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Güstrower Anzeiger

23. November 2017 | 06:44 Uhr

Güstrow : Kleingärtner kontra höhere Pacht

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Sonne lockt in die Gartenanlagen – Kreisverband der Gartenfreunde berät heute.

von
erstellt am 25.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Die Sonne lockt die Kleingärtner in ihre Parzellen. Die einen räumen noch auf. Die anderen haben die Beete bereits vorbereitet. Diskutiert wird am Gartenzaun über Freuden und Probleme. Diese spielen mit Sicherheit auch auf der heutigen Sitzung des Kreisverbandes der Gartenfreunde eine Rolle.

Rita (66) und Heinz (68) Krönke wollten gestern erst einmal die Sonne genießen. „Wir haben den Garten erst im zweiten Jahr“, erzählt Rita Krönke. „Aber es ergeht uns schon genau so wie den eingefleischten Kleingärtnern, wir sind richtig heiß darauf jetzt loszulegen“, fügt sie hinzu und hängt die Ostereier an einen Strauch. Ein paar Gärten weiter räumt Ralf Pawelke (55) auf. Auch er gehört in der Kleingartenanlage am Magdalenenluster Weg noch zu den Neulingen. Im dritten Jahr bewirtschaftet er seine Parzelle. Der Labrador Sam ist immer dabei. „Ein bisschen muss man sich noch gedulden. Es ist zu naß“, berichtet Ralf Pawelke. Er hatte schon den Spaten in der Hand, aber der Boden sei noch zu schwer. Der 55-Jährige verbringt seine Zeit auch gern auf dem Wasser und insbesondere beim Angeln. Deshalb ist die Gartenanlage am Magdalenenluster Weg für ihn ideal, verfügt sie doch über Zugang zum Kanal. Eine Parzelle bietet Platz für die Boote.


Magdalenenlust: alle Gärten belegt


Wolfgang Kremin (75) hat einen Teil seiner Erdbeeren verhüllt. „Das lohnt sich“, sagt der erfahrene Gärtner. Schon jetzt seien die Pflanzen darunter deutlich größer als die im Freiland. „Und ernten kann ich ab Ende Mai“, erzählt der 75-Jährige, der am Gartenzaun mit seinem Nachbarn Klaus Blume (71) plaudert. Beide sehen den Garten als Erholung und das eigene Gemüse und Obst als Gewinn. „Da weiß man, was man hat und was drin ist“, betont Klaus Blume. Und als Ergebnis der eigenen Arbeit betrachtet, mache es auch glücklich, fügt er hinzu. Noch ein paar Tage Sonne und dann könnten Radieschen, Möhren, Zwiebeln und Co. in der nächsten Woche in den Boden.

„Unsere Anlage hat 65 Parzellen und alle sind belegt“, informiert Wolfgang Kremin, stellvertretender Vereinsvorsitzender. Das sei immer ein Stück Arbeit. Zehn Gärten wechselten zuletzt den Pächter. Erstmals seit langer Zeit habe man sogar eine Warteliste – mit einem Namen darauf. „Es ist die Lage am Kanal“, sagt Wolfgang Kremin und weiß, dass es in anderen Anlagen Probleme gibt.

Rund 600 Gärten stehen leer, wird Volker Knop, Geschäftsführer des Kreisverbandes der Gartenfreunde, heute berichten müssen. Jährlich müsse man mit einem Rückgang von einem Prozent rechnen. Das werde auch in den nächsten Jahren so weitergehen, schätzt Knop ein. Deshalb sei dem Kreisverband daran gelegen, dass die Stadt eine Entwicklungskonzeption für die Gartenflächen erarbeite. Ende vergangenen Jahres habe man dies mit den Stadtfraktionen diskutiert. „Wir müssen wissen, welche Gartenanlagen auch in 15/20 Jahren noch Bestand haben, welche vielleicht verkleinert werden sollen“, betont Knop. Fördergelder für einen Rückbau bekomme man nur, wenn so eine Konzeption vorliege.


Entwicklungskonzept für Gartenanlagen


Noch immer in der Schwebe ist eine Erhöhung des Pachtzinses, die die Stadt anstrebt. Auf 12,8 Cent pro Quadratmeter sollte die Pacht steigen. Das ist eine Steigerung um das rund Zweieinhalbfache und brachte die Kleingärtner auf die Barrikaden. Hatte man zunächst um einen Kompromiss gerungen – Steigerung der Pacht in zwei Schritten –, so kam es letztendlich nicht zu einer Einigung. „Wir bezahlen den alten Pachtzins von 4,8 Cent pro Quadratmeter“, sagt Knop. Wenn die Stadt etwas anderes wolle, müsse sie wohl klagen, fügt er hinzu.

So weit wolle man eigentlich nicht gehen, sagt Bürgermeister Arne Schuldt. Er wisse nicht, wie der Streit ausgehen wird. Rechtsgrundlagen seien auszuloten und weitere Schritte zu überlegen. Bis dahin müsse man hinnehmen, dass der Kreisverband weiterhin den alten Pachtzins zahlt. Im Gegenzug habe man Zuschüsse gestrichen. Hinsichtlich einer Entwicklungskonzeption spielt Schuldt den Ball zurück. Diese könnte auch der Kreisverband selbst erarbeiten. Sicher aber würde auch die Zukunft der Gartenanlagen bei der Neufassung des Flächennutzungsplanes – am Donnerstagabend von der Stadtvertretung beschlossen – berücksichtigt werden. Außerdem verweist Schuldt auf eine Planung aus dem Jahr 1994. Sie umfasst alle Gartenflächen in der Stadt und mögliche Zukunftsvisionen für den Fall eines rückläufigen Bedarfs. Den alten Plan werde man sich jetzt genauer ansehen.

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