Vogelzucht : Kleine Truppe hält fest zusammen

Mit 78 Jahren ist Horst Borchers der Senior im Verein. In seiner Großvoliere leben Wellensittiche, Nymphensittiche und Agaporniden einträchtig zusammen.  Fotos: Christian Menzel
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Mit 78 Jahren ist Horst Borchers der Senior im Verein. In seiner Großvoliere leben Wellensittiche, Nymphensittiche und Agaporniden einträchtig zusammen. Fotos: Christian Menzel

Mangels Zuchtpotentials veranstalten die Mitglieder des Vereins der Ziergeflügel- und Exotenzüchter keine Ausstellungen mehr.

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13. November 2017, 05:00 Uhr

Mindestens einmal im Monat treffen sich die Mitglieder des Vereins der Ziergeflügel- und Exotenzüchter in einer Gaststätte oder in der warmen Jahreszeit im Garten. Mit dabei sind dann meist die Partner der Züchter. Die Runde verlebt ein paar schöne Stunden, fachsimpelt ein wenig und unterhält sich über Gott, die Welt und die Vögel. „Wir sind zwar eine kleine, aber gut zusammenhaltende Gemeinschaft“, schätzt Vereinschef Jürg Schneider ein. In früheren Jahren zählte der Verein mehr Mitglieder und organisierte auch Ausstellungen. Den Güstrowern in Erinnerung sind vielleicht noch die Präsentationen der bunten Vögel im Autohaus Nord.

„Aber durch den Mitgliederschwund haben wir auch nicht mehr das notwendige Zuchtpotential, um interessante Ausstellungen zu organisieren. Die Besucher wurden weniger, es lohnte sich nicht mehr“, schildert Stellvertreter Axel Christens den Teufelskreis. So wurde das Equipment verkauft, aber dennoch besuchen die Vereinsmitglieder gern Ausstellungen anderer Vereine oder befreundete Züchter.

Zum Hobby gekommen sind alle auf unterschiedliche Weise. Jens Rodenstein aus Vietgest, mit 46 Jahren der Jüngste im Verein, hatte schon immer viele Tiere auf dem Hof. Irgendwann bot ihm einer einen Exoten an, und das Interesse war geweckt. Als ganz junger Mann hatte der heute 71-jährige Franz Reschak aus Sarmstorf mit dem Züchten begonnen. Heute leben in seinen Volieren um die 30 Vögel, vor allem Kanarienvögel, Wellensittiche und Großsittiche. Horst Borchers, Kassierer im Verein und mit 78 Jahren der Senior in der Gruppe, hatte mit der Zucht von Tauben begonnen. Als er dann in die Stadt zog, entschied er sich für Exoten und Ziergeflügel. Inzwischen hält er seine Tiere in einer Großraumvoliere – unter anderem Wellen- und Nymphensittiche sowie Agaporniden, eine kleine afrikanische Papageienart, die die „Unzertrennlichen“ genannt werden. „Sie vertragen sich alle gut miteinander“, versichert er. Rücksicht auf die Nachbarn im Wohngebiet nimmt auch Jörg Schneider. Er hat sich auf Schmuck- und Schönsittiche spezialisiert. „Das sind keine Schreihälse, sondern leise Exoten“, bestätigt er. Der Vorsitzende schwärmt für sein Hobby. „Die farbenfrohen Tiere zu beobachten ist unvorstellbar schön. Es beruhigt und baut den Stress des Tages sehr schnell ab“, sagt er.

Wünschen würde Schneider sich, dass vor allem jüngere Menschen Interesse an der Zucht zeigen würden. Er weiß aber auch, dass das mit dem Nachwuchs ein deutschlandweites Problem ist, das viele Vereine haben. „Es gibt einfach zu viele Angebote. Und Arbeit macht ein solches Hobby ja auch“, räumt er ein. Neben der Freude an Zuchterfolgen will der Vereinsvorsitzende aber auch das rege Vereinsleben als Argument für eine Mitgliedschaft anführen. Denn wie gesagt: Der Verein ist zwar klein, aber seine Mitglieder halten ganz fest zusammen.


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