Stadt Güstrow : Kleingärten zu Bauland?

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Stadt Güstrow plant mit leerstehenden Kleingartenflächen auf städtischem Grund / Gartenfreunde: Leerstand in diesen Anlagen nicht akut

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23. Januar 2016, 06:00 Uhr

Nach SVZ-Informationen gibt es in der Güstrower Stadtverwaltung Überlegungen, leerstehende Kleingartenanlagen auf städtischem Grund in Bauland umzuwandeln. Demnach könnten bei mehr als 50-prozentigem Leerstand sogar ganze Anlagen geschlossen und die verbliebenen Gartenfreunde auf andere Anlagen verteilt werden. Angedacht ist zudem auch, nur Teile einer Anlage abzutrennen, so dass die Kleingärtner innerhalb der Anlage umziehen und enger zusammenrücken müssten. Diese Überlegungen sind offensichtlich den wiederholten Forderungen der Stadtvertretung geschuldet, in Güstrow mehr Bauland für junge Familie auszuweisen.

Bürgermeister Arne Schuldt wollte das Thema auf SVZ-Nachfrage nicht überbewerten: „Es gibt keine konkreten Pläne. Aber es ist nun an der Zeit, endlich zu ergründen, wie groß das Problem des Leerstandes in den Kleingartenanlagen in der Stadt ist.“ Schuldt geht davon aus, dass sich die Zahl der aufgegebenen Kleingartenparzellen aufgrund der städtischen Pachtzinserhöhung in naher Zukunft „automatisch“ vergrößern wird. Im Frühjahr sollen zunächst alle 23 Kleingartenanlagen auf städtischen Grund von der Stadtverwaltung begutachtet werden. „Das Ergebnis dieser Begehung ist noch offen“, unterstreicht Schuldt. Kleingartenflächen seien zudem im Flächennutzungsplan gesichert. „Wenn wir da etwas ändern wollen, müssen wir an den Flächennutzungsplan ran“, sagt er. Laut Vertrag mit dem Kreisverband der Gartenfreunde Güstrow sei es aber möglich, dass Teile einer Anlage zurückgegeben werden. „Das ist bloß bisher nie passiert, weil es der Kreisverband nicht wollte“, sagt der Bürgermeister.

Volker Knop, Geschäftsführer des Kreisverbandes der Gartenfreunde Güstrow, zeigt sich überrascht über die Pläne, Kleingartenanlagen zu schließen oder Teile abzutrennen. „Das ist mir völlig neu“, sagte er gestern auf SVZ-Nachfrage. Dennoch kämpfe der Kreisverband seit Jahren mit immer größer werdenden Leerständen (SVZ berichtete mehrmals). „Aber sie können einem Kleingärtner nicht sagen, dass er umziehen soll“, unterstreicht Knop. „So einfach geht das nicht. Die hängen an ihren Parzellen, haben sie teilweise von ihren Großeltern geerbt. Wollen sie einer 70-jährigen Frau sagen, dass sie nochmal komplett neu anfangen muss?“ Leerstände in Anlagen seien zudem nicht einheitlich, sondern es entstehe ein „Flickenteppich“. Ein Umzug müsse darüberhinaus finanziell unterstützt werden. Laut Knop bestehe hier noch viel Redebedarf mit der Stadt.

Die Pläne der Stadt könnten sich zudem als Luftnummer entpuppen. Denn nach aktuellen Berechnungen ist der Leerstand gerade in den Kleingartenanlagen auf städtischen Flächen kein akutes Problem. Knop nennt Zahlen: „Von den 1760 Parzellen auf städtischen Grund sind zurzeit 1520 belegt. Im Gegensatz dazu ist der Leerstand in privaten Anlagen wesentlich größer. Wir sollten deshalb gerade die Anlagen auf städtischen Flächen erhalten.“ Zwei Beispiele: Die Anlage „Immergrün“ in der Langen Stege hat von denen auf städtischem Grund den größten Leerstand: 37 von 107 Parzellen stehen leer. Bei der privaten Anlage „Zufriedenheit“ in Güstrow sind nur 109 von 202 Parzellen belegt.

Knop fordert von der Stadt ein langfristiges Entwicklungskonzept für Kleingartenanlagen. Dabei sei der Verband durchaus offen für die Reduzierung von Kleingartenflächen. Unterdessen hat der Kreisverband der Gartenfreunde die Pachtzinserhöhung durch die Stadt Güstrow noch nicht unterschrieben. „Wir prüfen noch, ob diese Erhöhung rechtmäßig ist und ob sie mit dem Bundeskleingartengesetz konform ist“, erklärt Knop. Stufenweise soll der Pachtzins von 4,8 Cent auf 12,8 Cent pro Quadratmeter angehoben werden.

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