empfang.

Genau 1  091  894 Menschen wurden 2015 registriert, die in Deutschland um Asyl baten – von 60 Millionen Menschen weltweit, die auf der Flucht sind. Nach Mecklenburg-Vorpommern kamen 23  080, was ziemlich genau 2,03 Prozent der Deutschlandquote, und 0,04 Prozent der weltweiten Zahlen entspricht. Mehr als ein Drittel der in Deutschland Zuflucht Suchenden sind Syrer. Anika Käding vom Malteser-Hilfsdienst Bad Doberan, das sich um Flüchtlinge in der Region kümmert, hatte diese Zahlen zum gestrigen Abend taufrisch recherchiert. „Diese Menschen sind oft in großer Not und mit hohem Risiko auf der Flucht“, erinnerte Bürgermeister Wolfgang Geistert (SPD). Im zerstrittenen Europa zeige sich Deutschland hilfsbereit, und „dies versuchen wir auch in unserem kleinen Krakow am See“. Das Motto der Stadtvertreter gelte daher nach wie vor, „wir wollen es weiter mit Leben erfüllen“, bekräftigte Geistert.

Dank des großen Netzwerkes, das in und um Krakow am See aufgebaut worden sei, war man vorbereitet, als dann am 20. August 2015 „endlich“ die ersten Familien im Luftkurort eintrafen. Zweimal wöchentlich, berichtete Anika Käding, treffen sich Flüchtlinge in der ehemaligen Synagoge und im Charlottenthaler Speicher zum Deutschuntericht. Die Teilnehmerzahl sei dabei „manchmal auch enttäuschend“, doch jene, die regelmäßig da sind, sprächen bereits so gut deutsch, dass sie keine Übersetzungshilfe mehr benötigten. Dennoch sei Unterstützung in allen Lebenslagen natürlich weiter wichtig. Und sei es bei Abschiebung oder freiwilliger Rückreise, wie bei sieben jungen Männern (die u.a. beim Bau des Seniorenweges tatkräftig zugepackt hatten) und zwei Familien aus Albanien geschehen.

So war es wohl eine logische Folge, den diesjährigen Bürgerempfang des Luftkurortes dem Thema Flüchtlinge zu widmen. Stadtvertreterin Lucia Dirks (CDU) habe dazu den Anstoß gegeben, erläuterte Geistert. 718 Jahre nach der „Gründungsurkunde“ für Krakow (deren Jährung ist traditionell Anlass für einen Empfang) wurden 63 Krakower Bürger, Stadtvertreter, ehrenamtliche Helfer in die Synagoge eingeladen – und Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Tschetschenien. Aktuell sind es 72, die in der Stadt und dem Ortsteil Charlottenthal Unterschlupf gefunden haben, sagte Anika Käding, die jetzt aus erfreulichem, privatem Grund die Betreuung an Christian Grosche übergeben hat.

Mit bewegenden Worten wandten sich zwei ihrer Schützlinge an die Gastgeber und Gäste. Abdullah Mahfoud aus dem zerbombten syrischen Homs berichtete von seiner Irrfahrt durch mehrere Länder, die letztlich im Schlauchboot über das Mittelmeer mit 60 Menschen an Bord ein gutes Ende gefunden hatte: „Ich bin vor Terrorismus und Gefangenschaft geflohen und lebe jetzt in einem sehr schönen Dorf, in Charlottenthal. Viele von uns möchten in die Heimat zurück, aber das geht jetzt nicht. Herzlichen Dank für Euer Interesse für uns und für die Hilfe!“ Zufällig den gleichen Malerberuf gelernt und Muslim wie Abdullah ist Talab* aus Afghanistan. Seinen richtigen Namen möchte er aus Furcht um in der Heimat zurück gebliebene Freunde nicht nennen. 15 Jahre, berichtete Talab, habe er mit seiner Familie im Iran gelebt. Weil dort die drei Kinder aber nicht zur Schule gehen dürften, hatte sich die Familie über die Balkanroute nach Deutschland aufgemacht. „Ob Christ oder Muslim ist doch egal – das Herz ist wichtig“, sagt der Afghane, der seit zehn Wochen in Deutschland lebt.

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