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Güstrow historisch : „Klosterhof“ erst ab etwa 1870

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Ein geschichtlicher Rückblick der Besiedlung des Klosterhofes in Güstrow, recherchiert von Ulrich Schirow (Teil 3 und Schluss)

Als in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts alle Klostergebäude einschließlich der Wirtschaftshäuser des ehemaligen Klosters verschwunden waren, ließ der mecklenburgische Herzog auf dem Areal ein Amtshaus errichten, das von einem Amtshauptmann geleitet wurde. Das gesamte Klosterareal erhielt nun den Namen „Fürstliches Amtshaus“. Schon bald wurden dort zusätzlich Privathäuser errichtet und bis in das 19. Jahrhundert ständig erweitert. Alle diese Häuser in einfacher Bauweise entstanden und beherbergten vorwiegend kleine Handwerker und ärmere Schichten der Bevölkerung. In einem dieser Häuser, Nr. 2, hatte der Tischlermeister Bünzel seine Werkstatt. Hier, abgerissen 1970, kaufte auch Ernst Barlach einen Teil seiner Hölzer.

Das alte Amtshaus war relativ schnell baufällig geworden und wurde 1860 durch einen Neubau ersetzt – das heutige Finanzamt. Viele Häuser der ehemaligen Bebauung aus dem 17. bis 19. Jahrhundert sind inzwischen verschwunden und Opfer in der NS-Zeit und in der DDR geworden. Heute stehen auf dem Areal nur noch die Nummer 1 (Finanzamt) sowie drei Privathäuser. Mehrere Häuser mussten zur NS-Zeit dem Bau eines Luftschutzbunkers weichen. In der DDR-Zeit wurde entlang der östlichen Seite des Areals ein Bauernmarkt mit mehreren massiven Buden errichtet, die inzwischen abgerissen sind.

Jetzt wird in Abstimmung der Allgemeinen Wohnungsbau-Genossenschaft Güstrow/Parchim (AWG) mit der Stadt dort ein völlig neues Wohnquartier entstehen mit insgesamt vier neuen Häusern und – sehr lobenswert – zusätzlich der Sanierung des großen Altbaus Pferdemarkt 45. Damit schlägt auch die AWG für sich ein neues Kapitel auf, denn zum ersten Mal hat die Genossenschaft sich mutig an die Sanierung eines Altbaus gewagt, zur Freude vieler Güstrower.

Noch einige historische Fakten. Im Jahre 1879 ging das Klosterhofgebiet zusammen mit der Dom- und Burgfreiheit in die Verwaltung der Stadt. Kurz vorher wurde die „Fürstliche Amtsfreiheit“ nun „Klosterhof“ genannt. In den Anbauten des Amtshauses war schon ausgangs des 17. Jahrhunderts eine Hengstdeckstation errichtet worden, die bis in das 19. Jahrhundert existierte.

Zur Zeit graben auf dem Klosterhof die Archäologen und erkunden fachkundig das historisch gewachsene Wohngebiet, bis dann die Architekten und Bauleute aktiv werden.

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