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Hoher Krankenstand in Güstrows Verwaltung : Krach um Krankenscheine

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"Es kann nicht sein, dass das Bürgerbüro wegen Krankheit geschlossen bleibt - was es schon gab." Thomas Duve spitzte gleich zu Beginn der Debatte der Stadtvertretung zu. Doch Einigkeit herrscht da keineswegs.

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erstellt am 07.Apr.2013 | 08:15 Uhr

güstrow | "Es kann nicht sein, dass das Bürgerbüro wegen Krankheit geschlossen bleibt - was es schon gab." Thomas Duve (fraktionslos) spitzte gleich zu Beginn der Debatte der Stadtvertretung zu. Doch Einigkeit herrscht da keineswegs. Nur mit einer Kampfabstimmung brachte die CDU-Fraktion in der Stadtvertretung ihren Prüfauftrag für den Bürgermeister mit dieser zentralen Fragestellung durch: Welche Ursachen hat der überdurchschnittlich hohe Krankenstand in der Stadtverwaltung? Maßnahmen sollten folgen. Zuvor gab es teils böse Worte, sogar Kampf mit Tränen.

Mit 29 Tagen auf jeden Mitarbeiter gibt es etwa doppelt so viele Krankentage im Güstrower Rathaus und seinen angeschlossenen Einrichtungen wie im Bundesdurchschnitt. Selbst wenn man die 19, teils vom Schicksal gebeutelten langzeitkranken Kollegen, die den Schnitt natürlich erheblich beeinträchtigen, herausrechnet, bleiben Güstrower Verwalter immer noch rund vier Tage öfter krank und kommen erst ans Mittel vergleichbarer Städte in Mecklenburg-Vorpommern ran (SVZ berichtete).

In seinem Antrag auf Prüfung der Ursachen und Einleitung von Maßnahmen zur drastischen Senkung des Krankenstandes ließ es Torsten Renz (CDU) an drastischen Worten nicht fehlen. Als Beispiele der Prüfung nannte er die Schwerpunkte nach Wochentagen, also ob etwa montags mehr Krankschreibungen als mittwochs zu verzeichnen seien. Als Renz dann auch noch darüber sinnierte, welcher private Betrieb sich solche Krankenstände erlauben könne, war das Maß für Andreas Brunotte voll. Der 1. Stadtrat verwahrte sich gegen "verletzende Unterstellungen", die bei den Worten seines Parteifreundes "durchklingen" würden. Brunotte: "Ich bin mir sicher, dass jeder Mitarbeiter sein Möglichstes gibt." Der Bürgermeister-Stellvertreter (Arne Schuldt musste wegen des plötzlichen Todes seines Vaters der Versammlung fern bleiben) gab zu bedenken, dass Güstrow pro Einwohner mit "die niedrigste Mitarbeiterzahl" habe. Dies nötige Respekt ab und fördere zugleich, so Brunotte, den Verschleiß.

Empört über Renz’ Worte verwies Karen Larisch (Die Linke) auf Möglichkeiten der Stadtvertretung, selbst Einfluss auf bessere Vereinbarung von Beruf und Familie der Verwaltungsmitarbeiter nehmen zu können. Durch zeitigeren Beginn der Sitzungen etwa, zu denen die Verwaltungsleute regelmäßig gefordert seien und was, so behauptet Larisch, Überstunden verursache.

"Junges, frisches Blut in die Verwaltung" möchte Sascha Zimmermann geholt sehen, um hohen Krankenständen gegenzusteuern. Für den FDP-Mann sei vielmehr der Stellenplan zu diskutieren. Zielstellung müsse es jedenfalls sein, sekundiert Wolfgang Rosenow seinem Fraktionskollegen, etwas für die Mitarbeiter zu tun. Als Beispiel könnte sich Rosenow ein Gesundheitsmanagement für das Rathaus vorstellen.

Sich auf den Kern des Antrages zu besinnen, die Ursachenforschung, forderten Hartmut Reimann (SPD) und Wilfried Minich (CDU) unisono.

Mit elf Befürwortern fiel die Sympathie für den Renz-Antrag dennoch dürftig aus. Bei sechs Enthaltungen stimmten Die Linke, FDP und Klaus Biener (B90/Grüne) zu neunt dagegen.

Bis Ende Mai hat nun der Bürgermeister tüchtig zu analysieren; die Zeit ist sehr knapp. Doch damit trage man einer Forderung des Landesrechnungshofes Rechnung, so Renz. Zur Beruhigung der Gemüter möchte der, "bevor auf externe Analyse zurückgegriffen wird", auf den "Sachverstand der Verwaltung" setzen. Dies stand allerdings auch schon in der Antragsbegründung.

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