Gartenfreunde : Kleingärtner sind Mangelware

Ab nach draußen: Für Mirko Bredo ist sein Garten in der Kleingartenanlage „Seeblick“ ein Rückzugsort.
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Ab nach draußen: Für Mirko Bredo ist sein Garten in der Kleingartenanlage „Seeblick“ ein Rückzugsort.

Zahl der Gartenfreunde geht immer weiter zurück / Nachbarschaftshilfe, Pflege leer stehender Parzellen oder Beräumung hoch im Kurs

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19. März 2014, 06:00 Uhr

Mirko Bredo gehört zu einer aussterbenden Spezies. Er ist einer von rund 3000 Kleingärtnern der Region. Für den 43-Jährigen ist das Gärtnern ein toller Ausgleich: „Ich wohne im Plattenbau ohne Balkon – im Garten komme ich an die frische Luft. Das ist toll.“ Dennoch stehen etwa fünf Prozent aller Kleingärten im Land leer. Wenige junge Familien kommen nach – gerade in ländlichen Regionen. Der Altersdurchschnitt der Pächter liegt bei über 60 Jahren.

Er kennt sie alle: Die Schreckensmeldungen zum Untergang der Kleingarten-Siedlungen. Volker Knop ist Geschäftsführer des Kreisverbands der Gartenfreunde Güstrow und selbst mit Leib und Seele Kleingärtner.


Rund 800 leer stehende Parzellen


1974 packte ihn die Lust am Gärtnern. Zunächst in Sternberg und seit 1985 in Güstrow. Seither pflegt er seine Grüne Oase in der Gartenanlage „Zur Tankstelle“. So nah an der Basis kennt er natürlich auch die Probleme in den Anlagen. „Ich weiß um die Schwierigkeiten, sehe den Leerstand und als Geschäftsführer bemerke ich das auch anhand der jährlich sinkenden Mitgliedsbeiträge“, so der 70-Jährige.

Die Zahl der Gartenparzellen im Kreisverband sank im vergangenen Jahr von 3717 auf 3672. Seit der Wende, so Volker Knop, verzeichnet sein Verein einen kontinuierlichen Rückgang von einem Prozent pro Jahr. Inzwischen stehen rund 800 Parzellen im Verbandsgebiet der Gartenfreunde leer. „Wir haben wirklichen alles versucht, um wieder Leben in unsere Kleingärten zu bekommen“, resümiert der Verbands-Geschäftsführer. Die Vorschläge aus dem Landwirtschaftsministerium kennt der 70-Jährige nur zu gut: Senioren-, Generations- oder Schulgärten, alles habe der Verein bereits umzusetzen versucht. Mit mäßigem Erfolg: „Junge Familien bleiben nicht dauerhaft. Schul- oder Kitagärten haben wir auch versucht zu etablieren, aber deren Gelingen steigt und fällt mit dem Engagement der Betreuer.“

Seniorengärten gäbe es, so Volker Knop, bereits seit 20 Jahren. „Wir schmeißen doch niemanden raus, nur weil er es nicht mehr schafft seinen Garten zu bewirtschaften“, sagt er. Bei einem Vor-Ort-Termin in der Gartenanlage „Gartenfreunde“ mit dem Vereinsvorsitzenden Dieter Ihrke wird der Leerstand deutlich. Hier stehen 35 von insgesamt 170 Parzellen leer – elf davon sind aufgrund ihres langen Brachliegens nicht mehr zu verpachten.


Rückbau ist Hoffnung der Gartenfreunde


Damit diese Gärten nicht verwildern gibt es hier Pflegevereinbarungen. „Jeder Pächter muss vier Arbeitsstunden für gemeinsame Flächen aufwenden. Wer sich um einen leer stehende Garten kümmert, der hat die Stunden abgegolten“, erklärt Ihrke, der selbst schon seit 45 Jahren kleingärtnert. Im vergangenen Jahr wurden hier 14 Gärten aufgegeben – alle sind wieder verpachtet worden. „Besonders freuen wir uns, dass auch junge Familien unter den neuen Pächtern sind“, sagt der 71-Jährige, der gemeinsam mit seinen Gartenfreunden versucht über verschiedene Kanäle neue Pächter zu gewinnen.

Auf kurz oder lang werde es aber, so Volker Knop, weniger Gärten im Verbandsgebiet geben. Gemeinsam mit der Stadt wolle er ein Entwicklungskonzept erstellen, um Gelder für die Beräumung leer stehender Anlagen zu akquirieren. Bislang werden die Kosten auf die übrigen Pächter umgelegt. Durch die Beräumung erhoffen sich die Gartenfreunde eine Entlastung.

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