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Güstrower Anzeiger

18. November 2017 | 02:20 Uhr

Uwe Johnson : Kommt Johnson bei uns zu kurz?

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Uwe-Johnson-Fotograf Heinz Lehmbäcker wünschte sich in Güstrow mehr Aufmerksamkeit für den „Dichter beider Deutschland“

Seit 20 Jahren führt die Mecklenburgische Literaturgesellschaft im Herbst die Uwe-Johnson-Tage durch. Auch die Güstrower Stadtbibliothek, die den Namen des „Dichters beider Deutschland“ ehrenhalber trägt, beteiligt sich daran (SVZ berichtete). Der Publikumszuspruch bleibt indes überschaubar, wie Bibliotheksleiter Tilman Wesolowski nach Abschluss der diesjährigen Uwe-Johnson-Tage auch resümierte. Es scheint, dass Johnson außerhalb von Kennerkreisen oder Schulklassen die sich gerade mit dem Thema befassen, immer noch wenig im Bewusstsein der Güstrower verankert ist.

Diesen Eindruck trägt auch Heinz Lehmbäcker mit sich. Geboren 1933 in Güstrow und aufgewachsen in Krakow am See, besuchte der ehemalige Mitschüler von Uwe Johnson (1934-1984) jetzt kurz seine Heimatstadt. Und Lehmbäcker stellt fest: „Ich meine, dass Uwe Johnson in der Wahrnehmung der Güstrower zu kurz kommt. Irgendwie steht er hinter Barlach und Kersting, die immer in aller Munde sind, zurück.“


Private Fotos mit später Bedeutung


Solchem Eindruck entgegenzuwirken, hat Lehmbäcker selbst sein Scherflein beigetragen. Bevor der Klassenkamerad von Johnson 1953 nach Berlin ging, Geografie studierte und später als Redakteur beim DDR-Fernsehen arbeitete, hatte er von 1948 an vier Jahre die John-Brinckman-Schule besucht und das Abitur gemacht. Hier, im Klassenzimmer hoch über dem Domplatz, habe er sich mit Johnson angefreundet, erzählt Lehmbäcker. Weil er Ambitionen fürs Fotografieren entwickelte, entstanden so auch Bilder mit Uwe Johnson, bevor der 1959 in den Westen ging. Bilder zunächst für den ganz privaten Gebrauch, die später freilich eine ganz andere Bedeutung bekamen. Wer kennt es etwa nicht, das berühmte Foto mit dem Pfeife rauchenden Johnson, schräg von der Seite abgelichtet? Bei den meisten Schwarz-weiß-Bildern aus den 1950er-Jahren mit dem Dichter sollte es sich im Zweifel um Lehmbäcker-Motive handeln. Später hatte sich Lehmbäcker auf die Spuren seines ehemaligen Klassenfreundes gemacht und an verschiedenen Orten in der Welt fotografische Bezüge zu Johnson hergestellt. Diesen Nachlass, etwa 120 Fotos, gerahmt und mit Passepartout versehen, übereignete er voriges Jahr der Stadt Güstrow.


Vorschlag: Inselseelauf Johnsons Namen geben


Doch anders als in Klütz etwa, einer „Ecke, die fiktiv ist, wo Johnson nie auftauchte“, vermisst Heinz Lehmbäcker in Güstrow ein größeres Echo auf immerhin einen der bekanntesten Söhne der Stadt und sein Werk. „In Klütz wird viel gemacht. Dagegen habe ich auch in Neubrandenburg eher das Gefühl, dass das dort im Abklingen ist“, sagt Lehmbäcker zur alljährlichen Verleihung des hoch dotierten Uwe-Johnson-Preises in der Vier-torestadt.

Das müsse ausgerechnet in Güstrow aber doch nicht sein. „Zum Beispiel könnte man ja den alljährlichen Inselseelauf ohne Weiteres den Beinamen Uwe Johnson geben“, hat Heinz Lehmbäcker selbst einen Vorschlag parat. Der Inselsee, an dessen Ufern der spätere Dichter so oft langmarschierte, und den er, ohne ihn direkt zu benennen, in Ingrid Babendererdes Reifeprüfung so schön beschrieben hat. Eine Idee, meint Lehmbäcker, und vielleicht gibt es ja noch andere zur Würdigung Johnsons.


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