moderne Hexe mit IHK-Prüfung : Kräuter-Einmaleins als Kind gelernt

Hexe Edelgard Gruhne mit ihrem Hexerich Dieter
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Hexe Edelgard Gruhne mit ihrem Hexerich Dieter

Immer, wenn im Archäologischen Freilichtmuseum in Groß Raden Aktionstag angesagt ist, können sich die Besucher zumeist auch auf einen Hexen-Sabbat gefasst machen.

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28. Dezember 2013, 08:00 Uhr

Immer, wenn im Archäologischen Freilichtmuseum in Groß Raden Aktionstag angesagt ist, können sich die Besucher zumeist auch auf einen Hexen-Sabbat gefasst machen. Denn da treibt Hexe Edelgard Gruhne ihr Unwesen, rührt fleißig in einem großen Kessel ihre Tinkturen zusammen und tanzt nach Hexenmanier auf ihrem Besen um ein offenes Feuer. Wobei sie verschiedene Beschwörungsformeln murmelt. Angelehnt an Goethes „Zauberlehrling“, der es seinem Meister nachtun wollte. „Hat der alte Hexenmeister sich doch einmal wegbegeben … “

Hexe Edelgard kommt nie alleine zu ihren Hexen-Sabbats. In ihrem Schlepptau hat sie immer Hexerich Dieter. Und natürlich ihre besten Freunde: die Fledermäuse, die hier in Groß Raden zuhauf leben. Mit diesem Gepäck geistert sie durchs Museum. Ihr Hexenhaus besteht nicht etwa aus Pfefferkuchen, sondern ist ein hölzernes Blockhaus, bevölkert von Spinnen, die ihre Netze weben, und von Fledermäusen. Hier in ihrem Häuschen bietet sie gar wundersame Tinkturen an, wie zum Beispiel „Flugsprit“, eine Mischung aus Ingwer, Orange, Nelken und Piment, oder „Waldi“, ein Hexengesöff mit Waldmeister, und „Zielwasser“, eine Tinktur aus Kümmel und Korn.

Aber auch diverse Tees, Öle zum Baden, Einreibungen und Tinkturen für innerliche und äußerliche Anwendungen stellt sie nach dem Kräutersammeln, Trocknen, Mörsern und Einlegen her. Gemeinsam mit Hexenmann Dieter produziert sie als „werktätige Hexe“ auch Kräuterkissen, Salben, Weine, Gelees, Essig und Liköre. Oftmals führt sie ihre Besucher auch durch ihr Reich und erklärt ihnen so manches Kräutlein wie Salbei, Minze, Thymian, Majoran, Giersch, Brennnesseln, Schafgarbe, Schachtelhalm u. a. Denn: Edelgard ist eine ganz moderne Hexe, die sich sogar am Großrechner auskennt. Ihr erster Beruf ist nämlich Operator am Großrechner, ihr zweiter Beruf, wie gesagt, Hexe. Dazu hat sie einen Sachkunde-Nachweis für freiverkäufliche Arzneimittel („Der kleine Apotheker“) erbracht. Erworben an der Industrie- und Handelskammer mit richtigem Abschluss. Seitdem nennt sie sich „Staatlich anerkannte Kräuterhexe“. Im Jahre 2005 meldete sie ihren „Hexenberuf“ als Gewerbe an.

Wie wird man nun eigentlich Hexe? Edelgard Gruhne erzählt: „Ich bin bei meiner Oma in Laage aufgewachsen, begleitete sie immer beim Kräutersammeln, lernte dadurch auch so manches Kräutlein kennen. Und so wurde das ,Kräuter-Einmaleins’ schnell zu meinem Hobby.“ Und sie eignete sich so nach und nach immer mehr Wissen an. „Mein Wissen wollte ich gerne weitergeben und verkaufen“, erinnert sie sich. Sie hielt Vorträge, fuhr dazu in Reha-Kliniken, machte Bekanntschaft mit dem dfb in Sternberg und kam schließlich auch ins Archäologischen Freilichtmuseum Groß Raden. Dort ist sie seit 2006 Haus- und Hof-Hexe. Inzwischen sind dort daraus mindestens zehn „Auftritte“ im Jahr geworden. Die Hexe erinnert sich: „Als ich das erste Mal bewusst durch das Museumstor schritt, merkte ich, dass das hier eine ganz andere Welt ist. Hier fallen alle Sorgen und Nöte von einem ab. Die Ruhe, die Stille – das ist Entspannung pur.“

Der Ehemann sieht sein Dasein neben einer Hexe als „offenen Vollzug“. Man sei stets in der Natur und gut beschäftigt und gehe sich nicht gegenseitig auf den Geist. „Verglichen mit dem Berufsleben, ist es eigentlich eine Verbesserung“, so der Schiffbau-Ingenieur im Ruhestand. Und er sei inzwischen schon selbst zu einem Hexer geworden. Im Museum in Groß Raden ist man von Gruhnes ganz begeistert. „Die Beiden sind auf jeden Fall eine Bereicherung für uns“, betont Museumspädagogin Carina Sabban.


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