Vollverpflegung in der Kita : Kobrower rechnen spitz statt pauschal ab

Gestern gab es bei der Obstpause am Vormittag Melone. Am Tisch sitzen Elisabeth, Hannah, Pierre, Keyla und Lennart. Elternratsvorsitzende Kathleen Heuer, Kita-Leiterin Jeannique Röthlein und Erzieherin Annegret Kracht (v.l.) schauen zu.
Gestern gab es bei der Obstpause am Vormittag Melone. Am Tisch sitzen Elisabeth, Hannah, Pierre, Keyla und Lennart. Elternratsvorsitzende Kathleen Heuer, Kita-Leiterin Jeannique Röthlein und Erzieherin Annegret Kracht (v.l.) schauen zu.

Erste Erfahrungen mit der Ganztagsverpflegung in einer kleinen Kindertagesstätte / Weiterhin Für und Wider

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23. April 2015, 06:00 Uhr

Es macht viel Arbeit, aber es funktioniert, urteilen Kita-Leiterin Jeannique Röthlein und Bürgermeister Günter Schink. In der Kindertagesstätte „Spatzennest“ in Kobrow hat wie überall im Land begleitet von vielen Diskussionen mit Jahresbeginn die Vollverpflegung der Kinder Einzug gehalten. Anders als in vielen anderen Kitas wird in Kobrow nicht pauschal, sondern individuell abgerechnet. „Streit um Kita-Essen beigelegt!?“ titelte SVZ vor gut fünf Monaten und fragte nun nach, ob eher das Ausrufezeichen oder das Fragezeichen gerechtfertigt waren und sind.

„Die Spitzabrechnung ist ein großer Vorteil, den wir uns hart erkämpft haben“, betonte gestern Kathleen Heuer. Es werde das bezahlt, was auch in Anspruch genommen wird. Man habe im vergangenen Herbst viele Gespräche geführt, immer wieder ausgelotet, was möglich sei, berichtet die Vorsitzende des Elternrates. Positiv wertet sie außerdem einen Wechsel des Anbieters mit Umstellung auf die Vollverpflegung zu Jahresanfang. „Das DRK in Laage ist sehr flexibel und berücksichtigt vielerlei Wünsche“, hebt Kathleen Heuer hervor. Es gebe unter der Elternschaft aber nach wie vor positive und negative Meinungen zur Vollverpflegung. Mancher fühle sich weiterhin bevormundet. Unterschiedlich werde die Formulierung im Gesetzestext, dass die Zuständigkeit für die Verpflegung an Dritte übertragen werden kann, ausgelegt. Für manche seien die Eltern solche „Dritte“. Präzisere Formulierungen im Gesetz, so denkt Jeannique Röthlein, hätten viele Diskussionen erspart. Als „Dritte“ seien eben nicht einzelne Eltern zu verstehen. „Wer auf das gemeinsame Frühstück mit den Kindern zu Hause nicht verzichten möchte, will eigentlich nicht fürs Frühstück in der Kita zahlen“, erklärt Kathleen Heuer. Im „Spatzennest“ ist es so geregelt, dass ein Kind für alle Mahlzeiten während seiner Anwesenheit zahlt. Wer erst nach dem Frühstück, nach 8.30 Uhr kommt, zahlt nicht. Bis 7.45 Uhr kann Essen beim Caterer und in der Kita abgemeldet werden.


Essen in Kita mit familiärem Touch


Die Kita-Leiterin sieht die Vollverpflegung positiv. Die Kinder hätten ihre Freude daran und die Auswahl. Etwa ab dreieinhalb, vier Jahren sitzen sie gemeinsam am Tisch und belegen ihre Brote, greifen zu dem, worauf sie gerade Appetit haben. „Das ist so als würde man zu Hause gemeinsam am Tisch sitzen“, erklärt Jeannique Röthlein.

Ein Problem aber harre noch einer Lösung. In der kleinen Kita – sechs Erzieherinnen kümmern sich um 51 Kinder – fehlt es an Platz für die Vorbereitung und Nachbereitung der Mahlzeiten. Die Küche ist klein. Die Gemeinde als Träger der Kita, nimmt Geld in die Hand, um die Küche aufzuwerten und praktikabler zu gestalten, berichtet Bürgermeister Schink. „Die Spitzabrechnung ist schon sehr aufwendig“, urteilt er und fügt hinzu: „Pauschal wäre wesentlich einfacher.“

Eine solche Pauschalabrechnung hatte der Landkreis den Kita-Trägern empfohlen und praktiziert sie selbst in den Fällen, in denen er die Eltern unterstützt. Dies bedeute, dass Eltern für die Verpflegung im Monat 17 Tagessätze zahlen, denn bundesweit gelte, dass ein Kind durchschnittlich 17 Tage im Monat in der Kita ist. Insbesondere gegen diese Pauschalabrechnung regt sich Elternprotest in MV. Erst jüngst war eine Petition, die auf eine Änderung des Kita-Gesetzes zielt, an den Landtag übergeben worden.  

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