Flüchtlinge : Kleiderkammern fast leer

Die Güstrower Kleiderkammer des DRK in der Hagemeisterstraße bietet zurzeit ein trauriges Bild. Doris Proplesch (l.) und Gabriele Panitz haben nicht mehr genug Anziehsachen für Bedürftige.
Die Güstrower Kleiderkammer des DRK in der Hagemeisterstraße bietet zurzeit ein trauriges Bild. Doris Proplesch (l.) und Gabriele Panitz haben nicht mehr genug Anziehsachen für Bedürftige.

Der DRK-Kreisverband Güstrow muss immer mehr Flüchtlinge mit Kleidung versorgen. Gestern wurde die neue Notunterkunft in Jördenstorf eröffnet.

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16. September 2015, 06:00 Uhr

Die sechs Kleiderkammern des DRK-Kreisverbandes Güstrow müssen immer mehr Flüchtlinge mit den notwendigsten Kleidungsstücken versorgen. Die Folge: gähnende Leere in den Standorten der Kleiderkammern in Güstrow, Bützow, Teterow, Krakow am See, Gnoien und Kronskamp. „Die Situation ist kritisch. Wir leben von der Hand in den Mund“, sagt Gabriele Panitz, Leiterin Wohlfahrt und zuständig für die DRK-Kleiderkammern. Wegen Mangels an Kleidungsstücken musste die Kleiderausgabe Güstrow am Montag erstmals geschlossen werden. „Mir kamen die Tränen. Unsere Kammer war komplett leer. Das hatten wir noch nie“, sagt Doris Proplesch, die seit 14 Jahren ehrenamtlich bei der Kleiderausgabe in Güstrow arbeitet.


Flüchtlinge abhängig von Kleiderspenden


Nur durch Mundpropaganda und die sofortige Aktivierung sämtlicher Mitarbeiter konnten kurzfristig noch einige wenige Kleidungsstücke beschafft werden. Erschwerend kommt hinzu, dass der DRK-Kreisverband im Auftrag des Landkreises seit vergangener Woche die Einrichtung und Betreuung der Notunterkunft in der ehemaligen Berufsschule in Jördenstorf übernommen hat. Bis zu 150 Flüchtlinge sollen hier unterkommen. Gestern kamen die ersten an. „Die Flüchtlinge sind voll angewiesen auf unsere Kleiderkammern. Sie kommen nur mit den Sachen, die sie am Leib tragen“, sagt Gabriele Panitz. Gestern fuhr sie mit dem „Kleiderbomber“ nach Jördenstorf, um die Asylsuchenden mit Anziehsachen zu versorgen.

Seit Einsetzen des Flüchtlingsstroms im Landkreis Rostock hat sich die Zahl der Bedürftigen vor den Kleiderkammern mehr als verdoppelt. Im Schnitt kommen pro Tag bis zu 25 Menschen allein in die Kleiderkammer Güstrow. „Rund 85 Prozent unserer Bedürftigen sind mittlerweile Flüchtlinge“, sagt Doris Proplesch. Ein Problem für die Kleiderkammern. „Denn wir wollen ja nicht nur die Flüchtlinge versorgen, sondern müssen auch an unsere eigenen sozial Schwachen denken. Auch von denen gibt es genug“, sagt Gabriele Panitz.

Deshalb ihr Appell: „Wir benötigen dringend Kleidung. Alles wird gebraucht. Bitte zu Hause noch einmal die Schränke durchforsten.“ Altkleider jeglicher Art können beim DRK abgegeben werden, vor allem auch Jacken, Männerhosen sowie Babysachen. „Auch Spielzeug oder Plüschtiere haben wir kaum noch“, ergänzt Doris Proplesch. „Die Kleiderkammern leben von den Spenden der Bevölkerung.“

In Jördenstorf lief gestern unterdessen die Vorbereitung auf die Neuankömmlinge auf Hochtouren. „Eine gewaltige Aufgabe für den Kreisverband, zumal die Vorbereitungszeit äußerst eng bemessen ist“, sagt Manuela Hamann, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit beim DRK Güstrow. „Mit der Unterbringung allein ist es nicht getan. Die Flüchtlinge müssen versorgt werden. So müssen drei Mahlzeiten täglich frisch zubereitet, in die Einrichtung gebracht und verteilt werden.“ Die Teterower DRK-Küche übernimmt die Versorgung. „Viele der Flüchtlinge erreichen die Unterkünfte in Badeschlappen und Sommerkleidung. Es wird Herbst – also muss auch neue Kleidung nebst Wechselwäsche verteilt werden“, weist Manuela Hamann noch einmal mit Nachdruck auf den Mangel an Altkleidern hin. Zur Betreuung der Flüchtlinge sucht das DRK zudem noch ehrenamtliche Mitarbeiter, z. B. für Deutschkurse oder Freizeitangebote. Auch Dolmetscher werden gebraucht. Fahrräder könnten den Flüchtlingen ebenfalls helfen, so Hamann. Wer helfen kann und will kann sich unter der Telefonnummer 08000 365 000 melden.  
 

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