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Ältestes Haus entdeckt : Klein und unscheinbar, aber uralt

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Untersuchungen vor Sanierung der Langen Straße 46 bringen Bautechniken aus spätem Mittelalter zum Vorschein / Haus von 1534

von
erstellt am 22.Mai.2015 | 06:00 Uhr

Schmucklos zeigt sich das Haus mit der Nr. 46 in der Langen Straße und heruntergekommen. Ulrich Bunnemann von der Schelfbauhütte Schwerin, der bereits mehrere Häuser in Güstrow sanierte, kaufte es dennoch von der Stadt und berichtet nun von einer gehörigen Überraschung. Das Haus dürfte eines der ältesten in Güstrow sein. Datiert wird es auf das Jahr 1534. Damit wäre es noch älter als das Derz’sche Haus in der Mühlenstraße (1539).

„Das ist eine große Überraschung“, betont der Architekt. Man habe nicht damit gerechnet, weil man sich von einer in den frischen Lehm gezeichneten Jahreszahl „1674“ im Kemladen (ein rückwärtiger Anbau) habe leiten lassen. In der Südwand des Vorderhauses aber versteckt sich eine ältere Außenwand in Ständergeschossbauweise. Auch die Decke und die Dachstuhl sind uralt. Eichenbalken waren 1533 und 1534 gefällt worden, bevor sie eingebaut wurden, sagt ein dendrologisches Gutachten aus. Außerdem spricht die Art und Weise, wie die Balken miteinander verbunden wurden, für das späte Mittelalter, erklärt Bunnemann und beruft sich auf Untersuchungen des Bauforschers Tilo Schöfbeck. Der schreibt: „Die Kehlbalken sind mit Schwalbenschwanzblättern an die Sparren geblattet und nochmals durch seitliche Fugennägel in ihrer Lage fixiert. Das Haus in der Langen Straße 46 dürfte den bislang ältesten Nachweis dieser Technik im Land liefern."

Die überraschenden Erkenntnisse werden die Sanierung etwas verzögern. Das Haus steht bisher auf keiner Denkmalliste, also werde man als erstes die Eintragung als Einzeldenkmal beantragen, informiert Bunnemann. „Als wir das Haus von der Stadt kauften, war es quasi schon abgeschrieben. Wir hätten es auch abreißen können“, berichtet der Architekt. Dies habe er nie im Sinn gehabt, aber eine denkmalgerechte Sanierung erfordere nun natürlich einen viel höheren Aufwand von der Planung bis zur Ausführung. Dies sei gegenüber Banken nur darstellbar, wenn wie bei Einzeldenkmalen üblich eine 50-prozentige Unterstützung aus Städtebaufördermitteln erfolge. Das werde jetzt erst auf den Weg gebracht.

In dem Güstrower Haus mit Kemladen möchte Bunnemann drei Wohneinheiten unterbringen und dabei auch eine Treppe aus dem 19. Jahrhundert erhalten. In diesem Fall sei es besonders schwierig die heutigen Anforderungen an modernes Wohnen (in Güstrow gehören Balkone dazu) und beispielsweise die Forderungen des Brandschutzes mit der vorhandenen Bausubstanz und deren Erhaltung in Einklang zu bringen, gesteht der Schweriner Architekt mit viel Erfahrung bei der Sanierung von Baudenkmälern. So werden die Arbeiten vermutlich erst im kommenden Jahr beginnen. 

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