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Zum 200. Todestag des deutschen Dichters Heinrich von Kleist : Kleist und Barlach - eine Erinnerung

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Heute, am 21. November, jährt sich zum 200. Male der Todestag des deutschen Dichters Heinrich von Kleist, des "dritten Klassikers" (Jens Bisky) der bürgerlichen deutschen Literatur.

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erstellt am 21.Nov.2011 | 10:55 Uhr

Güstrow | Heute, am 21. November, jährt sich zum 200. Male der Todestag des deutschen Dichters Heinrich von Kleist, des "dritten Klassikers" (Jens Bisky) der bürgerlichen deutschen Literatur. Aus diesem Grunde hat der Staatsminister für Kultur, Bernd Neumann, am 3. März 2011 mit dem ersten Spatenstich für das zu erweiternde Kleist-Museum in Frankfurt/Oder das Jahr 2011 als "Kleist-Jahr" eröffnet.

Den Beitrag "Heinrich von Kleist und Ernst Barlach - eine Erinnerung" halte ich für hinreichend geeignet, auf das Kleist-Jubiläum aufmerksam zu machen und zugleich auf eine wenig bekannte Arbeit Ernst Barlachs sowie auf die Auszeichnung dieses Güstrower Bürgers mit dem Kleist-Preis des Jahres 1924. Zugleich verweist der Aufsatz auf die gegenwärtige Sonderausstellung der Ernst-Barlach-Stiftung im dortigen Graphik-Kabinett.

Güstrower Bildhauer Kleist-Preisträger 1924

Wer die Exposition "Mythos und Zukunftstraum" dort besucht, kann in einer Vitrine, etwa vor der Mitte der hinteren Stirnwand des Raumes, in einem aufgeschlagenen und wenig auffälligen Skizzenbuch Barlachs zwei seiner Kohlezeichnungen zu Heinrich von Kleists Meisternovelle "Michael Kohlhaas" (1810) entdecken. Sie gehören zu den 53 Zeichnungen des Künstlers, die dieser 1910 auf Anregung Bruno Cassirers als Entwürfe für vorgesehene Holzschnitte skizziert hatte. Die sollten zur Illustration einer modernen Neuausgabe des Kleistschen "Kohlhaas" dienen, die allerdings nicht zu Stande kam.

Nach dem durch Friedrich Schult 1940 initiierten internen Faksimiledruck des Barlachschen Skizzenbuches für die Freunde des Künstlers war es offensichtlich Elmar Jansen, der 1980 den Aufbau-Verlag Berlin/Weimar dazu veranlasste, den Kleistschen Text erstmals mit den Barlachschen Illustrationen zu publizieren. In seinem Nachwort zu dieser Publikation, das er auf "Ernst Barlachs frühe Versuche als Buchillustrator" ausrichtete, fand Jansen, dass "wir uns Skizzen gegenüber(sehen), in denen Humor und Pathos, rasch hingeworfene Konturen und Ungelenkes ineinandergreifen, leidenschaftlich schweifende Phantasie und umständliche, ins einzelne gehende Schilderung sich reizvoll mischen." Und da Jansen weiter feststellt, dass "der ,Kohlhaas’ ... Barlachs umfänglichster graphischer Zyklus zu einem fremden literarischen Text (ist) und das einzige Skizzenbuch in seinem Nachlaß mit einem thematisch derart geschlossenen Zusammenhang", dürfte das wohl Grund genug sein, im Heinrich-von-Kleist-Jahr auf diese graphische Leistung Barlachs, des Kleist-Preisträgers von 1924, hinzuweisen.

Allerdings erhielt Barlach den Kleist-Preis nicht für diese graphische Leistung, von der damals kaum jemand wusste, sondern für sein dramatisches Schaffen, speziell für sein hochbrisantes, religionsphilosophisches Stück "Die Sündflut" (1924). Aus ihm ist vor allem das Wort des Hirten zu einem nahezu geflügelten Wort geworden: "Ich schäme mich von Gott zu sprechen ... Das Wort ist zu groß für meinen Mund. Ich begreife, dass er nicht zu begreifen ist ..." Im März 2005 hatten wir Gelegenheit, eine Inszenierung dieses Stückes im Ernst-Barlach-Theater Güstrow zu erleben.

Der Heinrich-von-Kleist-Preis war 1912 durch ein Gremium namhafter Schriftsteller und Theaterleute gestiftet worden und galt "zwischen 1912 und 1932 als die angesehenste Auszeichnung im literarischen Leben Deutschlands" (Klaus Günzel). Vor Barlach waren u.a. Arnold Zweig (1915) und Bertolt Brecht (1922) Kleist-Preisträger und nach ihm Carl Zuckmayer (1925), Alfred Neumann (1926) und Anna Seghers (1928). Anlässlich seines 200. Todestages sei daran erinnert, dass zwischen 1924 und 1938 auch in Güstrow ein Heinrich-von-Kleist-Preisträger gelebt und gewirkt hat.

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