Kooperation : Koordinierte Hilfe für Jugendliche vereinbart

Landkreis, Arbeitsamt und Jobcenter wollen gemeinsam jungen Menschen Übergang ins Berufsleben erleichtern

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15. Juli 2014, 06:00 Uhr

Auf rund ein Drittel hat sich die Zahl der Schulabgänger in den vergangenen sechs Jahren reduziert. Folge für die Wirtschaft: Nicht jede Ausbildungsstelle, vor einem Jahrzehnt noch heiß begehrt, kann mehr besetzt werden. Besonders schwer wiegt ein „negativ überraschendes“ Phänomen, wie es Christoph Möller, Chef der Arbeitsagentur Rostock, charakterisiert: „Die Zahl der Jugendlichen, die sich schwer tun einen Ausbildungsplatz zu finden, nimmt nicht im gleichen Maße ab, im Gegenteil.“ Matthias Bonack vom Jobcenter Güstrow sieht die Zahl Jugendlicher unter 25 Jahren, die mit Hilfen nach dem Sozialgesetzbuch II leben, nur halbiert. Besondere Sorge mache, dass über 70 Prozent dieser jungen Menschen im Landkreis ohne Berufsabschluss sind, fast die Hälfte gar ohne Schulabschluss. Bonacks Schlussfolgerung: „Wir müssen alle Hilfen für diese Menschen abstimmen, um sie in Arbeit zu integrieren und ihnen so die Möglichkeit zu geordneter Lebensplanbarkeit zu geben.“

Deshalb wird seit anderthalb Jahren unter der Federführung des Jugendamtes des Landkreises mit den Jobcentern Güstrow und Bad Doberan und der Agentur für Arbeit Rostock ein „Arbeitsbündnis Jugend und Beruf“ vorbereitet. Jetzt haben die Beteiligten dazu eine verbindliche Kooperation vereinbart. „Es sind uns zu viele Leute durchs Sieb gefallen, wo wir nicht den geeigneten Ansatzpunkt gefunden haben“, begründet Sozialdezernent Rainer Boldt den Schritt. Viele der Problemfälle – aktuell rund 500 im Landkreis – seien seit Jahren nämlich in Jugend- und Sozialamt bekannt, oft schon seit dem Kindergartenalter. Mit der beschlossenen Kooperation sollen die Hilfen aus unterschiedlichen Rechtskreisen, also nach den verschiedenen Sozialgesetzbüchern, für die Jugendlichen enger und überschaubarer gestaltet werden. Landrat Sebastian Constien verspricht sich davon einen Abbau bürokratischer Hürden. „Jugendliche werden so gezielt bei dem schwierigen Übergang von der Schule in den Beruf betreut und gefördert. Damit wiederum wird die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landkreises gestärkt“, meint der Landrat.

Inhalt der Vereinbarung zwischen Landkreis, Arbeitsamt und Jobcentern sind die Festschreibung gemeinsamer Ziele, die Klärung von Verantwortlichkeiten und fest zugewiesene Aufgaben für die jeweiligen Bereiche. Für die Jugendlichen soll eine Angebotsstruktur geschaffen werden, bei der sie mit ihrem individuellen Hilfebedarf und persönlichen Umfeld im Mittelpunkt stehen. Die „Kategorisierung“ der Jugendlichen in verschiedene Zuständigkeiten soll zweitrangig werden.

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