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Güstrower Anzeiger

19. November 2017 | 06:18 Uhr

Kleine Wohnungen sehr gefragt

vom

svz.de von
erstellt am 28.Mär.2012 | 08:11 Uhr

In der großen Lebenswert-Studie unserer Zeitung haben wir unsere Leser gefragt, wie zufrieden sie mit ihrer Heimatstadt sind. Die Ergebnisse waren in den vergangenen Tagen in der SVZ zu lesen. Generell zufrieden hatten sich die Leser zum Angebot von Mietwohnungen und zu den Mietpreisen in Güstrow geäußert. Dennoch bleiben auch Wünsche offen: Insbesondere werden kleinere Wohnungen nachgefragt, vereinzelt auch große Wohnungen und solche mit Stil in der Innenstadt. Wie reagieren Stadt und Wohnungsunternehmen darauf?

Bei der Wohnungsgesellschaft Güstrow (WGG) ist der Trend ebenso bekannt wie auch beim zweiten großen Wohnungsunternehmen in Güstrow, der Allgemeinen Wohnungsbaugenossenschaft (AWG). "50 Prozent der Wohnungsnachfragen betreffen bei uns Zweiraumwohnungen", bestätigt WGG-Geschäftsführer Jürgen Schmidt. Die Nachfragen nach Einraumwohnungen würden 15 Prozent ausmachen. Für die WGG sei es nicht ganz einfach sich auf die Situation umzustellen. Mit einem derzeitigen Leerstand von unter drei Prozent, könne man die Nachfrage noch ganz gut bedienen. Neubauten seien derzeit kein Thema für die WGG. "Ohne Förderung nicht möglich", urteilt Schmidt. In der Innenstadt, wo es eine Förderung gebe, baue die WGG auch neu. Als nächstes werde in der Langen Straße eine Baulücke geschlossen.

Auch die AWG reagiert auf die Nachfrage nach kleineren Wohnungen und nutzt dabei ebenfalls die Förderung in der Altstadt. AWG-Vorstandsmitglied Birgit Kornmesser nennt das Projekt "Sonnenhof" in der Baustraße. Dort sollen 14 Zweiraumwohnungen, die dazu noch altersgerecht sind, entstehen. Auch wolle man einen Aufgang mit Drei- und Vierraumwohnungen in der Güstrower Südstadt umbauen. Nach einem in der August-Bebel-Straße bereits praktizierten Beispiel entstehen drei Zweiraumwohnungen auf jeder Etage. Ein Fahrstuhl komme hinzu.

Generell sieht Bürgermeister Arne Schuldt die Wohnungsunternehmen und die Stadt auf dem richtigen Weg. Leider, so der Bürgermeister, gebe es in der Innenstadt mit rund 15 Prozent noch immer den größten Leerstand. Mit einiger Zufriedenheit beobachte er aber einen Trend vom Dorf in die Stadt. Hoffnung resultiere auch aus der Lage Güstrows mit guter Zuganbindung an Rostock. Mit einem Mietniveau von fünf, sechs Euro für den Quadratmeter lägen die Mieten deutlich unter dem Rostocker Niveau.

Bodenrichtwert für Güstrow: 50 bis 85 Euro

Das Angebot für Hausbauer sieht Schuldt als ausreichend. Geschosswohnungsbau sei noch an der Wallensteinstraße möglich. Weitere Eigenheime könnten am Hengstkoppelweg entstehen. Der Investor am Pfahlweg sei noch nicht aktiv geworden. Schuldt nennt weiter Flächen an der Hamburger Straße, der Demmlerstraße, in Bauhof und im Kessinerviertel. "Alles in allem sind es sehr vielfältige Möglichkeiten", schätzt Schuldt ein. Baulandpreise zu teuer? Für Schuldt ist das eine Frage der Perspektive. Wer aus Rostock kommt sieht die Preise als günstig an, wer vom Dorf kommt hält sie für teuer.

Der Bodenrichtwert für das Baugebiet Hengstkoppelweg liegt bei 50 Euro pro Quadratmeter, an der Wallensteinstraße bei 85 Euro je Quadratmeter, sagt der Grundstücksmarkt-Bericht des Gutachterausschusses für Grundstückswerte im Landkreis Rostock aus. Vergleiche: Bodenrichtwerte in Bützow bei 30 bis 35 Euro je Quadratmeter, Krakow am See 45 bis 60 Euro, Laage 50 Euro, Teterow 60 Euro. Im Durchschnitt der vergangenen Jahre werden in Güstrow jährlich zwölf Baugrundstücke verkauft. Ein Einfamilienhaus (ein bis zehn Jahre alt) kostet durchschnittlich 165 000 Euro, ein älteres durchschnittlich 139 000 Euro, eine Eigentumswohnung mit 60 Quadratmetern rund 50 000 Euro.

Problem: Augenarzt ohne Nachfolger

Bei der medizinischen Versorgung kristallisierten sich zwei Fragen heraus: Es gibt zu wenig Fachärzte und die Wartezeiten sind zu lang.

Medizinische Angebote

„Bei den Fachärzten gibt es zahlenmäßig kaum Veränderungen bzw. in einigen Fachgruppen leichte Zuwächse, z.B. fachärztliche Internisten, Psychotherapeuten“, erklärt Oliver Kahl, Hauptabteilungsleiter Sicherstellung der Kassenärztlichen Vereinigung. Sorgen mache aber die Schließung einer Augenarztpraxis ohne Nachfolger, so Kahl. Dass sich die spezialisierte fachärztliche Versorgung auf Güstrow konzentriere und die Patienten vom Dorf weitere Wege zurücklegen müssen, hänge damit zusammen, dass die Praxen einen größeren Einzugsbereich benötigen, um wirtschaftlich zu arbeiten. Die zu langen Wartezeiten bewertet Kahl differenziert. Entscheidend sei z.B. die einzelne Arztpraxis oder ob der Patient schwerkrank ist oder zur Kontrolle kommt. Kahl spricht von einem Kompromiss zwischen der Praxenzahl (im Interesse kürzerer Wartezeiten) und den Beiträgen der Patienten (Leistungen der Ärzte müssen bezahlt werden). Für Güstrow gilt, was landes- und bundesweit zutrifft: Termine bei Augenärzten und Nervenärzten sowie bei Psychotherapeuten sind schwerer zu bekommen bzw. mit längeren Wartezeiten verbunden.

Generell gelte, darauf weist Kahl hin, dass ein Arzt freiberuflich tätig ist und seinen Praxisstandort frei wählen kann. Kahl: „Man kann nur versuchen, ihn zu locken und ein Umfeld zu schaffen.“ Darüber hinaus sei die Zahl der Zulassungsmöglichkeiten begrenzt. Aber der Gesetzesgeber habe jetzt endlich Handlungsbedarf erkannt, betont Kahl, mit dem Versorgungsgesetz ab 2013. Kahl: „Ob und in welchem Umfang sich daraus aber neue Arztsitze für Güstrow ergeben, lässt sich zurzeit nicht sagen.“

Einkaufen

Zu viele Discounter, zu wenig Geschäfte in der Innenstadt und kein großes Kaufhaus – das war die Kritik. Tino Beig, Geschäftsführer im Einzelhandelsverband Nord, sieht die Lebensmittelversorgung als ausreichend. Für die Zahl der Discounter trage die Kommune die Verantwortung. In der Innenstadt könnten mehr Geschäfte sein. Über Ansiedlungen würden aber die Unternehmer entscheiden. Beig hält ein großes Kaufhaus für illusorisch. Der Altstadt bescheinigt er trotzdem Perspektive. Der demografischen Wandel sei dabei zu sehen.

Behördenarbeit

Freundlichkeit, Bürgernähe, ein schnelles Bearbeiten von Anträgen – das Erwarten unsere Leser von den Behörden. Güstrows Bürgermeister Arne Schuldt sieht das genauso. „Alle Mitarbeiter der Stadtverwaltung sind aufgefordert, gründlich, freundlich und schnell zu arbeiten. Jeder Bürger kann erwarten, dass das so ist.“ Schuldt räumt jedoch ein, dass das nicht immer so ist. Wo er das mitbekomme, reagiere er, weil gute Verwaltungsarbeit ein „Muss“ ist.

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