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Krakows Zukunft : „Krakow hat besonderen Trumpf“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Mit Pfund Luftkurort mehr wuchern – gemeinsames Handeln von Wirtschaft, Politik und Verwaltung für mehr Leben in der Stadt gefragt.

von
erstellt am 23.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Als „etwas langweilig“ stelle sich Krakow am See in den Augen so mancher Urlauber dar, gab Bürgermeister Wolfgang Geistert Gehörtes wieder. Er selbst verwies auf eine „schleichende Entleerung und somit Entwertung“ der Innenstadt. Wie das zu ändern sei, da wolle die Stadtpolitik gerne Anregungen erfahren, seien Ideen der Krakower gefragt. Erfahrungen von Fachleuten könnten da auch nicht schaden. Und so lud der Bürgermeister zu einer großen Diskussionsrunde ein. Immerhin rund 80 Krakower interessierten sich, manche von ihnen brachten sich in die Diskussion ein.

Natürlich, Patentrezepte waren nicht gleich zu bekommen. Doch bei allen Unterschieden mit Krakow am See, so gebe es doch auch Analogien zu dem doppelt so großen Dannenberg. Dort habe die 2002 abgeschlossene Stadtsanierung – in Krakow gerade erst geschehen – eine „Leerungswelle“ nicht verhindern können. Also gab Ursula Fallapp, Marketingverantwortliche in der Elbestadt, zahlreiche Denkanstöße aus ihren Erfahrungen, wie Dannenberg das bewältigt. Ihre wichtigste Botschaft: Das Wir-Gefühl in der Stadt stärken. Und: Netzwerke bilden und nutzen, um die Probleme anzupacken. Beispielsweise hätten sich Immobilieneigentümer darauf verständigt, von sich ansiedelnden Händlern im ersten Jahr nur einen Euro Miete pro Quadratmeter zu nehmen. Wo sich partout keine Nachfolge finden ließ, wurden Einheiten zu größeren zusammengelegt. Oder, wo auch das nicht ging, „konsequenter Umbau zu Wohnzwecken“. Ganz wichtiger Bestandteil der Innenstadtinitiative Dannenbergs war dessen Erfindung als „Manufakturstadt“ – also das Suchen nach einem originellen Plan, der natürlich auch mit Realität untersetzt und beworben wird. Im Fall Dannenberg: kleine schöne Geschäfte, in denen man das Besondere findet, wie Ursula Fallapp beschreibt. Heute wären von den einst 23 verlassenen Geschäften in Dannenbergs Innenstadt 22 wieder belebt, zum Teil mit verändertem, auf Urlauber orientiertem Profil.


Marktkonzerte und mehr Chic für Seepromenade


Wohl den meisten Einzelhändlern aus dem Herzen sprachen Hannes Kremp und Sandra Schütz, die permanentes Dauerparken in der Innenstadt beklagten. Die Einhaltung der Parkordnung müsse unbedingt kontrolliert werden, fordert Schütz von der Verwaltung – aus der Bürgermeister Geistert freilich niemanden in der Runde ausmachen konnte. Dass sie auch anregte, Kurkonzerte auf dem Markt abzuhalten, um so die Besucher in die Lokalitäten zu locken, ergänzte Geistert ebenso kreativ: „Dann müssen Sie die Geschäfte aber auch öffnen.“

Erich Blumenthal wiederum möchte die Seepromenade attraktiver gestaltet wissen. „Vor allem am Hüdenhus muss endlich was passieren!“

In die gleiche Kerbe schlug Bernd Gerlich, der übrigens den Anstoß zu der Veranstaltung gegeben hatte. „Dass die Gaststätte dort nicht öffnet, ist eine Schande.“ Zugleich plädierte Gerlich dafür, sich auch wieder mehr auf das Willkommen für junge Familien zu besinnen – mit großen, bezahlbaren Wohnungen. Und der Mann, der aus dem Westen zugezogen ist, erinnert an einen Aspekt aus DDR-Zeiten, als jedes Jahr 12  000 Menschen in einer ganz bestimmten Einrichtung in Krakow am See gastierten: „Vielleicht sollten wir uns wieder um eine Jugendherberge bemühen.“

Zusammenarbeit mit dem Van-der-Valk-Resort in Linstow und mit der Hansestadt Rostock möchte Sebastian Jänisch anregen: „Sein Geld gibt man doch im Urlaub aus, wir müssen die nach Krakow, mit unserer Natur und Ruhe locken.“ Hans-Joachim Günther hakte da ein: „Die Urlauber kommen doch nicht zu uns, um im Supermarkt einzukaufen. Die wollen doch was erleben, Wasserski zum Beispiel, Kultur…“ Und Günther, der sich im Mountainbikeverein unter anderem für eine Wiederbelebung des Kinos engagiert, legt nach: „Der Fischzug ist leider eingeschlafen, und die Kulturbühne könnte auch mehr Attraktivität gebrauchen.“ Sich als Bürger für Bürger einzusetzen ist ein Credo, das Lothar Fetzer gerne als Alltag erleben möchte. Das nahm Prof. Dr. Reinhard Kastl, der die Veranstaltung moderierte, als Ansatz auf: „Fast jeder zweite Krakower ist zum Beispiel in einem Verein aktiv, da ist doch Substanz.“

Einen wichtigen Unterschied zu ihrem Dannenberg wollte Ursula Fallapp den Krakowern unbedingt verdeutlichen: „Sie haben einen ganz besonderen Trumpf – Sie sind Luftkurort.“ Und wollte wohl gedanklich anfügen: „Machen Sie was draus.“

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