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Landwirtschaft : Knollenernte: sehr spät aber gut

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Sarmstorfer vermarkten Kartoffeln weiterhin selbst – die Erntebilanz ist insgesamt jedoch ernüchternd in diesem Jahr.

Heute sollen die letzten Knollen geerntet werden. Auf 70 Hektar wuchsen beim Landwirtschaftlichen Unternehmen Sarmstorf e.G. Kartoffeln heran und sie sind prächtig gediehen. Mit Erträgen von rund 400 Doppelzentner je Hektar bei den Speisekartoffeln und 360 Doppelzentner bei den Pflanzkartoffeln ist Ulrich Behnke, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft, zufrieden. Das aber könne die schlechte Ernte insgesamt nicht wettmachen. Behnke rechnet damit, dass das Landwirtschaftsunternehmen am Ende des Jahres rote Zahlen schreiben muss. Sein Kommentar: „So ein Jahr brauchen wir nicht wieder.“

Der Anbau von Kartoffeln musste zwar in den vergangenen Jahren schon um rund ein Drittel reduziert werden, die Sarmstorfer Bauern wollen aber daran festhalten. „Die Essgewohnheiten haben sich verändert“, erklärt Behnke. Nach wie vor vermarktet das Unternehmen die Knollen selbst. Im Umkreis von 80 Kilometern bietet es neun Sorten Kartoffeln von mehlig bis fest kochend an. Über Lager- und Kühlkapazitäten verfügt man an der Glasewitzer Chaussee. Auch hier wird verkauft. Elf Arbeitskräfte seien über die Kartoffel im Unternehmen beschäftigt. Ohne Knollen wären sie arbeitslos, sagt der Vorstandsvorsitzende. Neben den Speise- werden auch Pflanz- und Stärkekartoffeln angebaut. Spät wie noch nie habe man in diesem Jahr geerntet. Aber der September sei noch viel zu warm gewesen, erklärt Behnke.

Hoffen ließe auch die Ernte der Zuckerrüben. Allerdings wachsen diese auf nur 20 Hektar für die Nordzucker AG heran. Im nächsten Jahr, so kündigt Behnke an, werde man zehn Hektar mit Rüben für die Norddeutsche Rüben AG in Lalendorf bestellen. „Wir waren Gründungsmitglied der AG“, betont Behnke. Nach der Schließung der Zuckerfabrik in Güstrow sollte eine Alternative für die Rübe geschaffen werden. Das aber sei ein langer Weg, so Behnke.

Die Maisernte schätzt der Sarmstorfer Landwirt als durchschnittlich ein. Der warme, trockene Spätsommer hatte dazu geführt, dass der Mais sehr schnell trocken wurde. Bei der Ernte habe der Anteil der Trockensubstanz bei 46 Prozent gelegen. Normal sind 34 Prozent.

Die ernüchternde Jahresbilanz sieht die Erträge bei den Hauptfrüchten weit unter dem üblichen Niveau: bei Raps 30 Prozent weniger, bei Getreide 25 Prozent. „Von der Milch wollen wir gar nicht reden“, sagt Behnke. 360 Milchkühe stehen in Sarmstorf im Stall. Bei einem katastrophalen Milchpreis fehlen dieses Jahr pro Kuh 1000 Euro, rechnet Behnke auf. Dass der Milchpreis langsam wieder steigt, verringere lediglich das tägliche Defizit ein wenig. In dieser Situation habe man alles noch einmal hinterfragt. Investieren oder Kühe abschaffen?! Die Entscheidung sei noch nicht endgültig gefallen, die Tendenz gehe aber dahin, bei der Milchwirtschaft zu bleiben, jetzt aber nicht zu investieren. Behnke sieht die Genossenschaft stark genug ein schlechtes Jahr auszuhalten. Man habe immer konservativ gewirtschaftet. „Wir sind ein stabiles Unternehmen“, betont Behnke nicht ohne Stolz. Jetzt gehe es darum vorausschauend zu arbeiten und einen Generationswechsel an der Spitze des Landwirtschaftlichen Unternehmens Sarmstorf mit Bedacht vorzubereiten.


Ein schlechtes Jahr, wie lange nicht


„Ein schlechtes Jahr, wie wir es lange nicht hatten“, resümiert Peter Brandt, Geschäftsführer des Bauernverbandes Güstrow für die Regionen Güstrow und Teterow. Die Erträge beim Raps lägen 30 bis 50 Prozent unter dem Durchschnitt. Kahlfröste, Trockenheit und Schädlingsbefall macht Brandt dafür verantwortlich. Beim Getreide würden etwa 30 Prozent fehlen. „Dramatisch wird es, wenn man die niedrigen Preise, die die Landwirte erzielen, hinzu nimmt“, sagt Brandt. Bei den Zuckerrüben sei ein ganz ordentliches Ergebnis zu erwarten. Der Mais sei insgesamt durchschnittlich gewesen. Größte Sorge bereite nach wie vor der niedrige Milchpreis. „Dabei sind Kühe schon in Größenordnungen abgeschafft worden“, betont der Geschäftsführer des Bauernverbandes und nennt Landwirte in Spoitgendorf, Breesen und Jahmen als Beispiele. Trotz Mengenreduzierung stieg der Milchpreis auf nicht mehr als 25/26 Cent je Liter und liege damit weiterhin unter den Herstellungskosten.

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erstellt am 25.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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