25 Jahre Arbeiterwohlfahrt : Kösters jetzt bei der Awo zu Hause

Christel und Erwin Köster werden von Michaela Bannier (Mitte) in ihrer Wohnung betreut.
Christel und Erwin Köster werden von Michaela Bannier (Mitte) in ihrer Wohnung betreut.

Wohlfahrtsverband besteht seit 25 Jahren in der Region Güstrow . Heute gibt es eine große Feier als Dankeschön im Bürgerhaus.

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26. November 2015, 12:24 Uhr

Christel (88) und Erwin Köster (87) leben seit zwei Jahren in einer betreuten Wohnung im Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Magdalenenluster Weg 7 in Güstrow. „Wir fühlen uns hier sehr wohl, sind jetzt bei der Awo zu Hause“, sagt Erwin Köster. Das hört Michaela Bannier gern. Sie ist die Leiterin der Awo-Sozialstation. Die Familie Köster gehört zu den 80 Kunden, die von ihr und ihren Kolleginnen in Güstrow ambulant betreut werden.

Das betreute Wohnen ist eines der Angebote (siehe Info-Kasten) der Awo mit ihrem Kreisverband und den Töchtergesellschaften Awo Pflege GmbH und Awo Soziale Dienste GmbH. Heute begeht die Awo in der Region Güstrow ihr 25-jähriges Bestehen. Bedingt durch den gemeinsamen geschichtlichen Hintergrund schob die SPD nach der Wende die Gründung an. „Eberhard Beyer war einer der Ideengeber“, erinnert sich Peter Schmidt, seit 1994 Awo-Geschäftsführer. Am 30. November 1990 vollzogen dreizehn Mitglieder die Gründung. „Die Awo sollte als Wohlfahrtsverband etabliert und mit ihr eine Alternative zu konfessionellen Verbänden ins Leben gerufen werden“, umreißt Schmidt das damalige Ziel. Inhaltlich sei es von Beginn an vor allem um „soziale Arbeit für in der Gesellschaft Benachteiligte gegangen“, sagt der Geschäftsführer.


Beginn in Hoppenrade und Krakow am See

Der Start wurde in Pflegeheimen in Hoppenrade und Krakow am See sowie mit zwei Kindergärten in Güstrow vollzogen. In Krakow am See wurde das Pflegeheim 1991 durch ein neues Gebäude ersetzt. Hoppenrade wurde 1997 geschlossen, nachdem das Pflegeheim im Magdalenenluster Weg saniert war. Mit 20 Millionen D-Mark ist es bis heute die größte Investition der Awo. Insgesamt setzte der Verband in den 25 Jahren zur Entwicklung seiner Infrastruktur mit Hilfe von Fördermitteln rund 25 Millionen Euro um. Das bisher letzte Vorhaben war das neue Gebäude für ein betreutes Wohnen auf dem Awo-Gelände im Magdalenenluster Weg.

Schmidt schätzt ein, dass durch die Motivation der 300 Mitarbeiter und 60 Ehrenamtler die Kommunen Vertrauen in die Arbeit der Awo haben und sie als wichtigen Partner in der Sozialarbeit betrachten. „Unser Markenzeichen sind ein breites Angebot und soziale Leistungen in hoher Qualität“, sagt Peter Schmidt. Letzteres wird seit 2012 durch Zertifikate für alle Firmen belegt. „Wir waren im Land die Ersten und verteidigten dieses Jahr wiederum als Erste diese Gütesiegel. Wir haben das umgesetzt, um das Unternehmen langfristig zu entwickeln und im Wettbewerb zu bestehen“, freut sich der 60-Jährige. Befeuert wurde der Wettstreit Ende der 90er-Jahre per Gesetz und EU-Regelungen mit dem Wegfall der Vorrangstellung der Wohlfahrtsorganisationen und dem Entstehen privater Anbieter.

Auf Besonderheiten angesprochen hebt der Geschäftsführer das Mehrgenerationenhaus in der Güstrower Südstadt hervor. „Dort bieten wir ein multi-funktionales soziales Netz für Jung und Alt an“, betont er. 40 000 Besucher im Jahr sprechen für die Beliebtheit des Hauses. Bis 2017 sind die Gelder für das Haus gesichert. Schmidt: „Dann muss die Politik sagen wie es weiter geht. Wenn es aber kein Geld gibt, werden wir z.B. freiwillige Leistungen wie Beratung oder Familienbildung eindampfen müssen“, sieht Schmidt ein Problem durch geringere öffentliche Gelder. Dadurch musste die Mädchenorientierungswerkstatt Güstrow schließen und wurde das Xenos-Projekt zur Begleitung von Ausländern beendet. Schmidt hakt hier ein, wenn es um Projekte zur Integration von Flüchtlingen geht: „Wir benötigen Klarheit, wie Flüchtlinge integriert werden sollen und wie das finanziert werden soll.“


Riesen Mangel an Fachkräften

Als größtes Problem sieht Peter Schmidt jedoch den „riesen Mangel an Fachkräften“. Hier rächt sich, dass jahrelang der Beruf des Altenpflegers vernachlässigt wurde. Dadurch werde, so Schmidt, der gesetzlich vorgeschriebene Personalschlüssel von mindestens 50 Prozent examinierter Pflegekräfte oft nicht eingehalten. Dadurch komme es zu Mehrarbeit, die nicht entsprechend bezahlt werde. Das schade der Motivation der Mitarbeiter, meint Schmidt. Hoffnung machen neue Gesetzlichkeiten, die z.B. die Pflege von Demenzkranken verbessern, bzw. die Festlegung von Pflegegraden für die Pflegestufen ab 2017. „Das sind neue Herausforderungen, bei denen aber erst die Praxis zeigen wird, wie sie sich auswirken“, blickt Peter Schmidt voraus.

Erst einmal aber wird heute im Bürgerhaus gefeiert. Peter Schmidt: „Wir wollen Mitarbeitern, Mitgliedern, Partnern und Ehrenamtlern Dankeschön sagen.“





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